Serie 36,5 Grad: Karl-Heinz Konst – Im Herzen der City

Der Lottomann macht Schluss. Ende Juni übergibt Karl-Heinz Konst sein Geschäft am Markt 3 an die Familie Förster aus Hünxe und wechselt in den Ruhestand. „Mehr als 30 Jahren sind genug“, meint der 66-jährige. Mit ihm geht eine Institution. Denn Konst gehörte für mindestens zwei Generationen zu Bocholts guter Stube wie der Europabrunnen oder die Eiscafes.

Der Bocholter mag’s eher konservativ. Neumodischer Schnick-Schnack wie E-Zigaretten sucht man bei ihm vergebens. Wenn schon rauchen, dann auch richtig. Basta! Gerade das ist es, was die Kunden an ihm mögen: trockener Humor und eine direkte Ansprache gepaart mit einer höflichen Herzlichkeit.

Karl-Heinz Konst kennt die Menschen auf der anderen Seite der Verkaufstheke. Er fragt nach den Kindern, lässt der Ehefrau Grüße ausrichten oder erkundigt sich nach der Genesung der betagten Eltern. Manchmal sei man auch eine Art Seelsorger, meint er. Der jungen Frau, die gerade ein Paket Zigaretten bei ihm kauft, hat er bereits als kleines Mädchen Kirschlutscher geschenkt. Kundenbindung beginnt nun mal früh.

Von zwei Dingen hat Karl-Heinz Konst immer profitiert. Das ist zum einen die 1a-Lage neben dem Historischen Rathaus und zum anderen die Tatsache, dass ihm das Internet – anders als anderen Einzelhändlern – nur wenig anhaben konnte. „Man kann Lotto zwar inzwischen auch online spielen, aber ich persönlich merke nichts von“, erklärt der 66-Jährige. Die Menschen mögen es nun mal, das vermeintliche Glück in Form eines Scheines oder einer Quittung real anfassen zu können. Und sie freuen sich, wenn derjenige, der ihn entgegennimmt, persönlich viel Erfolg wünscht. Auch Zigaretten oder Zigarren werden eher selten virtuell gekauft. Ähnliches gilt für Magazine und Zeitungen.

Und manchmal macht die Arbeit besonders viel Spaß. An dem Tag zum Beispiel, als eine Frau seinen Laden betrat und ihn höflich bat, ihren Spielschein des damaligen Mittwochslottos zu überprüfen. Die Kontrolle wurde zu dieser Zeit noch händisch beziehungsweise per Augenschein vorgenommen. Karl-Heinz Konst sah nach und hakte ab: 1 Richtiger, 2 Richtige, 3, 4 … „Da wirst du dann schon selbst etwas unruhig“, schildert der 66-Jährige. Es ging so weiter. 5,6 – alles Treffer. „Ich kann es nicht mehr genau sagen, aber ich glaube, am Ende war es ein Gewinn 900.000 Euro Mark“.

Apropos D-Mark: Als sich der Bocholter vor 17 Jahren selbstständig machte und erstmals als eigener Chef im Laden stand, hatte er zwei Kassen – eine für die alte Währung und eine für die damals frisch geprägten Euros. Bereits in den Jahren davor hatte Konst als Angestellter bei die Firma Kleen gearbeitet und nach Springereinsätzen in verschiedenen Städten die Filiale am Markt in Bocholt übernommen. 2000 kaufte er eine Lottoannahmestelle im K+K-Markt an der Hochfeldstraße, um nur ein Jahr später als Selbstständiger endgültig ins Herz der Stadt zurückzukehren. Hier ist seine Heimat, zumindest die berufliche. Eine andere, eher temporäre hat er auf seiner Lieblingsinsel Baltrum gefunden. Hier genießt er seit 30 Jahren an den wenigen Urlaubstagen die Abgeschiedenheit und Ruhe. Karl-Heinz Konst braucht keinen Remmidemmi. Seine Familie ist ihm genug. Das gilt auch oder gerade im wohl verdienten Ruhestand.

Zusammen mit Ehefrau, Tochter, Schwiegersohn und Enkel wird er zuvor Abschied nehmen vom Geschäft. Auf keinen Fall fehlen darf dabei der legendäre Zitronenkuchen, den er sonst immer nur an den langen Samstagen vor Weihnachten kredenzte. Karl-Heinz Konst sagt damit „Danke!“

Lesen Sie diesen Bericht auch im Bocholter Stadtmagazin PAN

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