Überall Baustellen: Droht Bocholt eine Immobilienblase?

Von BERTHOLD BLESENKEMPER

Während es in allen Großstädten an Wohnungen mangelt, werden in vielen ländlichen Regionen momentan wohl deutlich zu viele Einfamilienhäuser gebaut. Dies zumindest zeigt eine Baubedarfsanalyse des IW Köln auch für den Kreis Borken. Ähnliches meint auch das Gutachterbüro Prognos in Sachen Wohnungen. Die Situation zwischen Wohnungsangebot und -Nachfrage im Westmünsterland sei bereits jetzt ausgeglichen, so eine Studie.

Gleichwohl wird in Bocholt derzeit (oder demnächst noch) gebaut, wo immer es nur geht. KuBAaI, Weberviertel, Schanze, Ostwallterrassen, Schwartz-Gelände, Viktoriastraße, Neutorplatz, Südwallblick, Hammersen-Gelände  und, und, und. Droht Bocholt eine Immobilienblase? Projektentwickler Andreas Hüls glaubt das nicht. Made in Bocholt sprach vor einigen Tagen mit ihm.

Rein rechnerisch gebe es in Bocholt einen Bedarf an neuen Wohnungen. Das hänge unter anderem auch mit der Zurückhaltung in den vergangenen Jahren und den gleichzeitig geänderten Ansprüchen der Mieter zusammen, so Hüls. Viele ältere Menschen geben derzeit ihre große Einfamilienhäuser mit Garten auf und möchten in die Innenstadt ziehen. Hier erwarten sie vor allem seniorengerechte, barrierefreie  Wohnungen mit kleinen Terrassen oder Balkonen in Häusern mit Aufzug. „Und von denen gibt es zu wenige“, so Hüls. Entsprechend werde gebaut. Der günstige Zinssatz würde diese Entwicklungen nur beschleunigen aber nicht auslösen, meint der Experte.

Bestätigt wird er von einer Untersuchung der Fachagentur im Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen ermpirica. Bei der Vorstellung des Wohnungsbauprogramms im Bocholter Ausschuss „Planung und Bau“ vor einem Jahr  hatte ermpirica für Bocholt  eine Neubedarf von 980 bis 1.232 neuen Einfamilienhäusern und von 164 bis 316 neuen Wohnungen in Mehrfamilienhäusern für den Zeitraum bis 2021 genannt.

Hüls rechnet in der Folge allerdings mit Verschiebungen auf den Markt. Weiter außen liegende Immobilien könnten in Preis und Miete günstiger werden, in der City jedoch bleibe es wohl bei einem höheren Preisniveau. Das hat in der Innenstadt inzwischen teilweise sogar schon Großstadtniveau erreicht. Zehn Euro pro Quadratmeter sind für Top-Lagen bereits üblich. Einige Immobilienmakler sind das bereits kritisch.

Auch die Bocholter CDU macht sich offenbar so ihre Gedanken. Hat empirica den Bedarf seinerzeit schlichtweg zu hoch prognostiziert. Das möchte die Unionsfraktion mit Blick auf die IW- und Prognos-Studien jetzt in der nächsten Sitzung des Ausschusses für Planung und Bau am 5. Juli (17 Uhr im Rathaus) geklärt wissen.

Als „zu pauschal“ hat derweil Landrat Dr. Kai Zwicker die Aussagen der aktuellen deutschlandweiten Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) zum Baubedarf in der Bundesrepublik bezeichnet. Spezielle Gegebenheiten gerade im Kreis Borken hätten bei der Erstellung offensichtlich keine Berücksichtigung gefunden. „Daher können wir die Schlussfolgerung des IW, im Kreis Borken sei es zu einer Überdeckung des Wohungsbedarfs von 43 Prozent gekommen, nicht teilen“, ist er sich mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern im Kreis Borken einig. Im Gegenteil, sie konstatieren: „Im Westmünsterland gibt es weiterhin dringlichen Bedarf an Baugebieten!“

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