Serie 36,5 Grad: Walter Hintenberger – Er ist dann mal weg!

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Von BERTHOLD BLESENKEMPER (Text und Foto)

„Ich bin dann mal weg“, meinte vor Jahren schon TV-Entertainer Hape Kerkeling und pilgerte wochenlang über der Jakobsweg durch Nordspanien. Ähnlich knapp und konzentriert verabschiedet sich Walter Hintenberger gedanklich, wenn er von Bocholt aus zu seinen tausende von Kilometern langen Fahrradtouren aufbricht. Zwei Monate durch Neuseeland und sieben Wochen durch Mittelamerika hat der 72-Jährige hinter sich. Jetzt macht er Pläne für eine Bike-Expedition im Süden Afrikas.

Räder sind Walter Hintenbergers Leben. Entweder vier, auf denen er als Fahrlehrer sein gesamtes Berufsleben verbrachte. Oder einfach nur zwei, mit denen der Bocholter seit seiner Kindheit und Jugend erfolgreich Rennen auf der Bahn und der Straße bestritt. In diese Zeit fällt auch seine erste Erfahrung mit abenteuerlichen Fernreisen. Der junge Walter bekam in den 50er Jahren das Buch „Ich radle um die Welt“ von Heinz Helfgen in die Finger. Darin beschreibt der deutsche Journalist und Reiseschriftsteller eine Tour von Düsseldorf nach Burma. „Ich habe das damals verschlungen“, erinnert sich Hintenberger.

Doch zunächst hatten Job und Familie Vorrang. Erst im Rentenalter konnte Walter wieder träumen. „Während einer Trainingsfahrt auf Djerba fragte mich dann jemand, ob ich nicht Lust hätte, eine Tour zu viert durch Neuseeland mitzumachen. Und da habe ich spontan ja gesagt“, erinnert sich der Bocholter.

Monate später brach das Quartett auf. Schon der Flug war ein Abenteuer. „Anschließend mussten wir uns erst einmal zwei Tage im Hotel akklimatisieren und erholen“, erinnert sich der 72-Jährige. Doch dann ging es endlich los – durch ausgedehnte Hochebenen und Wälder, hohe Berge hinauf und hinunter, entlang wunderschöner Küsten – und das alles bei Wind und Wetter. Die zum Teil harten äußeren Bedingungen forderten ihren Tribut. Zwei der vier Teilnehmer brachen ab beziehungsweise fuhren allein weiter.

Von nun an tourte Walter Hintenberger gemeinsam mit dem Berliner Stefan Lindner weiter. „Es ist unheimlich schwer, solche lange Fahrten in Gruppen zu machen, weil jeder seinen eigenen Rhythmus fahren muss. Du kannst am Berg nicht auf jemanden warten, sonst bis zu sofort raus“, schildert der Fachmann. Und was ist ihm von den grünen Inseln nach sage und schreibe 4222 Kilometern und 42.000 Höhenmetern in Erinnerung geblieben: „Wunderbare Natur, herzliche Menschen … und rücksichtslose Lkw-Fahrer. Wenn du nicht höllisch aufpasst, hängst du so vor deren Kühler“, meint Hintenberger.

Ganz anders Anfang diesen Jahres bei seiner Tour durch Mittelamerika. Wieder mit Stefan Lindner tourte er von Mexiko aus durch Guatemala, El Salvador, Nicaragua und Costa Rica bis nach Panama City. „Nur Honduras haben wir ausgelassen. Dort war es uns einfach zu gefährlich“, berichtet der 72-Jährige. Mit Karten, Handys und leichtem Gepäck bewaffnet, ging es über Landstraßen von Etappenziel zu Etappenziel. „Stefan hatte das vorher alles fein säuberlich ausgearbeitet“, berichtet Hintenberger. Der Rest war Improvisation. „Ich spreche ja kein Englisch und auch kein Spanisch. Deshalb muss es bei mir eben mit Händen und Füßen gehen“, schildert der Bocholt schmunzelnd.

Vorbei führte der Weg am Atitlan-See, den Alexander von Humbodlt einst als den schönsten der Welt bezeichnet hatte, an beeindruckenden Überresten der Maya-Hochkultur, an Regenwäldern und Nationalparks. Übernachtet wurde dort, wo spontan zwei Betten frei waren. Dabei kam es für Walter Hintenberger zu einem ganz besonderen Erlebnis. „Einmal sind wir morgens vom Hotel aus losgefahren. Rund einen Kilometer später kam ein Motorrad hinter uns her. Der Fahrer winkte und rief“, schildert der 72-Jährige. Das zunächst ungute Gefühl wich und wurde zu echter Freude, als der Bocholter feststellte, dass ihm der motorisierte junge Mann sämtliche Reisepapiere und die rund 1000 Dollar große Reisekasse brachte, die Walter Hintenberger im Hotelzimmer vergessen hatte. Auch sonst kann der 72-Jährige nur Gutes von den Menschen in Mittelamerika berichten. „Sie sind arm, aber sehr herzlich und gastfreundlich“, so das Fazit des Bocholters.

Ähnliche Voraussetzungen erhofft er sich auch von Südafrika. Dorthin soll es als nächstes gehen. Vorher aber muss Walter Hintenberger noch ein wenig Gewicht zulegen. Sieben Kilogramm hat er während der 3600 Kilometer langen Mittelamerika-Fahrt bei über 29.000 Höhenmetern abgenommen. Die waren dann auch mal einfach so weg

Lesen Sie diesen Bericht auch im Bocholter Stadtmagazin PAN

 

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