Serie 36,5 Grad: Walter Hintenberger - Er ist dann mal weg!

Serie 36,5 Grad: Walter Hintenberger – Er ist dann mal weg!

Von BERTHOLD BLESENKEMPER (Text und Foto)„Ich bin dann mal weg“, meinte vor Jahren schon TV-Entertainer Hape Kerkeling und pilgerte wochenlang über der Jakobsweg durch Nordspanien. Ähnlich knapp und konzentriert verabschiedet sich Walter Hintenberger gedanklich, wenn er von Bocholt aus zu seinen tausende von Kilometern langen Fahrradtouren aufbricht. Zwei Monate durch Neuseeland und sieben Wochen durch Mittelamerika hat der 72-Jährige hinter sich. Jetzt macht er Pläne für eine Bike-Expedition im Süden Afrikas.Räder sind Walter Hintenbergers Leben. Entweder vier, auf denen er als Fahrlehrer sein gesamtes Berufsleben verbrachte. Oder einfach nur zwei, mit denen der Bocholter seit seiner Kindheit und Jugend erfolgreich Rennen auf der Bahn und der Straße bestritt. In diese Zeit fällt auch seine erste Erfahrung mit abenteuerlichen Fernreisen. Der junge Walter bekam in den 50er Jahren das Buch „Ich radle um die Welt“ von Heinz Helfgen in die Finger.

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Serie 36,5 Grad: Hermann Göring hat sich mit diesem Namen einen guten Namen gemacht

Von BERTHOLD BLESENKEMPERManchmal kann schon der Geburtsname eine schwere Bürde sein. Erst Recht, wenn man wie einer der führenden deutschen Nationalsozialisten und Kriegsverbrecher Hermann Göring heißt. Hermann Göring aus Bocholt lächelt. „Für mich selbst war das eigentlich nie ein Problem“, erklärt er. Im Gegenteil: „Diesen Namen konnten sich einfach alle merken. Den hat so schnell keiner vergessen“, meint der ehemalige Textilhändler. Heute ist der 80-Jährige erfolgreiche Vertriebsrepräsentant des bekannten Brühler Künstlers Andreas Noßmann. Und auch in der Kulturszene hat sich Hermann Göring mit seinem Namen und trotz seines Namens einen guten Namen gemacht.Wer wie der Bocholter bei Kriegsausbruch drei Jahre alt war, steht außer Verdacht, selbst ein aktiver Nazi gewesen zu sein. Auch die Namenswahl seiner Eltern hatte rein gar nichts mit Politik zu tun. „Mein Großvater hieß Hermann und mein Urgroßvater auch. Und zur damaligen Zeit war es nun

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Serie 36,5 Grad: Florian Sauret – Der Stimmgewaltige

VON BERTHOLD BLESENKEMPERFlorian Sauret hat aus einer krankheitsbedingten Not eine Tugend gemacht. Er führt Einheimische und Touristen als Bocholter Nachtwächter durch die Stadt.„Name?“… „Florian Sauret“ – „Alter?“ … „36“ – Beruf? … „Nachtwächter“. Spätestens an diesem Punkt wird jeder Fragesteller stutzig. „Sie meinen Security-Mitarbeiter oder Objektschützer?“. Nein. Florian Sauret ist tatsächlich Nachwächter. Mehr als 100 mal jährlich führt er in historischem Kostüm Gäste durch Bocholt. Mit lauter, unverwechselbarer Stimme erzählt er überlieferte Tatsachen, geschichtlich verklärte Gerüchte und gerne auch mal das eine oder andere Anekdötchen. Längst hat sich Sauret über die Grenzen der Stadt hinaus einen Namen gemacht. Und so kreuzt der 36-jährige mit dem Markenzeichen Vollbart auch mal in Rhede als Tutemann, in Dinxperlo als Schmuggler, tagsüber auf dem Bocholter Wochenmarkt als Kiepenkerl oder in Kindergärten der Stadt als Räuber Hotzenplotz, Weihnachtsmann oder Nikolaus auf. „Als Dienstleister muss man

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Serie 36,5 Grad: Klaus Renzel - Clown mit Planstelle

Serie 36,5 Grad: Klaus Renzel – Clown mit Planstelle

Von BERTHOLD BLESENKEMPER (Text)Er beherrscht die lauten Töne ebenso wie die leisen, die Klassik nicht weniger exakt als den Rap. Klaus Renzel kann zu Tränen rühren und animiert nur Sekunden später zu herzhaftem Lachen. So durchleben die Zuschauer des 53-jährigen Wahl-Kölners im Verlauf einer perfekten Mischung aus Musik, Pantomime, Clownerie und Slapstick immer wieder einWechselband der Gefühle. „Man braucht selbstverständlich Talent. Aber das meiste ist einfach harte Arbeit und jede Menge Erfahrung“, erklärt der in Rhede geborene und in Bocholt aufgewachsene Künstler.Klaus Renzel wurde als mittleres von drei Kindern im beschaulichen Lowick (links der Aa) groß. Den prägendsten Teil seiner Schulzeit verbrachte er am altsprachlichen St.-Josef-Gymnasium. Sein Vater, ein Textilkaufmann, hätte ihn anschließend gerne in einem zukunftssicheren Bürojob gesehen. Doch Klaus war Künstler. Immer schon! „Mit sechs Jahren habe ich meine erste Gitarre bekommen und seitdem jeden Tag gespielt“, erinnert

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Serie 36,5 Grad: Marco Launert - Netzwerker mit Noten

Serie 36,5 Grad: Marco Launert – Netzwerker mit Noten

Von BERTHOLD BLESENKEMPER (Text) und NINA BANNEMANN (Foto)Musik ist sein Leben. Sie steht bei Marco Launert an erster Stelle – und zwar immer, zumindest aber fast immer. „Wenn ein paar Minuten bleiben, gehe ich auch ganz gerne mal Angeln“, meint der Gründer der Rockschulen in Bocholt, Hamminkeln, und Wesel. Ausgerechnet Zeit aber bleibt neben dem Musizieren, Unterrichten, Komponieren, Arrangieren, Produzieren und Organisieren wenig. Stress? „Nein, wenn man etwas mit Leidenschaft macht, fällt es leicht. Anders ginge es auch gar nicht. Es darf nur nie einfach nur ein Job werden“, erklärt der 44-Jährige.Damit wäre wohl auch schon das Erfolgsgeheimnis der Gitarristen und Schlagzeugers erklärt. Wenn es um Musik geht, ist Marco Launert überzeugt kompromisslos. „Ich mache grundsätzlich nur das, was mir Spaß macht“, so der Wahl-Niederrheiner. Vielleicht liegt das an seinen Wurzeln im Ruhrgebiet. Marco Launert wuchs in Essen als Sohn

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Serie 36,5 Grad: Sarah rockt!

Serie 36,5 Grad: Sarah rockt!

Von BERTHOLD BLESESENKEMPER (Text und Foto)Die nietenbesetzte Mütze forsch nach hinten gedreht wie Skorpions-Sänger Klaus Meine, zerrissene Jeans, rote Strähne im Haar und ein Dutzend bunter Festival-Bändchen am Arm, der lässig eine giftgrüne Dreiviertel-Gitarre hält. Zumindest äußerlich hat Sarah Hübers ihr Ziel bereits erreicht. Die elfjährige Bocholterin will Rockstar werden. Berufliche Alternativen interessieren sie nicht. „Einfach nur Rockstar“, bekräftigt die Schülerin.Der Anfang ist gemacht. Sarah trat bereits in der Casting-Show „The Voice Kids“ auf, spielte als Vorgruppe bei einem Konzert der Sängerin Nena in Dinslaken, trat gemeinsam mit der Kelly-Family beim ZDF-Sommer-Hit-Festival auf und präsentierte sich erfolgreich als Straßenmusikerin beim „Bardentreffen“ in Nürnberg. Im Dezember erscheint Sarahs erste CD. So nähert sie sich Schritt für Schritt ihrem Traum. Für Marco Launert von der Rockschule Bocholt kommt diese Zielstrebigkeit nicht überraschend. „Irgendwann kamen Sarahs Eltern zu mir und erzählten, sie hätten

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Serie 36,5 Grad: Urban Schneider - der Motorradphilosoph

Serie 36,5 Grad: Urban Schneider – der Motorradphilosoph

 Von BERTHOLD BLESENKEMPERDie Garage ist sein Wohnzimmer. Hier gesellt sich das Milch- zum Ölkännchen, die Couch zur Werkbank, der Kaffeelöffel zum Schraubenschlüssel. In den Glasvitrinen liegen Zylinderköpfe statt Porzellanfiguren. In dieser Mischung aus Museum und Werkstatt lebt – zumindest zeitweise – Urban Schneider, Jäger und Sammler, Schrauber und Bastler, Motorradphilosoph. „Man muss schon manchmal ein wenig verrückt sein im Leben. Aber dafür macht es dann auch umso mehr Spaß“, erklärt der 50-jährige Bocholter seine Leidenschaft für Maschinen, die bevorzugt älter sind als er. Am liebsten mag Schneider die Gespanne mit Beiwagen.Begonnen hatte alles im Alter von 14 Jahren. Der Junge aus Holtwick durfte bei einem Bekannten mitfahren und fing sofort Feuer. Das war es. Das kam dem Traum von Freiheit und Abenteuer schon sehr nahe. Gleichwohl dauerte es noch etwas, bis sich Urban Schneider selbst motorisieren durfte. Den Anfang machte

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Serie 36,5 Grad: Mirjam mischt mit

Serie 36,5 Grad: Mirjam mischt mit

VON BERTHOLD BLESENKEMPER (Text und Foto)Flüchtlinge sind Menschen. Sie leiden, lachen, lieben. Und sie haben ein Gesicht. Mirjam Enghy weiß das. Seit Jahren arbeitet die 31-Jährige Walhbocholterin mit ungarischen Wurzeln in Migrationsprojekten. Eines davon wurde jüngst in Hamburg mit dem Integrationspreis des Bundesbauministeriums in der Kategorie „Nachbarschaften“ ausgezeichnet. Mirjam Enghy kennt auch die Vorbehalte gegen Menschen aus fremden Länden und Kulturen. Und die 31-Jährige hat eine einfache Erklärung dafür. „Jeder trägt ein Brille. Wenn man dann versucht, die eines anderen aufzusetzen, sieht man erst mal unscharf und anders. Das ändert sich erst nach einiger Zeit“, meint die studierte Germanistin und gelernte Trainerin für Sozialkompetenz.Dass die Welt offenbar durch weitaus größere und vor allem klarere Gläser betrachtet als die meisten anderen Menschen, liegt vermutlich an Mirjam Enghys Kindheit. Mit fünf Geschwistern als Tochter eines evangelisch-reformierten Pfarrer-Ehepaares in einem ungarischen Dorf mit

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Serie 36,5 Grad:  Sören van Heek  - Der "Zauberer" aus Bocholt

Serie 36,5 Grad: Sören van Heek – Der „Zauberer“ aus Bocholt

Von BERTHOLD BLESENKEMPER (Text und Foto)Fotoshoooting zu Hause bei Sören van Heek. Der 46-jähriger Bocholter stellt sich in Pose. Das schwarze Muskel-Shirt bringt die farbigen Tätowierungen auf seinen kräftigen Oberarmen leuchtend zur Geltung. Sören sieht sich das Ergebnis an. Der Monitor zeigt einen freundlich wirkenden Mann mittlerer Alters. So weit so gut. „Aber da lächle ich ja“, meint van Heek ein wenig erschreckt. Was sonst gewollt ist, entpuppt sich hier als Problem. Denn „Snoppi“, wie ihn Freunde und Fans nennen, ist nicht nur Kommunikationstechnik-Ingenieur in Festanstellung, Lucky-Strike-Raucher, Kaffee- und Whiskeytrinker, Peugeot-Fahrer, Jogger und ganz normaler Familienmensch. Sören ist seit mehr fas 30 Jahren vor allem Schlagzeuger der Heavy-Metal-Band „Wizard“ (zu deutsch: Zauberer). Und als solcher hat er grundsätzlich grimmig in die Kamera zu blicken. Image ist eben alles!Es fällt zunächst schwer, sich den netten, offenen Menschen auf der mit Gartenmöbeln

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Serie 36,5 Grad: Dirk Nienhaus und seine "Bocholter Landschweine"

Serie 36,5 Grad: Dirk Nienhaus und seine „Bocholter Landschweine“

Herzerwärmende Hofromantik kennt Dirk Nienhaus nur noch aus Kindertagen. Spätestens seitdem der heute 39-jährige Bauernsohn nach der mittleren Reife an der Israhel-van-Meckenem-Realschule seine Agrar-Ausbildung absolviert hat, weiß er, das Ackerbau und Viehzucht genau so ein Beruf ist wie jeder andere auch: Tier- und Umweltschutz, Kosten, Nachfrage, Umsatz und Gewinn dominieren den Alltag. „Die Zahlen zählen“, meint der Stenerner. Und doch hat sich Nienhaus einen kleinen Hauch landwirtschaftlicher Schwärmerei bewahrt. Er züchtet nebenbei die einzigartigen „Bocholter Landschweine“. Und bei der regionalen Vermarktung dieser selbst entwickelten Rasse nutzt der 39-Jährige intensiv die neuen Medien. Tradition trifft Moderne – hier passt dieser Slogan wie Faust aufs Auge.Das Smartphone ist sein Allzweckwerkzeug. Per Handyapp kontrolliert Dirk Nienhaus regelmäßig die Wettervorhersagen, die Temperatur in den Ställen oder den Futtermittelbestand in den Silos. Ein kurzer Druck auf den Monitor, schon wir automatisch nachbestellt und geliefert. „Landwirtschaft

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Serie 36,5 Grad: Marcus Suttmeyer - Das Ziel fest im Blick

Serie 36,5 Grad: Marcus Suttmeyer – Das Ziel fest im Blick

Von BERTHOLD BLESENKEMPER (Text und Foto)Übersehen kann man Marcus Suttmeyer nicht. Dafür sorgt schon seine außergewöhnliche Körpergröße von 2,08 Metern. Inzwischen arbeitet der 51-Jährige zusätzlich intensiv daran, dass man ihn auch möglichst nicht übergehen kann. Denn als frisch gebackener Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung Bocholt kämpft der gelernte Automobilkaufmann an vorderster Front für den Erhalt des Schützenhauses Bocholt. Und das bedeutet, Menschen motivieren, Lobbyarbeit betreiben, Geldgeber finden, Klinken putzen und Stunden über Stunden mit detaillierten Planungen zu verbringen. „Ich hätte nie gedacht, dass das so viel Arbeit sein kann“, erklärt der gebürtige Gelsenkirchener.Zum Ehrenamt engagierter Sänger des Kirchenchores St. Georg. Dort hatte der 51-Jährige unter anderem Veranstaltungen mit organisiert und erfolgreich Spenden eingesammelt. Das und noch so einiges mehr prädestinierte ihn für die Stiftungsarbeit.Ehrenamtliche Arbeit frisst viel Zeit. Aber das stört Suttmeyer nicht. Zeit hat er – wenn auch gänzlich unfreiwillig. Im

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Serie 36,5 Grad: Petra Frenk trotzt dem Krebs - Augen auf und durch!

Serie 36,5 Grad: Petra Frenk trotzt dem Krebs – Augen auf und durch!

 Augen auf und durch!VON BERTHOLD BLESENKEMPERMit einem Mal war alles anders. Petra Frenk erinnert sich noch gut an den Moment, als ihr Arzt im Juli vergangenen Jahres plötzlich einen „ganz besorgten Blick“ bekam. Diagnose Krebs. Die kleine, unscheinbare Delle in der rechten Brust, die die 50-Jährige eher zufällig beim Blick in den Spiegel entdeckt hatte, war Folge eines bösartigen Tumors im Gewebe. Seitdem gehört die Krankheit zu Petra Frenks Leben. „Aber ich will nicht, dass sie mein Leben dominiert“, meint sie fast schon ein wenig trotzig. Entsprechend offensiv geht die berufstätige Ehefrau und Mutter von zwei Kindern weiter durchs Leben. Augen auf und durch!Dabei steckt die Angestellte eines Bocholter Immobilienunternehmens immer noch mitten in der Behandlung. Mehrere Chemo-Therapien und Bestrahlungen warten nach der Tumorentfernung auf Petra Frenk. Die Einnahme der teilweise aggressiven Medikamente haben Spuren hinterlassen. Ihre Haare, Augenwimpern und

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