ANALYSE: Mit „Rathaus 2“ wird die 100-Millionen-Kostengrenze endgültig geknackt



Von BERTHOLD BLESENKEMPER

Schon in drei Wochen soll der Rat in einer eigens dafür einberufenen Sondersitzung über den Kauf der Gigaset-Gebäude an der Kaiser-Wilhelm-Straße entscheiden. 7,9 Millionen Euro sollen die kosten. Was spricht dafür und was dagegen? 

PRO

1. Der Kauf schafft Sicherheit. Denn greift die Stadt nicht zu, hat das Unternehmen noch andere Interessenten. Wahrscheinlich würde es dann den auslaufenden Mietvertrag nicht noch einmal verlängern und die Verwaltung stünde irgendwann auf der Straße. Denn das eigentliche Rathaus wird und wird nicht offenbar fertig.

2. Der Kauf schafft Raum. Das eröffnet die Möglichkeit, auf der vierte Obergeschoss bei der Rathaussanierung zu verzichten. Denn das wäre dann ganz klar Luxus.

3. Der Kauf schafft Synergien. Er könnte dazu zu führen, dass das Jugendamt und eventuell auch das Sozialamt wieder zurück in eine der beiden künftigen Verwaltungszentralen geholt wird.

CONTRA

1. Der Kauf schafft zusätzliche Kosten. Schon jetzt ist klar, dass der Backsteinbau in der Mitte abgerissen werden und Parkplätzen weichen muss. Die restlichen Gebäude sind energetisch nicht auf dem neusten Stadt. Spätestens mit Erhöhung der Kohlendioxidabgabe muss zusätzlich saniert werden. Wie teuer das alles wird, weiß bis heute niemand. Hinzu kommt, dass die Stadt beim Verkauf des „Glaspalastes“, in dem das Jugendamt untergebracht ist,  nach Einschätzungen von Fachleuten bei weitem nicht das bekommen wird, was sie hineingesteckt hat. 

2. Der Kauf ist ein Risiko. Denn die Stadt schafft sich damit eine zusätzliche Baustelle. Spätestens, wenn das Rathaus saniert ist, geht es an der Kaiser-Wilhelm-Straße erst so richtig los. Und da es sich auch dort um eine Altimmobilie handelt, lassen sich die Folgen und Kosten (siehe 1.) nur schwer abschätzen.

3. Der Kauf ist eine Notlösung. Erst vor zwei Jahren noch waren Bürgermeister Thomas Kerkhoff und Stadtbaurat Daniel Zöhler klar gegen diese bereits damals diskutierte Option. „Zu viele Fragen offen“, hieß es zur Begründung in der Haupt- und Finanzausschussitzung vom Januar 2021. Die Immobilie ist in dieser Zeit derweil nicht besser geworden. Umso erstaunlicher der Sinneswandel.

FAZIT

Der Erwerb des Gigaset-Gebäudes offenbart das Planungschaos von Rat und Verwaltung und entpuppt sich als Notkauf. Noch vor zwei Jahren war er keine Option. Heute, nach weiterer Zahlung von fast einer Million Euro Miete, wird die Sache als die optimale Lösung gefeiert. Dabei weiß bis heute niemand, welche Folgekosten auch an der Kaiser-Wilhelm-Straße noch entstehen werden. Zu befürchten ist, dass das „Rathaus 2“ zusätzlich zu den 80 Millionen Euro für „Rathaus 1“ am Berliner Platz (offizieller Stand heute, ohne Gewähr) inklusive Kaufsumme weitere 20 Millionen Euro verschlingen wird. Damit wäre 100-Millionen-Kostengrenze dann endgültig geknackt.

  1. Die Rathaus-Sanierung wird seit 2017 angemahnt, weil die damaligen und heutigen Schlauberger mit ihrem Dasein nicht zufrieden sind. Die sollen sich erst mal bestimmen, was denn eigentlich gebraucht wird, statt eine Sau nach der anderen durchs Dorf zu treiben! Aber, eigentlich hat die Stadt genügend Geld, um Schrott-Immobilien zu kaufen. Dort können sie dann Flüchtlinge unterbringen, statt Lager zu bauen.

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