Auf dem Golfplatz in Keppel ist Jelle (48) für einen Moment nicht krank

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Auf dem Gelände des Golfclub Keppel ist immer wieder lautes Lachen zu hören. In Vorbereitung auf die bevorstehenden Niederländischen Meisterschaften im Golf für Menschen mit Behinderung am 10. und 11. Juli trainiert wöchentlich eine besondere Gruppe von Golferinnen und Golfern auf dem Platz. Wer sie dort gemeinsam gehen und spielen sieht, würde nicht auf den ersten Blick vermuten, dass alle Mitglieder mit einer körperlichen Einschränkung leben. Doch genau das macht sie besonders.
Zu den Teilnehmern gehören Menschen mit unterschiedlichsten Voraussetzungen: Einer spielt mit nur einem Arm, ein anderer kämpft mit den Folgen von Parkinson, ein dritter hat sich erst kürzlich von einem Schlaganfall erholt. Besonders auffällig ist Jelle Oosterwijk, der mit einem speziellen Gefährt, dem sogenannten Paramotion, den Kurs absolviert. Für den 48-jährigen Mann aus dem Achterhoek bedeutet der Golfsport viel mehr als nur Zeitvertreib. „Hier kann ich für eine Weile vergessen, dass ich krank bin“, sagt er offen. Seit zwei Jahrzehnten lebt Jelle mit der Diagnose Multiple Sklerose. Zusätzlich ereilte ihn vor zwei Jahren ein schwerer Autounfall.
Vor allem Gleichgewichtsstörungen und zunehmende Schwierigkeiten beim Gehen bestimmen seinen Alltag. Dennoch denkt der passionierte Sportler nicht ans Aufgeben: „Mein Neurologe macht mir öfter Vorwürfe, dass ich zu aktiv bin. Doch Bewegung war immer ein essenzieller Teil meines Lebens“, erklärt Oosterwijk. Früher war der Sport für ihn sogar Berufung: Über viele Jahre spielte er Rollstuhltennis auf hohem Wettkampfniveau, trainierte mit Größen wie Esther Vergeer und reiste für Turniere um die Welt. Seit etwa zwei Jahren hat jedoch das Golfspielen diese Rolle übernommen.
Mit Hilfe seines technischen Hilfsmittels kann der 48-Jährige weiterhin am Trainingsbetrieb teilnehmen. Das Gerät fährt ihn über den Rasen und richtet ihn für den perfekten Schlag auf. „Ohne diese Unterstützung könnte ich keinen Ball treffen – ich würde sofort das Gleichgewicht verlieren und stürzen“, beschreibt Jelle die Herausforderung.
Hinter dem Training dieser inklusiven Gruppe steckt ein weitreichendes Ziel. Der Golfclub Keppel möchte sich als regionale Anlaufstelle für Golfspieler mit Behinderung in der Region Ost-Gelderland etablieren. Aktuell zählt die spezielle Abteilung für Menschen mit Behinderung rund zehn aktive Teilnehmende. Mit einem unkomplizierten Mitgliedschaftsmodell und erschwinglichen Trainerstunden setzt sich der Club dafür ein, dass körperliche Einschränkungen niemanden vom Sport ausschließen müssen.
Die größte Hürde ist laut Remko Oosterwijk, dem Vorsitzenden der Kommission für Golfer mit Behinderung, nach wie vor die fehlende Bekanntheit: „Viele wissen nicht, dass auch für sie das Golfspielen infrage kommt.“ Um diese Wissenslücke zu schließen, sucht der Verein gezielt Kontakt zu Physiotherapeuten, Reha-Einrichtungen und lokalen Behörden.
Das bevorstehende Niederländische Meisterschaftsturnier rückt dieses Jahr dank prominenter Unterstützung besonders in den Fokus. Der frühere Nationaltrainer Guus Hiddink übernahm die Rolle des Botschafters, testete persönlich Jelles Paramotion und setzt sich dafür ein, mehr Aufmerksamkeit für inklusiven Golfsport zu schaffen. Für Remko Oosterwijk ist das ein wichtiger Schritt: „Das hilft ungemein.“
Quelle: Regio8
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