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Ausstellung über die Baracken im Stadtwald

Ausstellung über die Baracken im Stadtwald
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Bocholt (PID) . „Bocholt, für viele Juden ein Tor nach Palästina“ heißt die Ausstellung, mit der an das Palestine-Transit-Camp erinnert wird. Über drei Baracken des Camps im Stadtwaldlager emigrierten in den Jahren 1947/48 mehr als 6000 Juden nach Palästina. Eröffnet wird die Ausstellung am 29. Januar um 19.30 Uhr im Stadtmuseum Bocholt von der ersten stellvertretenden Bürgermeisterin Elisabeth Kroesen. Musikalisch wird sie von Priska Strümpfel von der Musikschule mitgestaltet.

Die Vorbereitung der Ausstellung lag in den Händen von Josef Niebur und Hermann Oechtering (VHS-Arbeitskreis Synagogenlandschaften). Unterstützt wurden sie dabei vom Leiter des Stadtmuseums, Georg Ketteler (Geschäftsführer der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Westmünsterland).

KZ-Überlebende jüdischen Glaubens aus dem DP-Camp Bergen-Hohne hatten 1947/48 in Gruppen von etwa 400 Personen jeweils für einige Wochen im Stadtwaldlager Bocholt gelebt, von wo man sie in das britische Mandatsgebiet Palästina brachte. Dies war den Ausstellungskuratoren im Grunde seit 1983 bekannt. Doch erst in einem 2014 erschienenen Buch über die Geschichte des Stadtwaldlagers fanden sich Hinweise auf Berichte und Fotos zum Palestine-Transit-Camp. Petra Taubach vom Europabüro der Stadtverwaltung stellte den Kontakt zur Wiener Library her, einem Archiv in London.

Aus London erhielten Niebur und Oechtering Berichte und Fotos zum Camp. Alles weitere war Recherchearbeit in den Berichten sowie in einem Fotoarchiv in Düsseldorf. Aus einem historischen Zeitungsbestand in Köln bekamen sie einen Fotobericht über das Camp. Das Stadtarchiv Bocholt stellte Fotos und Kopien aus dem Bocholter Volksblatt zu den verschiedenen Nutzungsphasen des Stadtwaldlagers ab 1923 zur Verfügung. Gespräche mit Augenzeugen rundeten das Wissen ab.

Überraschend gelang es über Alo Echelmeier aus Münster, einen Freund Nieburs, über einen Freund Kontakt zu Dan Saar, dem Sohn von Eliezer Sklarz, in Israel aufzunehmen. Sklarz war im Bocholter Camp für eine jüdische Hilfsorganisation tätig gewesen. Durch Saar kamen etwa 25 Fotos über das Camp nach Bocholt, die erstmals in der Ausstellung zu sehen sein werden.

Zum Hintergrund der Ausstellung:

Als die alliierten Armeen 1945 Deutschland besetzten, lebten in der Britischen Zone etwa 12.000 jüdische Überlebende des NS-Völkermordes. Sie wurden ab 1947 in Palestine-Transit-Camps im Rahmen der Aktion “Grand National” auf ihre Ausreise nach Palästina vorbereitet. Dort hofften sie, Bürger eines neuen jüdischen Staates zu werden. Aus dem Camp Bocholt wurden etwa 6.000 Juden mit Zügen nach Marseille gebracht. Von dort gelangten sie mit Schiffen nach Haifa in das damalige britische Mandatsgebiet Palästina.

Nach dem Abzug der britischen Mandatsmacht rief der spätere israelische Ministerpräsident David Ben Gurion am 14. Mai 1948 in Tel Aviv den Staat Israel aus. Diese Staatsgründung ermöglichten auch die über das Palestine-Transit-Camp in Bocholt Ausgewanderten.

Info

Die Ausstellung “Bocholt, für viele Juden ein Tor nach Palästina. Das Palestine Transit Camp im Stadtwald” wird vom 29. Januar bis zum 4. März 2018 im Stadtmuseum, Osterstraße 66, gezeigt. Anlass ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar.

Öffnungszeiten: täglich (außer montags) 11 – 13 und 15 – 18 Uhr, sowie jederzeit nach Vereinbarung. Gesprächsführungen nach Vereinbarung (ab 7 Personen), Telefon 02871-18 45 75.

Ausstellungsveranstalter sind der VHS-Arbeitskreis Synagogenlandschaften in Bocholt gemeinsam mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Westmünsterland, mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Westmünsterland und in Gemeinschaft mit dem Stadtmuseum Bocholt.

Foto: Palestine Transit Camp (Copyright: Dan Saar, Kibbuz Beit Alfa (Israel))

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