Bocholter Europahaus schließt zum Jahresende – Hintergründe und Folgen

Lesezeit: ca. 2 Minuten
Das Europahaus an der Adenauerallee, einst gefeiert als „Ort des Fortschritts“ und „Brutkasten für soziale Innovationen“, steht vor dem Aus. Zum Ende dieses Jahres soll der Betrieb eingestellt werden – ein herber Rückschlag für die Stadt und ihre Bürger. Viele Bocholter Vereine verlieren damit erneut eine wichtige Heimat, nachdem erst vor kurzem bereits das Casino als Veranstaltungsort geschlossen wurde. Ersatz oder Alternativen sind kaum in Sicht.
Die Schließung kommt nicht überraschend: Die Betreiberfirma PSA GmbH, eine Tochtergesellschaft der früheren EWIBO-Vereinsausgründungen jusina und LIA, schreibt seit 2018 rote Zahlen. Zwar konnten diese Verluste bislang offensichtlich ausgeglichen werden – wohl durch Gewinne aus einstigen Personalvermittlungen wie die von 1-Euro-Kräften an die Stadt Bocholt und deren Töchter sowie eine daraus resultierende gute Eigenkapitalquote. Doch die jüngsten Entwicklungen brachten die Wende: Ermittlungen der Bielefelder Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität sowie der darauffolgende Teil-Zusammenbruch des sogenannten „Konzerns Stadt“ machten die Lage der PSA GmbH prekär.
Personelle Veränderungen folgten: PSA-Geschäftsführer Berthold Klein-Schmeink musste seinen Posten räumen. Sein Nachfolger ist Josef Goreta, ehemaliger Küchenchef im Europahaus und Betriebswirt. Gleichzeitig trennte sich der Hauptgesellschafter jusina e.V. von der EWIBO, zog aus der gemeinsamen Zentrale aus und setzt seine Arbeit an anderer Stelle erfolgreich fort. Die EWIBO selbst hat sich verkleinert und firmiert inzwischen als „Isko“ weiter. All dies dürfte zu einem spürbaren Rückgang der Mieteinnahmen für die PSA GmbH geführt haben.
Ein weiterer schwerer Schlag für das Europahaus war der Auszug des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA). Das Amt betrieb über 46 Jahre lang ein Bildungszentrum in einem Nebengebäude, kündigte 2025 und verließ das Haus Ende vergangenen Jahres. Ein Nachmieter konnte bisher nicht gefunden werden.
Die Verantwortlichen halten sich bislang mit Stellungnahmen zur Situation weitgehend zurück. Augenscheinlich hat der jusina e.V. als Hauptgesellschafter der PSA GmbH die Reißleine gezogen, um eine drohende Insolvenz der Gesellschaft zu vermeiden.
Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar „Rathaus hui – Bürgertreffpunkte pfui“ von Berthold Blesenkemper
