Bocholter Klaus Cordes ehrt Donata Helmrich mit 45 MailART-Collagen

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MailART Donata Helmrich heißt die Ausstellung des Bocholters Klaus Cordes, die jetzt im Onderduikmuseum eröffnet wurde. Sie ist sozusagen eine Fortsetzung der Thematik Freiheit in einem Unrechtssystem. Bezog sich die erste Ausstellung auf eine Gemeinschaft, in welcher natürlich auch einzelne Personen handelten, zeichnet der Künstler Klaus Cordes mit seinen Collagen und den dazu gehörenden intensiven Texten das Bild einer deutschen Frau in den Jahren der Judenverfolgung im Dritten Reich nach, die trotz großer eigener Gefahr, Menschlichkeit und Zivilcourage gezeigt hat. Dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am 27. Januar 2026 wird diese Ausstellung im Onderduikmuseum in Aalten im besonderen Maße mehr als gerecht.
In einem Interview auf einem großen Bildschirm in der Ausstellung sagt Klaus Cordes, dass „ er alltägliche Bildern aus deutschen – wie niederländischen Zeitungen ausschneidet „. Die von der deutschen Bundespost herausgegebene Sonder -Briefmarke zu Donata Helmrich hat er dann jeweils auf den Kopf einer Frau des Bildes platziert. Unter diesem geschaffenen neuen Bild hat er dann Texte von Donata Helmrich aufgedruckt, welche dem Besucher der Ausstellung durchaus unter die Haut gehen. Insgesamt sind so 45 Collagen entstanden, welche in zwei Räumen nebeneinander aufgehängt sind.
Worte und Taten dieser eindrucksvollen Frau in schwierigsten Zeiten passten zueinander. Neben vielen Zitaten ist der Satz der vierfachen Mutter „ Es ist besser, dass unsere Kinder tote Eltern haben, als das sie feige Eltern haben“ nicht zu kommentieren. Eine tiefe Berührung erfährt der Besucher der Ausstellung beim Anschauen der Collage und diesem Text. Donata Helmrich hat zusammen mit ihrem Ehemann Eberhard für jüdische Bürger, Bürgerinnen und deren Kinder gefälschte Dokumente hergestellt. Man mag es kaum glauben. Auch mit einem hart gekochten Ei wurde gestempelt. Von Einzelhändlern bekam sie des Öfteren zusätzliche Lebensmittel für sich versteckende Juden. Der ständigen Angst vor den den Deutschen eignen Denunziation trat sie entschieden entgegen, in dem sie mit Menschen, welchen sie nicht unbedingt trauen konnte, gesellschaftliche Kontakte unterhielt.
Donata und Eberhard Helmrich wurden in Israel als „ Gerechte unter den Völkern aus Deutschland“ geehrt. Eine Kopie der Urkunde ist im Museum zu sehen. Die Ausstellung des ehemaligen Bocholter Gymnasiallehrers und Künstlers Klaus Cordes kommt genau zur rechten Zeit. Wer hat es sich vorstellen können, dass auch im 21. Jahrhundert in Europa Menschenrechte mit Füssen getreten werden. Weltweite Kriege und Destabilisierungen von Demokratien. Auch Europa verkauft seine Seele; die Festung Europa. Was ist ein Menschenleben noch wert ?
Bis zum 29. März 2026 ist die Ausstellung MailArt Donata Helmrich im Onderduikmuseum in Aalten an allen Tagen, außer am Montag in der Zeit von 10:00 – 17:00 Uhr zu sehen. Es sollte zum Geschichtsunterricht Bocholter Schüler und Schülerinnen gehören, sich diese Ausstellung anzuschauen. Ein nahezu immer leerer Bocholter Linienbus, welcher in jeder Stunde nach Aalten fährt, bietet sich hierfür als Mehrwert an.
Die Gemeinde Aalten im Achterhoek verfügt über Kulturstätten, die sich nicht hinter der größerer Städte zu verstecken brauchen. Neben dem Kulturhotspot Bredevoort mit den niveauvollen Konzerten und qualitativ hochwertigen Ausstellungen in der St. Joris – Kerk sowie der Koppelkerk, verfügt Aalten über das National Onderurikmuseum ( Untertauchermuseum ) im Herzen der Gemeinde.
Neben Exponaten aus der Geschichte Aalten’s ist das Museum ein Haus mit einer Geschichte über das Leben bzw. Überleben einer Gesellschaft in guten – wie in schlechten Zeiten. Aus Anlass der Erinnerung an 80 Jahre Freiheit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im April 2025 eine Ausstellung über das Dutch National Battalion gezeigt; einer Bürgerarmee aus allen Geschichten der Bevölkerung, welche gemeinsam mit kanadischen Soldaten Widerstand gegen die deutsche Besatzung in den Niederlanden leisteten.
Text und Foto: Bernhard Kerkhoff
