Coronakrise im Handwerk wird schwerer

Die Auswirkungen des Coronavirus treffen das Handwerk wieder härter: „Weniger Kundenaufträge und Umsatzrückgänge mit daraus folgenden Liquiditätsengpässen und Kurzarbeit machen einer steigenden Zahl von Betrieben schwer zu schaffen“, alarmiert Hans Hund aus Bocholt, Präsident der Handwerkskammer (HWK) Münster, wegen der Folgen des Lockdowns. Dabei setzten ausbleibende oder unzureichende finanzielle Hilfen immer mehr Unternehmen unter Druck. Diese Entwicklung zeigt die Blitzumfrage der HWK. Daran beteiligten sich Anfang Februar 661 Handwerksbetriebe aus dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region.

Jeder vierte Befragte sieht sich durch Förderlücken fallen. „Das Handwerk steht hinter dem Hygiene- und Infektionsschutz gegen das Virus. Aber viele Gewerke geraten durch den Lockdown unschuldig in so arge Bedrängnis, dass eine Pleitewelle droht“, warnt Hund. Die HWK fordert einen klar nachvollziehbaren und epidemiologisch vertretbaren Öffnungsplan. Es solle festgelegt werden, unter welchen Voraussetzungen Betriebe wieder öffnen dürften. Hund äußerte zudem sein Unverständnis, dass zahlreiche betroffene Betriebe von den Hilfen ausgeklammert würden, unzureichend berücksichtigt seien oder viel zu lang auf zugesagte Mittel warten müssten.

Der „Corona-Effekt-Index“ der HWK nahm gegenüber Januar um deutliche 6,8 Punkte zu. Er lag am 7. Februar bei 27,4 Prozentpunkten. Höher war er nur im April 2020, dem Höhepunkt des ersten Lockdowns. Der Index erfasst die starke bis sehr starke Beeinträchtigung des heimischen Handwerks durch das Virus bei Kundenaufträgen, Lieferfähigkeit, Leistungspreisen, Umsatz, Personalbestand, Liquiditätsengpässen, Kreditbedarf, Kurzarbeit und Personalabbau. Monatlich misst die HWK damit die Auswirkungen der Pandemie und Schutzmaßnahmen auf das Handwerk. Derzeit legen alle Parameter zu. In der Emscher-Lippe-Region (Index: 31,9 Punkte; plus 8,6 Punkte gegenüber Januar) zeigen die Auswirkungen eine größere Dynamik als im Münsterland (25,6; plus 6,0).

„Die Dauer des Lockdowns macht es gerade für die personenbezogenen Dienstleister im Handwerk wie Friseure, Kosmetiker und Fotografen schwieriger, die Beeinträchtigungen seit Pandemiebeginn aufzufangen“, weiß Hund. Diese Gruppe muss den größten Effekt tragen (Index: 46,4 Punkte; plus 10,6 Punkte). Es folgen die Gesundheitsgewerbe mit einer vergleichbaren Verschlechterung (35,6; plus 10,3), das Kraftfahrzeuggewerbe (28,1; plus 4,6), die Anbieter für den gewerblichen Bedarf (27,6; plus 8,3) und das Nahrungsmittelgewerbe (24,7; plus 6,5). Am wenigsten Probleme wegen Corona haben das Bauhauptgewerbe (11,5; plus 1,4) und das Ausbaugewerbe (16,0; plus 2,6).

Bei den Betriebsgrößen bekommen Handwerksunternehmen mit 2 bis 4 tätigen Personen die Krise mit stärkster Wucht zu spüren (Index: 36,0 Punkte; plus 21,6 Punkte). „In dieser Gruppen dürften vor allem Friseursalons mit wenigen Mitarbeitern in existenziellen Nöten sein, weil sie seit dem Voll-Lockdown Mitte Dezember keinerlei Hilfen bekommen.“

Derweil setzen 75 Prozent der befragten Handwerksbetriebe auch in Coronazeiten Innovationen um. Davon führte jeweils die Hälfte organisatorische Verbesserungen ein oder brachte die Digitalisierung voran. Jeder Vierte setzte auf mehr Marketing beziehungsweise Weiterbildung. Jeder Siebte entwickelte Produktneuheiten. Jeder Zehnte investierte in Energietechnik. „So setzt das Handwerk trotz Krise auf Optimismus und seine ständige Kraft zur Erneuerung“, betont Hund.

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