Das Sorgen für andere als Kunst begreifen / Andreas Heller beim Palliativ- und Hospiznetzwerk

Das Sorgen für andere als Kunst begreifen / Andreas Heller beim Palliativ- und Hospiznetzwerk
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Bocholt. „Sorgekunst“ ist ein Thema, das viele Menschen anspricht, wie die große Zahl der Besucher im Textilwerk zeigte. Eingeladen hatte das Palliativ- und Hospiznetz Bocholt.

„Was hält unsere Gesellschaft zusammen? Vielleicht ist es die Sorge. Unser ganzes Leben sind wir darauf angewiesen, dass wir in Beziehungen mit und zu anderen Menschen leben.“ Andreas Heller ist Professor für Palliativ Care. In seinem Vortrag erinnerte er an die 1970-er Jahre. Damals seien sterbende Menschen im Krankenhaus zu oft in Abstellkammern geschoben worden. „Zum Glück ist das Sterben mittlerweile kein gesellschaftliches Tabu mehr“, sagte Heller. Diese Leistung der Hospizbewegung wirke als ein tiefgreifender Impuls für unsere Gesellschaft. Sie betrachte den Sterbenden als Gast und vertrete damit das uralte Ideal der Gastfreundschaft.

Die Zuhörer verfolgten Hellers Ausführungen höchst konzentriert. Kein Wunder, denn viele von ihnen sind selbst in der Hospizarbeit oder in der Altenpflege engagiert, ob als Ehrenamtliche, Altenpfleger oder als Ärzte. Heller sprach frei und ohne Pult, „vor allem aber absolut verständlich und in normaler Sprache“, wie eine Besucherin im Nachhinein kommentierte. Der Professor aus dem Sauerland hat in Graz den ersten europäischen Lehrstuhl für Palliativ Care und Organisationsethik inne und gilt als einer der wichtigsten Autoren auf diesem Gebiet.

„Das war eine große Ermutigung für uns alle“, bedankte sich Johannes Tepaße. Der Leiter des Guten Hirten plant zusammen mit der Bocholter Hospizstiftung die Errichtung eines Hospizes in der Stadt. Heller gab den Initiatoren noch eine Empfehlung mit auf den Weg: „Ein Hospiz verlangt keine Vollfinanzierung durch die öffentlichen Kassen, denn das würde der Idee der Gastfreundschaft wiedersprechen.“ Es sei wichtig, dass das örtliche Umfeld auch einen finanziellen Beitrag leiste und damit zeige, „dass die Gemeinschaft trägt“.

Palliativ- und Hospiznetz Bocholt

Zu diesem Netzwerk gehören Ärzte, Krankenhäuser, Altenpflegeeinrichtungen und die Hospizgruppe Omega. Ihr Ziel ist es, die Lebensqualität von chronisch kranken und sterbenden Menschen zu verbessern. Den Vorsitz hat Dr. Benedikt Matenaer, Arzt mit dem Schwerpunkt Palliativmedizin und Schmerztherapie.

BU: Prof: Andreas Heller aus Graz kam zum Palliativ- und Hospiznetz Bocholt.