Der Tod auf den Schienen – des Geldes wegen

Ein Kommentar von BERTHOLD BLESENKEMPER

Ich sage es gleich vorweg: Ich bin befangen. Vor Jahren habe ich nur wenige Meter von der Stelle entfernt, an der heute drei Menschen beim einem Zusammenstoß mit dem Bocholter starben, in Lankern eine Freundin auf die gleiche Art und Weise verloren. Seitdem fahr ich nur höchst ungern mit diesem Zug. Denn in all der Zeit hat sich – außer dem Namen des Betreibers der Regionalbahn – so gut wie nichts geändert. Nach wie vor rollt der tonnenschwere Triebwagen im hellgrauen Tarnkappenmodus durch die Landschaft und passiert auf Hamminkelner Gebiet reihenweise unbeschrankte Straßen und Feldwege. Auf sich aufmerksam macht er dabei durch dreimaliges schrilles Pfeiffen. Wohl dem, der das in den heute sehr gut schallisolierten Limousinen hört.

Dabei ist die Rechtslage klar. Schuld ist zunächst einmal immer der, der das Auto steuert. Schließlich weisen ja Andreaskreuze auf die Querung hin. Und an denen hat man gefälligst anzuhalten. Aber Andreaskreuze stehen auch an stillgelegten oder so gut wie nicht mehr befahrenen Linien wie die nach Mussum. Und so setzt sich in manchen Köpfen schnell der Eindruck fest, dass auf unbeschrankten Strecken eh nichts mehr los ist. Weit gefehlt. In regelmäßigen Abständen bezahlen Menschen an dieser Todeslinie ihren Irrtum oder aber einen winzigen Augenblick der Unaufmerksamkeit mit dem Leben.

Das ist vor allem deshalb Wahnsinn, weil mache diese Übergänge nur ein paar landwirtschaftliche Gehöfte oder kleine Ansiedlungen erschließen, die man auch durchaus anders erreichen könnte. Aber nein: Die unbeschrankten Bahnübergänge bleiben. Und zwar des Geldes wegen. Straßenverlegungen oder Schrankenanlagen sind teuer. Also verzichtet man vor allem in der Stadt Hamminkeln darauf und riskiert noch mal ein paar Tote, traumatisierte Zugführer und Angehörige sowie vielfach nachhaltig verstörte Bahnkunden mehr.

Wahrscheinlich wird sich das erst ändern, wenn diese Strecke elektrifiziert wird. Oder wenn es – Gott bewahre – mal einen Schulbus erwischen sollte. Bis dahin können die Verantwortlichen ihr Gewissen prüfen. Aber wie gesagt: Schuld sind zumindest laut Gesetzbuch immer die, die das Auto steuern! Dabei geht es hier nicht ums Recht. Es geht nur um Geld…

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