Deutsche entscheiden sich immer öfter für niederländische Krematorien



Von RUBEN DALES
In den Niederlanden haben die Hinterbliebenen bei der Wahl von Bestattungsformen mehr Möglichkeiten als in Deutschland. Davon profitieren die Krematorien entlang der Grenze. „Wir sehen tatsächlich immer mehr Deutsche“, sagt Bert van Asselt, Direktor von GUV Uitvaartzorg, dem Unternehmen hinter den Krematorien in Aalten und Etten, die beide weniger als zehn Kilometer von der Landesgrenze entfernt sind. „Im Jahr 2010 waren es etwa zehn und bis zu vergangenen Jahr 100“, erklärt Van Asselt. Auch die Angehörigen von Niederländern, die in Deutschland wohnen, gehören vermehrt zu den Kunden

In den Niederlanden kann ein Leichnam bis zu sechs Tage zu Hause aufgebahrt werden kann. In Deutschland ist dies bis maximal 36 Stunden möglich. Außerdem lassen Krematorien in Deutschland oft keine Zeremonie zu. Diese findet dann erst nach der Einäscherung statt, mit einer Urne vor der Kirche oder am Friedhof. „Deutsche, die sich für ein niederländisches Krematorium mit vollem Service entscheiden, empfinden die deutsche Art oft als ‚kalt und distanziert“, so Van Asselt.

Niederländer haben auch mehr Möglichkeiten, mit der Asche nach der Einäscherung und dem Gottesdienst zu verfahren. In Deutschland muss der Verstorbene sechs Wochen nach der Einäscherung beigesetzt werden‘. In den Niederlanden haben die Angehörigen mehr Wahlfreiheit. Dort ist auch möglich, die Asche zu Hause aufzubewahren, sie zu verstreuen oder sie in einem Schmuckstück zu platzieren. „Diese Freiheit ist der Grund, warum sich die Deutschen für die Krematorien in Achterhoek entscheiden“, erläutert Van Asselt.

Die Einäscherung und die Zeremonie dürfen jedoch nur in den Niederlanden stattfinden. Sollte die Urne einmal die deutsche Grenze passieren, gilt wieder deutsches Recht. „Die Urne muss dann bestattet werden“, so Elke Herrnberger vom Deutschen Bestatterverband. Ausnahmen macht nur das Bundeslandes Bremen.

Für den GUV war die verstärkte Nachfrage sogar ein Grund, einen deutschen Mitarbeiter einzustellen. Laut Van Asselt gibt es in der Grenzregion ohnehin kaum eine Sprachbarriere. „Die ältere Generation spricht oft noch ‚Bocholts platt‘, was fast gleichbedeutend mit Achterhoek ist. So können wir gut mit deutschen Bestattern und Familien sprechen. Das schafft Vertrauen.“ Van Asselt hat in den vergangenen 30 Jahren nur wenig Veränderung in der deutschen Gesetzgebung gesehen. Er rechnet daher nicht mit einem Rückgang der Zahl der deutschen Kunden. Allerdings sieht er auch Ausnahmen. Denn in Vreden, in der Nähe von Winterswijk, wurde ein Streufeld eingerichtet. Die dortige Friedhofssatzung lässt das – anders als in Bocholt – zu.

Foto: Regio 8

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