Die kleinen Traktoren der Lüfte: Landwirte setzen immer öfter Drohnen ein

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Von BERTHOLD BLESENKEMPER und JACQUELINE REUVERS
Landwirtschaft hat für Christian Baumeister nur noch bedingt Zukunft. Der 43-jährige Bauer aus Heiden hat gerade all seine 400 Schweine verkauft. Er konnte sich nach eigenen Angaben die von der EU geforderte, millionenteure Umrüstung der Ställe und Aufzuchtanlagen nicht leisten. Jetzt hat Baumeister sein Hobby zum Beruf gemacht und sich eine 26,4 Kilogramm schwere Agrardrohne gekauft. Mit ihr kann er punktgenau säen und düngen. Und das bietet Baumeister inzwischen anderen als Service an. Die Nachfrage ist – vor allem wegen des Dauerregens der vergangenen Monate – groß. „Wenn die Böden so nass und tief sind, kann man manchmal den Traktor nicht benutzen“, erklärt der Heidener.
Auch bei der Unter- und Vorerntesaat lässt sich durch den Einsatz moderner Technik Zeit und Geld sparen. Der „Agrar T30“, so die offizielle Bezeichnung des von Baumeister eingesetzten Fluggerätes, ist der Flaggschiff des weltweit führenden Drohnenherstellers DJI und kann bis zu 40 Kilogramm Nutzlast aufnehmen. Das ist für großen Flächen nicht allzu viel. „Da muss ich noch sehr oft landen und nachladen“, berichtet der Pilot. Deshalb ist die Drohne heute auch noch keine Dauer-Alternative für den Schlepper. Aber bis zu zehn Hektar schafft auch Baumeister mit seiner Gerät auch schon jetzt in der Stunde.
Die Technik wird permanent weiterentwickelt. Schon sind Applikation auf dem Markt, mit deren Hilfe man GPS-unterstützt komplette Routen vorprogrammieren kann. Die Software ist sogar schon in der Lage, aus der Luft selbständig Unkrautnester aufspüren und punktgenau zu bekämpfen. Daneben werden Saatgut, Granulate der Dünger verstreut.
Angefragt wird Christian Baumeister inzwischen auch für die Inspektion von Photovoltaikanlagen oder von Dächern, für die Thermografie von Gebäuden oder Technischen Anlagen und immer wieder auch für die Kitzrettung und Wildtiersuche. Letzteres macht er allerdings ehrenamtlich.
Natürlich ist Christian Baumeister zertifizierter Pilot. Er kennt sich mit Überfluggenehmigungen aus, weiß, wann und in welcher Form er Behörden informieren muss und besitzt zudem 20 Jahre Berufserfahrung in der Viehzucht und im Ackerbau. Eines ist trotz des neuen Jobs geblieben: die Bürokratie. „Man könnte mit Drohnen in der Landwirtschaft heutzutage schon wesentlich mehr machen“, bilanziert der Heidener. Oft jedoch bremsen ihn auch hier die Behörden aus.
Andererseits geht es mit großen Schritte voran. Dazu der Landwirt: „Vor anderthalb Jahren, als ich aus Spaß mit dem Drohnenfliegen begonnen habe, hätte ich nie gedacht, dass das mal mein Beruf wird.“ Gerade hat sich Christian Baumeister einen neue Drohne bestellt. Die Agrar T25 ist etwas kleiner, dafür aber laut Hersteller dank multidirektionale Hindernisvermeidung und Vollautomatik etwas „klüger“ als der große Bruder.
Foto: privat
