DIG erinnert an den 50. Todestag der Bocholter Jüdin Jeanette Wolff

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Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Westmünsterland erinnert heute an den 50. Todestag der Bocholter Jüdin Jeanette Wolff. Die Politikerin aus Leidenschaft wurde als Jeanette Cohen am 22. Juni 1888 in Bocholt geboren und starb am 19. Mai 1976 in West-Berlin.
Sie war die älteste Tochter des Bocholter Kaufmanns Isaac Cohen und seiner Frau Dina. Mit 16 Jahren, 1904, begann sie ihre Ausbildung zur Kindergärtnerin in Brüssel, wo sie in die SPD eintrat, und arbeitete anschließend als Kindergärtnerin und Erzieherin. 1909 legte sie das Abitur an einem Abendgymnasium ab. Sie heiratete 1910 den Kaufmann Hermann Wolff und ließ sich mit ihm wieder in Bocholt nieder. Hier war sie von 1919-1932 Stadtverordnete und gehörte zu den Gründerinnen der Arbeiterwohlfahrt. Nachdem 1932 ihre Pferde und Hunde vergiftet worden waren, zogen die beiden nach Dinslaken und später nach Dortmund. Schon kurz nach der Machtübernahme durch die NSDAP 1933 wurde Jeanette Wolff wegen ihres Engagements für die SPD verhaftet und zwei Jahre lang in „Schutzhaft“ gehalten. Ihr Mann kam 1938 ins KZ Sachsenhausen. Zwei ihrer drei Töchter wurden als Juden ermordet, ihr Ehemann ebenfalls.
Jeanette Wolff und ihre Tochter Edith überlebten mehrere Ghettos und das KZ Stutthof bei Danzig.
Sie ging 1946 nach Berlin und engagierte sich in der SPD, zunächst in der Bezirksver-ordnetenversammlung in Neukölln, dann in der Stadtverordnetenversammlung in der Viermächtestadt Berlin. Vehement stritt sie an der Seite von Franz Neumann und Otto Suhr gegen die Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED. Stadtverordnete blieb sie von 1946 bis 1951. Von 1952-1961 gehörte sie dem Deutschen Bundestag an.
Jeanette Wolff starb am 19. Mai 1976 in Berlin. In Bocholt erinnern das Jeanette-Wolff-Seniorenzentrum und eine Straße an die Politikerin.
Foto: (© Handbuch des Deutschen Bundestags, hg. Von Fritz Sänger und Bundestagsverwaltung, 1. Wahlperiode 1949/53, 2. Auflage)
