Doetinchemser Lilienzüchter stoppt aufgrund unklarer Politik rund um den Lilienanbau

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In den Niederlanden sorgt die zunehmend uneinheitliche Gesetzgebung rund um den Anbau von Lilien für erhebliche Unsicherheit in der Branche. Mittlerweile haben mehr als zehn Kommunen eigene, voneinander abweichende Regelwerke entwickelt, was unter Landwirten für Verwirrung sorgt. Besonders betroffen ist die Region Lochem: Hier hat die anhaltende Unsicherheit dazu geführt, dass ein Lilienproduzent seine Produktion einstellt.
Die Besorgnis unter Anwohnern von Lilienfeldern besteht schon seit längerer Zeit. Zunächst beschränkten sich die Sorgen auf Nordholland, doch inzwischen haben Landwirte ihre Anbauflächen auf andere Landesteile wie Gelderland, Friesland, Drenthe, Overijssel und Limburg ausgeweitet. Dies hat die Beunruhigung über mögliche gesundheitliche Risiken durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verstärkt.
Ein Ursprung dieser Ängste liegt in der Vermutung, dass beim Lilienanbau genutzte Pestizide neurologische Erkrankungen wie Parkinson begünstigen könnten. Obwohl hierfür bislang keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege existieren, wird das Misstrauen durch die erhöhte Erkrankungsrate unter Landwirten zusätzlich geschürt. Weil es noch keine übergeordneten Regelungen auf nationaler Ebene gibt, reagieren Provinzen und Gemeinden eigenständig, um der Sorge der Bevölkerung Rechnung zu tragen.
Kommunalverwaltungen erhalten Spielräume, um eigenständige Maßnahmen gegen potenzielle Gesundheitsgefahren zu ergreifen. Dies wird immer häufiger genutzt, jedoch verfolgen die Kommunen jeweils eigene Lösungswege. Ein Beispiel liefert Lochem: Hier beschloss der Gemeinderat Ende vergangenen Jahres, für die nächsten 18 Monate keine neuen, konventionellen Zierpflanzenbetriebe zuzulassen. In dieser Übergangszeit soll über die genaue Ausrichtung der lokalen Agrarpolitik beraten werden. Anders entschied sich die Nachbargemeinde Berkelland, die einen ähnlichen Antrag kürzlich ablehnte.
Für Landwirt Hans Eelderink bedeuten diese Entwicklungen vor allem Unsicherheit. Ursprünglich gründete sein Vater ein Lohnunternehmen zwischen Zelhem und Doetinchem. Durch Änderungen im Arbeitsrecht wurde das Geschäftsfeld in den 1990er-Jahren erweitert – Hans Eelderink begann mit dem Anbau von Kartoffeln und Lilien. Die Lilienkultur wurde zum wichtigsten Standbein des Betriebs. Angesichts wachsender Unsicherheiten rund um rechtliche Vorgaben entschied sich Eelderink nun jedoch, die Lilienproduktion vollständig aufzugeben.
Auch die Provinzbehörden sind mit der Kontrolle der neuen Regelungen überfordert und versuchen aktuell, den Überblick über die eingegangenen Anträge auf Überprüfung und Sanktionierung zu behalten. Gelderland zum Beispiel hat noch keine speziellen Richtlinien für den Lilienanbau eingeführt, verbietet allerdings generell den klassischen Zierpflanzenanbau in ausgewiesenen Trinkwasserschutzgebieten.
Parallel dazu arbeitet die Provinz an einem neuen Rahmenkonzept für Land- und Gartenbau, das auch die Zierpflanzenproduktion einschließt. Nach einer Entscheidung des höchsten Verwaltungsgerichts im Land, dem Raad van State, erreichten die Provinzverwaltung zahlreiche Eingaben und Beschwerden von Anrainern und Umweltorganisationen – diese werden derzeit bearbeitet.
Die Hoffnung vieler Beteiligter ruht inzwischen auf einer klareren Haltung des neuen niederländischen Kabinetts. Die Lebensmittelaufsicht NVWA überwacht die Branche derzeit lediglich stichprobenartig und prüft primär, ob der Pflanzenschutz technisch korrekt umgesetzt wird. Potenzielle Risiken für Anwohner finden in diesen Kontrollen keine Beachtung.
In punkto nationaler Regelungen herrscht seit Jahren Stillstand. Im vergangenen Juli hatte der niederländische Gemeindeverband (VNG) gemeinsam mit weiteren Organisationen an das damalige Übergangskabinett appelliert, bundesweit einheitliche Vorschriften für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu schaffen – bislang blieb die Forderung unbeantwortet. Auch unter dem neuen Kabinett zeichnet sich keine baldige Gesetzesinitiative ab. Stattdessen setzt die Regierung auf Verabredungen mit Branchenvertretern. Im aktuellen Koalitionsvertrag ist dazu festgehalten: „Mit dem Gartenbau, dem Ackerbau sowie Partnern der Lieferkette werden wir nationale, verbindliche Vereinbarungen treffen, um den Gebrauch schädlicher Pflanzenschutzmittel (gemessen an Umweltbelastungspunkten) deutlich zu verringern.“
Quelle: Regio8
