Ein Festival des kulturellen Austausches



Von THOMAS LANGER

Wenn beim 7. Niederrheinischen Filmfestival am 30. November der Beamer im Scala-Kulturspielhaus Wesel läuft, geht es nicht nur um Filmkunst, sondern seit jeher auch um den kulturellen Austausch: neben deutschen Filmemachern reichen auch niederländische Künstler ihre Werke ein.

„Das haben wir immer schon als ein Wachsen und ein gegenseitiges Kennenlernen verstanden“, sagt Mit-Organisatorin Monika Stallknecht und fährt fort: „Unterschiede und Gemeinsamkeiten erkennen und Freunde werden.“ Das spiegele auch der Slogan wider: „Lieber ein guter Nachbar als ein ferner Freund.“

Den inhaltlichen Fokus legen die Organisatoren in diesem Jahr auf Krimi-Kurzfilme: Womit man übrigens einen gemeinsamen Nenner für beide Länder gefunden hat, ist das Genre doch auf beiden Seiten der Grenze ziemlich beliebt. Dann sind da aber natürlich noch die Unterschiede im Filmemachen, was das Festival seit Jahren besonders spannend gestaltet: Stellt man Monika Stallknecht diese Frage, schätzt sie die niederländischen Filme auf eine schwarze Weise etwas „humorvoller“ ein. Deutsche Filme empfindet sie hingegen als ernster.

Direkt miteinander konkurrieren werden die Nachbarn allerdings nicht: Das Festival wartet mit einem deutschen und einem niederländischen Wettbewerb auf. Hinzu kommen drei Preise: ein deutscher, ein niederländischer und ein Publikumspreis. Auf der abendlichen Gala werden die Gewinner schließlich vorgestellt. „Die Filmschaffenden werden aber schon bei den Screenings eingebunden. Manchmal bekommen wir noch Videogrüße eingeschickt, manchmal kann der Moderator den Regisseur oder Schauspieler auf die Bühne holen und interviewen“, erläutert Stallknecht. Als Hauptsponsor ist die Niederrheinische Sparkasse mit an Bord, „wir sind aber noch auf der Suche nach weiteren Sponsoren.“

Die Einreichungen sind noch bis zum 4. November möglich. Die Filme dürfen eine Länge von 30 Minuten nicht überschreiten. „Alle Genres sind vertreten: von Experimentalfilmen über Dokumentationen bis hin zu Animationsfilmen.“ Die Jury setzt sich aus den Gewinnern des Vorjahres zusammen. Das Dauerticket für alle Veranstaltungen kostet zehn Euro, die einzelnen Screenings jeweils fünf Euro.

Nach der Corona-Zeit nimmt nun auch die Gesamtschule am Lauerhaas in Wesel das Filmfestival als dessen langjähriger Partner zum Anlass, ihre Partnerschaft mit dem Christelijk College Schaaersvoorde aus Aalten neu zu beleben. Auf diese Weise böten sich ganz neue Möglichkeiten: Nicht nur, um mehr über das Medium Film zu lernen, sondern für den kulturellen Austausch, sagt Laura Hendrixen von der niederländischen Partnerschule. „Wir wollen, dass sie sich auf lockere Weise über spannende Plot-Twists unterhalten.“ Das würde unter Umständen auch Unterschiede zwischen den Ländern aufzeigen, zum Beispiel, wer was lustig finde. „Ich denke, das ist ein schöner Ansatz, um nicht nur über Humor und Filme, sondern auch über Unterschiede und Einstellungen zu sprechen.“

Filme betrachtet Hendrixen als „Zeitzeugnis für das, was in einem Land passiert. Sie sind ein toller kultureller Vermittler.“ Selbst bei Sprachproblemen erfahre man schnell etwas durch dieses Medium, was bei Literatur schon schwieriger sei. „Macht man es dann noch zusammen in einem Kino, bekommt man ein sehr gutes Bild von der anderen Kultur oder von dem, was andere wichtig, interessant oder spannend finden.“

Aber auch für den sprachlichen Aspekt sei dieser Ansatz von Vorteil, betont Hendrik Heinze von der Gesamtschule am Lauerhaas: „Der Austausch mit Muttersprachlern ist etwas anderes, als die Sprachen im Unterricht zu sprechen.“ Sein Kollege Sebastian Eumann ergänzt aus pädagogischer Sicht: „Das Schöne ist, man lebt das Fach mit den Schülern. Die Menschen begegnen sich und das ist sicherlich in diesen Zeiten sehr wichtig“, auch wenn oder gerade weil die persönliche Begegnung nach der Pandemie gar nicht so einfach sei. Auch Hendrixen ist sich sicher, dass das Sprechen der jeweiligen Sprache dabei helfe, sich entgegenzukommen und „sich ineinander hineinzuversetzen und zu helfen, eine andere Sprache zu sprechen.“ Auf diese Weise erhoffen sich auch die Filmfest-Organisatoren Synergien. „Vielleicht kommen wir damit auch in den Austausch von Filmpublikum“, sagt Stallknecht. Ähnlich sieht es Eumann: „Im Filmfestival ruhen Potenziale für die gesamte Region.“ Dass das Filmfestival ankommt, belegen die Zahlen: 1.222 Einreichungen gab es im letzten Jahr, bei der ersten Veranstaltung waren es 765. „Auch das Publikum ist mitgewachsen“, sagt Stallknecht.

Der Besuch der niederländischen Partnerschule im Rahmen des Festivals ist für den 10. Oktober geplant, der Rückbesuch für den 10. April 2025. Aber auch Oberstufenschüler von Schulen aus der ganzen Region nehmen im Rahmen einer Masterclass am 29. November am Filmfest teil.

Foto: (von links) Laura Hendrixen (Christelijk College Schaaersvoorde), Hendrik Heinze, Katja Brenk (beide Gesamtschule am Lauerhaas), Monika Stallknecht (Filmfestival), Sebastian Eumann (Gesamtschule), Karin Nienhaus (Scala-Kulturspielhaus) und Kim Ernst (Sparkasse). Foto: Thomas Langer

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