EUROPE DIRECT Bocholt – Brüssels Schnittstelle zu den Menschen vor Ort

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Die Europäische Kommission hat ein Büro in Bocholt. Es heißt EUROPE DIRECT und soll über die Strukturen sowie Möglichkeiten der EU informieren. Gleichzeitig fungiert es als Schnittstelle zu den Menschen vor Ort. 48 solcher Anlaufstellen gibt es in Deutschland – zumeist in Großstädten. „Deshalb sind wir besonders froh und stolz, dass wir ebenfalls den Zuschlag erhalten haben“, meint Bürgermeister Thomas Kerkhoff.
Verantwortlich für das Programm des Büros und dessen Umsetzung ist Sonja Wießmeier. Seit zwei Jahren versucht sie mit viel Engagement, Europa im Westmünsterland wieder sichtbarer zu machen. Keine leichte Aufgabe. „Vieles ist heute so selbstverständlich geworden. Und die Begeisterung für Europa scheint ein wenig verflogen Aber wir geben nicht auf“, meint die überzeugte Europäerin.
Die 57-jährige Betriebswirtchaftlerin und interkulturelle Trainerin scheint wie gemacht für den Job. Als Kind von Eltern, die sich ehrenamtlich stark in einem Städtepartnerschaftsverein engagierten, wuchs sie in einem Zuhause auf, in dem Gäste aus vielen Ländern ein- und ausgingen. Beruflich zog es sie später nach Paris, Tokio und Belgien. Hier lernte die Büroleiterin Flämisch, was ihr jetzt in Gesprächen mit den Nachbarn in Aalten und Winterswijk zugute kommt.
Wießmeier sucht gerne den den direkten Draht zu Basis. Sie organisiert regelmäßig Veranstaltungen, Workshops und Diskussionsrunden, die sich mit aktuellen europäischen Themen befassen. Diese Events bieten eine Plattform für den Austausch von Ideen und die Diskussion. Auf besonderes Interesse stößt sie dabei in Schulen.
Manchmal baut sie aber auch einfach nur einen Stand beim internationalen Familienfest oder auf der Kirmes oder in der Innenstadt auf, um Flyer zu verteilen und zu einem Gewinnspiel einzuladen. Ein persönliches Highlight war für die 57-Jährige im vergangenen Dezember ein Europaquiz im Historischen Rathaus sowie eine Vortagsveranstaltung über Künstliche Intelligenz sowie eine Exkursion nach Brüssel.
Manchmal nutzt Sonja Wießmeier über das benachbarte Büro für Städtepartnerschaften den Kontakt zu den europäischen Nachbarn in Aalten oder Winterswijk. Dann werde Kooperationen abgesprochen und Erfahrungen ausgetauscht. Demnächst unterstützen Schüler aus Bocholt beispielsweise das Onderduikmuseum im Aalten bei der Erstellung einer deutschsprachigen Dokumentation. EUROPE DIRECT hat sich dafür erfolgreich um Fördermittel aus Brüssel bemüht. Verbindungen zu den EUROPE-DIRECT-Büros in den Niederlanden hat Sonja Wießmeier indes (noch) nicht. „Die nächsten sind in Nijmwegen und Zwolle. Das ist ein wenig weit weg“, meint die Bocholterin.
Zurzeit bereitet sich Sonja Wießmeier auf eine neue Bewerbungsrunde vor. Ende 2025 läuft der Vertrag mit der EU und damit die 80-prozentige Förderung ihres Gehaltes aus. Bürgermeister Thomas Kerkhoff aber ist zuversichtlich, dass um weitere vier Jahre verlängert wird. „ Sonja Wießmeier ist sehr engagiert und macht das mit viel Herzblut. Und irgendwie gehört EUROPE DIRECT ja auch zu einer Europastadt wie Bocholt dazu“, meint er.
Foto: Ausflug nach Brüssel – Sonja Wießmeier (rechts) mit Bocholts stellvertrender Bürgermeisterin und EU-Gemeinderätin Gudrun Koppers (links) und der Niederländerin Martina Flaswinkel
