Für die Stadt arbeitende Kanzlei hilft Frau von Ratsmitglied bei Klage gegen städtische Tochter



Von BERTHOLD BLESENKEMPER

Die Anwaltskanzlei Wolter Hoppenberg aus Hamm findet in Bocholt anscheinend immer mehr Mandanten. Ursprünglich war sie vor zwei Jahren von ihrem ehemaligen Mitarbeiter Thomas Kerkhoff geholt worden, um die Aufarbeitung der Themen in der Tochtergesellschaft EWIBO GmbH juristisch zu begleiten. Dann vertrat sie den Bürgermeister privat, als gegen den ermittelt wurde. Und jetzt hilft Wolter Hoppenberg nach Informationen von Made in Bocholt der Ehefrau eines Stadtverordneten bei einer Klage gegen ihren Arbeitgeber. Brisant dabei: Bei diesem Unternehmen handelt es sich um eine andere 100prozentige städtische Tochter, also sozusagen um eine Schwester der EWIBO.

Für Bärbel Sauer von der Sozialen Liste riecht der Fall nach Vetternwirtschaft. Die Kanzlei selbst nimmt derweil keine Stellung. Gleiches gilt für die Stadt und die CDU-Fraktion. Andere Fraktionen wollen sich nicht äußern.

Dabei ist auch der teure Einsatz der Anwaltskanzlei aus Hamm für die Stadt und die EWIBO selbst inzwischen nicht mehr unumstrittenen. Bislang ist zumindest öffentlich nur wenig Zählbares zu sehen. Der Arbeitsgerichtsprozess gegen den ehemaligen EWIBO-Chef wurde verloren, am Heutingsweg geht es nicht weiter und rund 2,5 Millionen Euro mussten als Verlust gebucht werden. Die vor Monaten angekündigte Übertragung der EWIBO-Immobilien an andere Unternehmen stockt, zudem liegt die umstrittene Tochter mit ihrer Ausgründung, dem Verein jusina e.V., wegen das ehemaligen Hotels Kupferkanne im Clinch. 

„Ich habe von Anfang an keine Notwendigkeit gesehen, eine Kanzlei in Sachen staatsanwaltlichen Ermittlungen und Umbau der Ewibo zu beauftragen. Auch die Ergebnisse kann ich nicht nachvollziehen. Vieles läuft im Hinterzimmer ab. Vergeblich haben wir bislang mehr Transparenz eingefordert. Der Eindruck ist vorhanden, dass man aus dem Fall EWIBO nichts hinzugelernt hat“, mein Bärbel Sauer (Soziale  Liste). Auch die FDP-Fraktion hatte sich in der Vergangenheit mehrfach kritisch geäußert.

Bürgermeister Thomas Kerkhoff ist indes von der Arbeit seiner ehemaligen Kollegen nach wie vor überzeugt und damit zufrieden. „Die erbrachten Ergebnisse sind aus Sicht der Stadt Bocholt nicht nur juristisch und organisatorisch hilfreich, sondern für die Restrukturierung handlungsleitend gewesen. Die wesentlichen internen Schritte für die Restrukturierung der EWIBO GmbH sind veranlasst und vorbereitet und nur noch abhängig von der Erstellung der Jahresabschlüsse durch den Wirtschaftsprüfer. Die Kanzlei Wolter Hoppenberg wird den Prozess weiter begleiten“, heißt es in einer Stellungnahme gegenüber unserer Redaktion.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert