GLOSSE: Wie Eh-da-Mitarbeiter mit einem „Bau-Tagebuch“ das Image der Rathaussanierung aufpeppen



Eine Glosse von BERTHOLD BLESENKEMPER

Schade. Wir Medien hatten uns bereits auf fette Aufträge gefreut. Denn die Grünen wollten – wie berichtet – mit einer 15.000 Euro teuren Werbekampagne das ihrer Meinung nach hauptsächliche durch kritische Medienberichterstattung schleichend entstandene schlechte Image der Rathaussanierung wieder aufpäppeln lassen. Doch daraus wird nichts. Denn die Stadt muss sparen. Und deshalb schlug Bürgermeister Thomas Kerkhoff im Haupt- und Finanzausschuss vor, es „mit Bordmitteln“ in den eigenen Online- und Social-Media-Kanälen zu versuchen. Das koste schließlich nichts.. Oh ja, freute sich Grünen-Sprecherin Monika Ludwig und wünschte sich denn auch gleich eine Art virtuelles „Bau-Tagebuch“. Die anderen Fraktionen waren mehrheitlich auch dafür. Und so wird es jetzt gemacht.

Damit offenbart sich wiederum endgültig das finanzpolitische Komplettversagen der öffentlichen Verwaltung und der Kommunalpolitik. Denn Mitarbeiter, die künftig täglich zum Berliner Platz fahren, dort die aktuelle Lage fotografisch oder gar per Video festhalten und dazu noch einen Text verfassen, um danach in die Amtsstube zurückzukehren und alles auf diversen Kanälen zu posten, scheinen gar nichts zu kosten. Es handelt sich wohl um sogenanntes Eh-da-Personal, das sonst nichts zu tun hat und deshalb problemlos als „Bordmittel“ bezeichnet werden kann.

Kalkuliert man den Einsatz indes unternehmerisch, so müsste man bei 250 Tagebucheinträgen jährlich und einem jeweils zweistündigen Einsatz von insgesamt 500 Arbeitsstunden zu je 60 Euro ausgehen. Das macht jährlich 30.000 Euro und damit hochgerechnet auf eine vier bis sieben Jahren verbleibende Bauzeit 120.000 bis 210.000 Euro – Pensionskosten nicht eingerechnet. Aber darauf kommt es bei den rasant steigenden Gesamtkosten der Rathaussanierung dann auch nicht mehr an, oder?

Vielleicht aber wird aus dem Bau-Tagebuch per Ratsbeschluss auch noch ein Bau-Monatsbuch oder besser noch ein Bau-Jahresbuch. Denn in dem Fall ließen sich in den Posts und Reels der Eh-da-Teams wenigstens rein optisch noch Baufortschritte erkennen und die User-Enttäuschung wäre nicht so groß.

  1. Womit wieder mal bewiesen ist, dass öffentliche Mittel (Steuereinnahmen) für politische Aktöre kein Geld sind, für die sie dann auch keine Verantwortung übernehmen müssen. Ist nicht mein Geld, ist die Devise!

  2. Was für eine dumme Glosse und mal wieder sinnbildlich und bestätigend für die dauernd anhaltende kritische Berichterstattung. Man merkt mal wieder, dass Herr Blesenkemper keine Ahnung von der Organisation und Struktur der öffentlichen Verwaltung hat. Vielleicht sollte er mal ein 6 monatiges Praktikum dort absolvieren um ein wenig Verständnis davon zu erlangen. Ich bin sowas von froh, dass er mit großem Abstand nicht zum Bürgermeister gewählt wurde!

    • Ich bin zwar auch nicht immer Herrn Blesenkempers Meinung aber schlechter hätte es für Bocholt mit ihm auch nicht werden können. Ein Praktikum wäre aber mal eine Idee. Dann könnte er ja die Social Media Kanäle managen. Aber bitte nicht länger als drei Monate. Mindestlohn und so …

    • Made in Bocholt says:

      Umgekehrt wird ein Schuh draus! Es wäre sinnvoll, wenn die Beamten und städtischen Angestellten ein sechsmonatiges Praktikum in einem kleinen oder mittleren Betrieb machen würden. Dann könnten sie „Verständnis darüber erlangen“, wie sehr die Bürokratie das Wirtschaftsleben lähmt und wie mühsam es ist, all das Geld zu verdienen, das Verwwaltung und Politik oft sehr unbedarft ausgeben. Die Rathaussanierung ist und bleibt – nicht nur betriebswirtschaftlich gesehen – eine Vollkatastophe. Und an dieser Meinung wird bei vielen Bocholtern auch eine Werbekampagne nichts ändern. Denn man kann sicherlich das Gebäude selbst schönreden. Die ohne jede Wirtschaftlichkeitsberechnung getroffene Sanierungsentscheidung, die gezielten Wählertäuschungen, die ständigen Fehlkalkulationen und die unsagbaren Bauverzögerungen wird das aber nicht überdecken können.

  3. Berthold, Du bist mir mit dem Kommentar, ein Praktikum in einem wirtschaftlich arbeitenden Betrieb zu machen, zuvor gekommen.

    Ich schlage aber anhand des mangelnden Wissens über Wirtschaft in der Verwaltung ein 1-2 jähriges Praktikum vor.

  4. Dumme Glosse? Da kann man sich sofort denken, aus welcher Ecke das wieder kommt! Viele Bocholter Bürger sind sehr froh, dass es wieder eine „Instanz“ gibt, die, vielleicht auch viel zu selten, knallhart den Finger in die Wunde legt! Nach den Glanzleistungen unserer öffentlichen Verwaltung der letzten Jahre, ist nicht nur eine kritische, sondern wohl eher investigative Berichterstattung überfällig!

  5. Ruth Rümping says:

    Ich finde die Ideen zu Praktika nicht schlecht, 6 Monate Verwaltung muss sein, mit Vergütung was bei diesem Zeitraum zwingend ist und um Tempo und Arbeitsweise zu verstehen. 3 Monate in wirtschaftlichen Betrieben ist gut und reicht, man lernt wirtschaftliches Denken und die erforderliche Umsetzung.
    Meine Idee: ein Ehrenamt aus der Bauaufsichtbegehung mit Tagebuch machen, dann könnten sich viele Bocholter beteiligen, am Ende das ganze in einen Bildband fassen und im großen Kreis bei einer Feierstunde an die Medien übergeben. Was für ein Spaß. Versicherung und Kosten lassen wir mal draußen. Ha, ha.

  6. Sie haben es selbst beschrieben und da merkt man wieder, dass Sie es nicht verstehen. Die Bürokratie lähmt gewaltig, aber dafür können die Beamten und Angestellten nichts, weil die Bürokratie von Gesetzen und Politik vorgegeben wird! Wenn die Verwaltung selbstständig wie ein Unternehmen arbeiten könnte, wäre das Rathaus längst fertig und es gäbe keine Diskussion. Deshalb ist das Äpfel mit Birnen vergleichen. Die bürokratischen Hürden, wozu auch die langanhaltende politische Beschlussfassung zählt führt unweigerlich zu Verzögerungen und Mehrkosten. Das lässt sich aber nicht alles auf kommunalpolitischer Ebene ändern und ist deshalb leider normal bei vielen öffentlichen Projekten. Der Arbeitsplatz Rathaus muss irgendwo erneuert werden und ob da ein Neubau, eine Sanierung oder was auch immer in Frage kommt, kostet einfach viel Geld. Sie und die tollen Initiatoren einer Bürgerinitiative (wenn Sie sich auf dieses Niveau herabgeben wollen…) haben doch keinen besseren bis zum allerletzten Teil durchgeplanten Alternativvorschlag. Draufhauen ist immer einfach.

    • Made in Bocholt says:

      Sie haben Recht. Die Bürokratie kommt meist von oben. Aber die ohne Wirtschaftlichkeitsberechnung getroffene Sanierungsentscheidung, die gezielten Wählertäuschungen, die ständigen Fehlkalkulationen und die unsagbaren Bauverzögerungen sind alle made in Bocholt ;-). Und aus der Nummer kmmmen Rat und Verwaltung nicht mehr heraus. Da kann das Rathaus noch so prachtvoll angepriesen werden…

  7. Da gebe ich Ihnen ausnahmsweise mal recht. Aus der Nummer kommt man nicht mehr raus und es ist sicherlich auch nicht alles sauber und transparent gelaufen.

    An den Verfehlungen lässt sich aber nichts mehr ändern und die Notwendigkeit eines baulich modernen Rathauses besteht weiterhin. In den sauren Apfel der hohen Kosten muss man jetzt beißen und es wäre für alle leichter die Kosten durch unnötige Initiativen, Falschaussagen und ständigem Rumreiten auf alten Fehlern nicht noch weiter hochzutreiben. Das bringt die Zeit und die damit verbundene Preisentwicklungen einfach mit sich… Eine Planung an anderer Stelle, da muss man sich nichts vormachen, würde Jahre der Planung und Umsetzung in Anspruch nehmen! Aber da soll wohl jeder seine eigene Meinung zu haben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert