Hans Hund: „Handwerkskonjunktur schleicht im Kriechgang“



Die Konjunktur im heimischen Handwerk schleiche in diesem Frühjahr kaum merklich im Kriechgang voran. So hat Präsident Hans Hund (Bocholt) die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage der Handwerkskammer  Münster gewertet. Daran haben sich 844 Handwerksbetriebe aus dem Kammerbezirk Münster beteiligt. Eine schwindende Investitionsbereitschaft sei das deutlichste Merkmal der konjunkturellen Schwäche, betonte Hund. Er forderte: „Jetzt ist die Zeit für Anreize zu Investitionen und wirtschaftlichen Schwung.“

Die Geschäftslage entwickelte sich seit dem Herbst besser als damals erwartet. Erneut bilden die Betriebe, die ihre Geschäftslage mit „gut“ bewerten, mit 45 Prozent die größte Gruppe. „Schlecht“ finden 17 Prozent ihre Geschäfte, 2 Prozent mehr als im Vorjahr. Unveränderte 38 Prozent bewerten sie mit „befriedigend“. Für die nächsten sechs Monate wird aber eine Verschlechterung der Geschäftslage erwartet.

Der Geschäftslageindikator, der die aktuelle Lage und die Prognose zusammenfasst, erreicht 107,3 Punkte. Das ist eine Schwächung von minus 3,4 Punkten gegenüber dem Vorjahr. Die Stimmung ist im Münsterland mit einem Indikator von 108,6 Punkten etwas besser als in der Emscher-Lippe-Region mit 103,4 Punkten.

Die Kapazitätsauslastung tritt fast auf der Stelle. Sie erreicht 79,4 Prozent und liegt damit 0,2 Prozentpunkte unter dem Vorjahr. Das entspricht dem Durchschnitt seit 2014. Die Auftragsreichweiten betragen unveränderte 9,9 Wochen. Der Auftragsbestand im Handwerk hat sich weiter reduziert. Die Betriebe nehmen für die kommenden Monate eine weitere Verschlechterung der Auftragslage an. Die Umsätze kippten schon ab.  

Die Beschäftigung ist seit der Finanzkrise nicht so stark gesunken wie im vergangenen Halbjahr. Bei 13 Prozent der Befragten stieg der Personalbestand, aber bei 22 Prozent ging er zurück. Ursachen sind teils fehlende Fachkräfte und teils eine negative Geschäftsentwicklung. Die Betriebe hoffen auf einen kleinen Beschäftigungszuwachs über den Sommer. Über alle Gewerke hinweg bieten 40 Prozent der Befragten derzeit offene Stellen an. „Der Fachkräftebedarf ist eine Megaherausforderung“, kommentierte Hund.

Sorgen bereitet der HWK auch das frostige Investitionsklima. Es ist so schlecht wie seit 30 Jahren nicht. Der Investitionsindikator sank auf 83,3 Prozentpunkte (minus 4,1 Punkte gegenüber dem Vorjahr). Die Investitionsneigung der Betriebe nehme weiter merklich ab. Hier machten sich die verunsichernden Rahmenbedingungen, die schlechte Auftragslage und die fragile gesamtwirtschaftliche Entwicklung bemerkbar, erklärte Hund.

Im Kraftfahrzeuggewerbe ist die Laune mit einem Geschäftslageindikator von 120,7 Prozentpunkten am besten. Aber auch dieser Wert bedeutet eine leichte Abwärtsbewegung gegenüber dem Vorjahr um 1 Punkt. Gleichzeitig stieg die Kapazitätsauslastung um 1,4 auf 79,9 Prozentpunkte.

Der Geschäftsklimaindikator im Gesundheitsgewerbe erreicht 118,5 Prozentpunkte und damit gegenüber dem Vorjahr ein kleines Plus von 3,4 Punkten. In dieser Branche nahm die Kapazitätsauslastung am stärksten zu, und zwar um 3,9 auf 76,6 Prozentpunkte.

Das Nahrungsmittelgewerbe kommt auf 111,8 Prozentpunkte. Es hat mit 10,8 Punkten die erfreulichste Stimmungsverbesserung innerhalb eines Jahres. Die Kapazitäten sind aber nur magere 0,1 Punkte mehr ausgelastet als vor einem Jahr; die aktuelle Auslastung liegt bei 75,7 Prozentpunkten.

In den Handwerken für den gewerblichen Bedarf liegt der Geschäftslageindikator bei 108,3 Prozentpunkten. Die Gruppe hat gegenüber dem Vorjahr 1,7 Punkte verloren. Die Auslastung der Kapazitäten stieg im Vergleich mit dem Vorjahr um 0,9 auf 77,9 Prozentpunkte.

Die Baukonjunktur ist kritisch. In den Baugewerken ist die Kapazitätsauslastung zwar am höchsten, aber die Stimmung tief im Keller. Der Geschäftslageindikator schafft im Ausbaugewerbe 108,6 Prozentpunkte. Das bedeutet einen Rückgang um 4,8 Punkte gegenüber dem Vorjahr. Die Kapazitäten der Betriebe sind zu 82 Prozent ausgelastet. Das sind 1,3 Punkte weniger als vor einem Jahr. Im Bauhauptgewerbe landet der Geschäftslageindikator bei 100,2 Prozentpunkten. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahr einen Einbruch um 10,8 Punkte. Das ist das größte Minus aller Gewerkegruppen.  Die Kapazitätsauslastung verlor 1,2 Punkte und beträgt aktuell 84,4 Punkte.

Wenngleich sich der Geschäftslageindikator bei den Personenbezogenen Dienstleistern um 1,5 Prozentpunkte leicht verbesserte, signalisiert er mit 96,3 Punkten eine nach wie vor gedrückte Stimmung. Die Kapazitätsauslastung ließ mit 2,4 Punkten am meisten nach. Sie liegt bei 66,8 Prozentpunkten am niedrigsten.

Aktuell gibt es 30.428 Handwerksbetriebe im Kammerbezirk. Das Gründungsverhalten habe wieder Auftrieb bekommen, berichtete Thomas Banasiewicz. Im ersten Quartal dieses Jahres sei die Zahl neuer Betriebe mit 856 um 6,6 Prozent gestiegen. Erfreulicherweise, so der HWK-Hauptgeschäftsführer, entdeckten wieder mehr Jugendliche das Handwerk in ihrer Berufswahl. Die Zahl der neuen Lehrverträge steige: Mit 1.698 lag sie am 30. April 13,9 Prozent über der des Vorjahres.

Handwerksbetriebe, die in ihre Zukunft investieren wollten, können bei der Handwerkskammer vielerlei Services abrufen, informierte Banasiewicz. Diese reichten von Aus- und Weiterbildung über Beratung zu Schutzrechten für Innovationen, Energieeffizienzmaßnahmen, Fördermitteln und Betriebswirtschaft. Mit neuen Projekten möchte die Handwerkskammer Betriebe über die Chancen von Investitionen in Kreislaufwirtschaft informieren und Wege zur Realisierung aufzeigen. Es lohne sich für Betriebe hierüber nachzudenken, empfahl Banasiewicz.

Quelle: HWK Münster

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