IHK sieht Wirtschaft auf Erholungskurs

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Nach dem mehrfach verlängerten Lockdown wird nach Einschätzung der IHK Nord Westfalen auch für viele Unternehmen im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region die Luft immer dünner. „Die zugesagten Staatshilfen müssen jetzt schnellstens bei den Unternehmen ankommen, sonst ist es für viele zu spät“, appellierte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel heute (2. Februar) in Münster bei der Vorstellung der Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage erneut an die Politik, gemeinsam mit Renate Dölling (Geschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Westfalen, Münsterland) und Michael Radau (Präsident des Handelsverbands NRW sowie Vorsitzender des IHK-Handelsausschusses).

Bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse zeichnete Jaeckel ein sehr unterschiedliches Bild der regionalen Wirtschaft, die sich unter dem Strich immer noch als bemerkenswert stabil erweise. Der IHK-Konjunkturklimaindikator, der Lage und Erwartungen der Unternehmen in einem Wert zusammenfasst, stieg von zuletzt 99 Punkten im Spätsommer auf 113 und liegt damit genau im langjährigen Durchschnitt. Nur 14 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre Geschäftslage als schlecht, 35 Prozent bewerten sie als gut, für fast genau die Hälfte ist sie zufriedenstellend. Jaeckel: „Es ist also nicht so, dass die Wirtschaft komplett am Boden liegt.“ Doch: „Corona spaltet die Wirtschaft“, beschreibt der IHK-Hauptgeschäftsführer in nur einem Satz die aktuelle Entwicklung.

Die IHK Nord Westfalen beobachtet eine tiefe Spaltung in Wirtschaftsbereiche, die fast normal weiterlaufen, und die Bereiche, die von der Pandemie und den Corona-Schutzmaßnahmen in ihrer Existenz bedroht sind. „Aktuell kämpfen viele Unternehmen unverschuldet ums nackte Überleben“, betonte Jaeckel, „gleichzeitig sorgen aber insbesondere weite Teile der Industrie und die Bauwirtschaft insgesamt unverändert für Stabilität“. Sogar ein großer Teil der Handelsunternehmen äußerte sich in der IHK-Umfrage zum Jahreswechsel zufrieden mit der aktuellen Lage. Von „dem Handel“ könne aber schon lange nicht mehr die Rede sein, so der IHK-Hauptgeschäftsführer: „Hier liegen Licht und Schatten dicht beieinander, so dass wir genau hinschauen müssen.“

Insbesondere der Onlinehandel, aber auch der stationäre Lebensmittelhandel und bis zum harten Lockdown im Dezember auch der Bau- und Heimwerkerbedarf haben beispielsweise hohe Zuwachsraten verzeichnet, berichtete Handelsverbandspräsident Michael Radau. Ganz anders dagegen die Situation in den Innenstädten: Der dortige Einzelhandel beispielsweise mit Textilien, Bekleidung und Schuhen habe existenzbedrohende Verluste hinzunehmen. „Wenn hier nicht schnell substanzielle Finanzhilfen bei den Betroffenen ankommen, droht schon in Kürze massiver Leerstand in unseren Ortszentren und Innenstädten“, machte Radau klar.
Auch konsumnahe Dienstleistungsbranchen wie das Gastgewerbe, die Reisewirtschaft und die Veranstaltungsbranche befinden sich laut IHK „in einer dramatischen Krise mit offenem Ausgang“. Die Situation im Gastgewerbe skizzierte DEHOGAGeschäftsführerin Renate Dölling: „Bei den gastgewerblichen Betrieben gibt es viel Schatten und ein kleines bisschen Licht.“ Die Umsatzausfälle werden sich nach ihrer Einschätzung auf etwa 35 bis 40 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019 addieren. „Viele Unternehmer sehen sich in ihrer Existenz bedroht, da die versprochenen Hilfen nur zögernd und teilweise noch gar nicht, bei den Betrieben eingetroffen sind“, berichtete Dölling.

Laut IHK-Konjunkturumfrage, die das Gastgewerbe und die Tourismusbranche aufgrund separater Befragungen nicht erfasst, zeigt sich jedoch ein Großteil der nord-westfälischen Unternehmen „immer noch widerstandsfähig“. Zwei Drittel der befragten Unternehmen können die Auswirkungen der Corona-Pandemie noch aus eigener finanzieller Kraft stemmen und temporäre Verluste ausgleichen. „Doch das Polster wird dünner“, sagte Jaeckel. Über zehn Prozent der Betriebe berichteten über akute Liquiditätsprobleme, jeder fünfte Betrieb über einen gefährlichen Rückgang des Eigenkapitals.
Dass insgesamt 28 Prozent der Unternehmen mit einer konjunkturellen Belebung rechnen, war für Jaeckel angesichts der niedrigen Ausgangsbasis nach dem drastischen Konjunktureinbruch von 2020 zu erwarten: „Dabei hängt jedoch alles davon ab, ob eine Fortsetzung des Lockdowns droht und wie die Massenimpfung verläuft“.

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