Insolvenzverwalter sieht bei G&S Planwerk trotz Liquiditätsprobleme Fortsetzungsperspektiven

Insolvenzverwalter sieht bei G&S Planwerk trotz Liquiditätsprobleme Fortsetzungsperspektiven
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Von BERTHOLD BLESENKEMPER

Gegen die Bocholter G&S Planwerk GmbH, die europaweit unter anderem Fachmärkte, Studentenapartments, Hotels, ReHa-Kliniken und Seniorenresidenzen plant, entwickelt und baut, ist jetzt ein Insolvenzeröffnungsverfahren eingeleitet worden. Grund sind Liquiditätsprobleme. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter hat das Amtsgericht Münster Rechtsanwalt Heinrich Stellmach bestellt. Der sieht trotz aller Probleme Fortsetzungsperspektiven. „Das Geschäftsmodell ist gut. Und Immobilien sind zurzeit nicht zuletzt wegen der niedrigen Zinsen stark gefragt“, macht der Sanierungsexperte nach einer ersten Bestandsaufnahme Gläubigern wie auch den rund 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Hoffnung.

Die G & S Planwerk GmbH hatte sich zuletzt auf die Realisierung so genannter Mikro-Appartements spezialisiert. Bei diesen wird so viel wie möglich standardisiert. Das erlaubt es beispielsweise, Bäder und Inneneinrichtungen in großen Stückzahlen vorzufertigen und vorzumontieren. Anschließend werden die Elemente in einem Block oder in mehreren Teilabschnitten in den Rohbau integriert. Entwickelt und perfektioniert wurde diese Technik unter anderem beim Bau von Kreuzfahrtschiffen.

Vor allem bei der Erstellung von Studentenwohnungen sind Mikro-Appartements stark gefragt. So hatte G & S Planwerk zuletzt 105 davon in Reutlingen gebaut. „Insgesamt betreut das Unternehmen momentan drei große Baustellen“, berichtet Heinrich Stellmach. In Zahlungsschwierigkeiten waren die Bocholter offenbar geraten, weil ein Auftraggeber eine Ausführung bemängelt und 1,3 Millionen Euro einbehalten hatte. Dieses Loch war mit Eigenmitteln nicht so schnell zu stopfen. So blieb nur der Gang zum Insolvenzgericht.

Heinrich Stellmach

Heinrich Stellmach

Der Insolvenzverwalter hat nun zwei bis drei Monate Zeit, die Lage genau zu analysieren. Er muss dabei alle Maßnahmen treffen, um den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten. Ist ausreichend Masse vorhanden und sind die Prognosen gut, kann nach Abschluss des Insolvenzeröffnungsverfahrens eine Insolvenz in Eigenregie durchgeführt werden. Grundlage ist Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) vom 7. Dezember 2011. Diese stellt den Erhalt von in Notlagen geratenen Firmen in den Vordergrund (Lesen Sie dazu auch unser Interview mit Heinrich Stellmach.)

Zu G&S Planwerk:
Mit der Gründung des „Planungsbüros GOCAD“ fiel 1991 der Startschuss für G&S Planwerk. Das Unternehmen konnte sich schnell als Dienstleister für den Innenausbau am Markt etablieren. 2001 entschieden sich Peter Schlebes und Christoph Gores zur offiziellen Erweiterung des Geschäftsfeldes und gründeten die „G&S Planwerk GmbH“. Ab sofort wurde nicht nur geplant, sondern auch der komplette Innenausbau ausgeführt. In Deutschland plante und realisierten die Bocholter verschiedene Bauprojekte unter anderem für Weko, Möbel Rück, Poco, Zurbrüggen sowie für IKEA.

Parallel kamen Bauvorhaben im Full Service für internationale Kunden hinzu. Personelle und räumliche Erweiterungen führten schließlich zu der Entscheidung, ein eigenes Bürogebäude inklusive Logistikzentrum am Gut Baarking im Industriepark Mussum zu errichten. Dieses wurde im Jahr 2007 umgesetzt.