Dezember 3, 2021

Jahrtausendealt und immer noch aktuell – Frauenstatuetten

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Der historische Salon des Bocholter Stadtmuseums war bis auf den letzten Platz gefüllt, als die Wanderausstellung „Steinzeit-Schönheit“ feierlich eröffnet wurde. Bis zum 19. Dezember 2021 sind dort Frauenstatuetten zu sehen.

Umrahmt von der Singer-Songwriterin Eda Harapi und ihrem Ehemann Elton, führten neben der Museumsleitung Peter Wiegel als Kulturausschussvorsitzender und Astrid Schupp als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bocholt in die Ausstellung ein.
Wiegel betonte vor allem die Chance für vielfältige und bunte Themenbereiche in Bocholt: “Kultur sollte immer eine Brücke sein – Zwischen Menschen, Gegenden und Kulturen. Die Wanderausstellung aus dem Archäologischen Museum in Kehlheim ist hierfür geradezu optimal.”

Frauenstatuetten faszinieren die Menschen seit je her. Ihre ursprüngliche Bedeutung könne jedoch nicht gänzlich rekonstruiert werden, erklärte Museumsleiterin Lisa Merschformann während ihrer Eröffnungsrede. Dennoch hätten sie einen direkten Einfluss auf den Betrachter bzw. die Betrachterin. “Mit ihren klaren Formen, der starken Akzentuierung bestimmter Körperregionen, ihrer in vielen Bereichen Gesichtslosigkeit und ihrer starken Fülle sprechen sie einen sehr privaten und intimen Bereich unser Selbst an.”
Schnell sei da “die Brücke zu unserem heutigen Verständnis von Schönheit und einem körperlichen Idealvorstellungen geschlagen”, doch dürfe man die historischen Figurinen nicht in diesem Kontext betrachten, so Merschformann. “Der Großteil der Wissenschaft befürwortet heute die These, dass die Figuren Abbildungen von Muttergottheiten sein könnten bzw. Fruchtbarkeitssymbole sind und damit auch Hoffnungsträger.” Zweifellos lebten die Menschen der Steinzeit in einer Umwelt voll von Mythen, Göttern oder anderen magisch-spirituellen Praktiken. Der Natur und ihren Gewalten ausgeliefert, suchten sie nach Erklärungen und nach Sicherheit und fanden diese in übergeordneten Strukturen.

Rolf Bach, der künstlerische Urheber der im Museum ausgestellten Statuetten, faszinierten diese frühen Kunstformen schon lange. In filigraner Detailarbeit hat er die realen Figuren aus Speckstein nachempfunden, jedoch ohne einen Anspruch auf absolute Detailgetreue. Er wollte seine eigenen, persönlichen Figurinen schaffen und schlage damit die Brücke zu einem modernen Verständnis von Weiblichkeit und Schönheit. Dieses greift die Berliner Künstlerin Praxedis Brunner auf, indem sie naturrealistische Zeichnungen der originalen Figurinen danebenstellt: “Bachs Figurinen geben uns die Chance, einen Diskurs einzugehen zwischen den realen historischen Zeugnissen und der damit verbundenen wissenschaftlichen Betrachtung, wie auch der Auseinandersetzung mit dem eigenen Verständnis von Schönheit und Frauen.”
Neu: “Frauenzimmer” als kreativer Raum von Frauen für Frauen
Dieser Überzeugung schließt sich Astrid Schupp von der Gleichstellungsstelle der Stadt Bocholt an: “Frauenstatuetten zeigen deutlich die Präsenz und die Wirkung, die von Frauen und Weiblichkeit ausgeht und das seit vielen Jahrtausenden. Leider sind viele Frauen der Geschichte bis heute noch gar nicht entdeckt”, erklärt sie während ihres Grußwortes. Gemeinsam mit dem Stadtmuseum möchte sie dies nun ändern. Mit Hilfe eines “Frauenzimmers” soll daher ein kreativer Raum von Frauen für Frauen eingerichtet werden.

Gemeinsam laden Schupp und Merschformann interessierte Frauen dazu ein, sich kreativ an der Gestaltung dieses Netzwerks zu beteiligen. Eine erste Auftaktveranstaltung findet dazu am Montag, 8. November, um 19 Uhr im Museum statt. Neben dem “Frauenzimmer” nähert sich das Museum dem Thema auf künstlerische Weise. In zwei Workshops widmet sich das Museum zusammen mit der Künstlerin Andrea de Ruiter dem eigenen, ganz persönlichen Ausdruck von Frauenbildern.

Zudem wird es mehrere öffentliche Führungen durch die Ausstellung geben. Informationen dazu auf der Homepage des Museums www.stadtmuseum-bocholt.de sowie dem Facebook-Kanal Stadtmuseum Bocholt.

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