KOMMENTAR: Jetzt rächt sich der Verzicht auf jede Wirtschaftlichkeitsberechnung



Ein Kommentar von BERTHOLD BLESENKEMPER

Zunächst einmal klingt die Idee, die Gebäude der Stadt neu zu managen und durch Zusammenlegung von externen Standorten an der Kaiser-Wilhelm-Straße Geld sparen zu wollen, gut und überzeugend. Doch tatsächlich bindet sich die Stadt damit zunächst einmal nur eine zusätzliche Altimmobilie ans Bein. Denn die Gigaset-Gebäude sind nun mal nicht für eine Stadtverwaltung gebaut. Und sie sind in Teilen schon jetzt stark renovierungsbedürftig. Der Backsteinbau soll gleich abgerissen werden und Parkplätzen weichen. Der Rest hat auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Mit Blick auf die geplante Wärmewende muss zudem auf Dauer wohl die komplette Gasheizung ersetzt werden. Selbst das aber könnte sich rechnen, wenn wenigstens an der Sanierung des Rathauses am Berliner Platz gespart werden würde. Doch weit gefehlt. Hier geht alle seinen geplanten Gang.

Spätestens jetzt ist klar, dass der Verzicht auf eine belastbare Wirtschaftlichkeitsberechnung zugunsten einer groben bürgermeisterlichen Pi-Mal-Daumen-Schätzung bei der Wahl zwischen Sanierung und Rathausneubau unverantwortlich war.  All die Überlegungen, die man offenbar erst jetzt anstellt, um die Zusammenlegung von Standorten und Ämtern, den Verkauf des „Glaspalastes“ für das Jugendamt (den man im übrigen gerade erst teuer nachgebessert hat), die Mieteinsparungen, die Wärmewende, die New-Work-Diskussionen und vieles mehr sauber darzustellen, hätten lange der Entscheidung für eine maßloses ausufernde Rathaussanierung gemacht werden müssen.

Noch aber ist Zeit. Denn noch ist am Berliner Platz außer einer sauberen Entkernung nach drei Jahren nicht allzu viel passiert. Die meisten Arbeiten sind ja noch nicht einmal ausgeschrieben. Insofern wäre jetzt der Zeitpunkt, einen Moment innezuhalten und die Sache noch einmal gründlich zu überdenken. Auf keinen Fall aber sollten die Stadtverordneten noch einmal den gleichen Fehler machen und sich wieder ohne (möglichst externe) Wirtschaftlichkeitsberechnung auf einen solchen Plan einlassen.

  1. Wann haben Stadtverordnete jemals nicht des Kaisers Neue Kleider bestaunt, als ihnen die jeweiligen Bürgermeister seit 1972 ihre famosen Pläne für ein Rathaus vom Architekt-Künstler Böhm präsentiert wurden? Der Rat ist auch heute noch in Ehrfürchtigkeit erstarrt, denn der Bürgermeister ist ja von Amts wegen der Schlauste! Noch dazu, wenn es um Kultur geht!

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