KOMMENTAR: Rathaus hui – Bürgertreffpunkte pfui

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Ein Kommentar von BERTHOLD BLESENKEMPER
Die Lage in Bocholt spitzt sich zu – und sie ist hausgemacht. Politik und Verwaltung stehen mit der Schließung des Europahauses vor den Trümmern eines Systems, das sie über Jahre selbst aufgebaut und lange öffentlich gefeiert haben. Das komplexe Konstrukt rund um die EWIBO galt lange als Motor der Stadtentwicklung. Heute wirkt es eher wie ein Kartenhaus, das unter dem Druck von Ermittlungen und wirtschaftlichen Verwerfungen nach und nach in sich zusammenfällt.
Die Folgen sind längst nicht mehr abstrakt, sondern im Alltag der Menschen angekommen. Vereine, Initiativen und engagierte Bürger verlieren zunehmend ihre Treffpunkte und Räume. Mit der Insolvenz rund um das Kolpinghaus, der Verpachtung des „Erzengel“, des Verkaufs des Mussumer Kruges, der Schließung der Casinos und nun auch der Krise des Europahaus Bocholt bricht Stück für Stück über Jahrzehnte gewachsene städtische Infrastruktur weg, Zurück bleibt Verunsicherung – und die Frage, wo gesellschaftliches Leben künftig überhaupt noch stattfinden soll.
Umso größer ist das Unverständnis darüber, dass parallel dazu am Berliner Platz ein ambitioniertes Sanierungsprojekt vorangetrieben wird, das von Kritikern bereits spöttisch als „Aa-Philharmonie“ bezeichnet wird. Der Kontrast könnte kaum größer sein: Hier der Verlust gewachsener Strukturen, dort ein unsagbar kostspieliger Bau mit ungewissem Nutzen für die große Breite der Stadtgesellschaft oder kurz gesagt: Rathaus hui – Bürgertreffpunkte pfui
Besonders bitter ist, dass sich frühere politische Entscheidungen nun doppelt rächen. Dass insbesondere die CDU einst die weit gediehenen Pläne der Bürgerstiftung für ein Bürgerkulturhaus im Schützenhaus ausgebremst hat, erscheint im Rückblick wie eine vertane Chance. Ein solcher Ort hätte heute genau das bieten können, was Bocholt nun schmerzlich fehlt: Raum für Begegnung, Kultur und Ehrenamt.
Wenn es jetzt noch um Schadensbegrenzung geht, dann darf es kein weiteres Zögern geben. Das Mindeste wäre, als Rat alles daranzusetzen, das Europahaus zu erhalten. Denn eines ist klar: Vertrauen verspielt man schnell – es zurückzugewinnen dauert Jahre.

john says:
Welcher Gruppierung in unserer Stadt ist eine staatliche/kommunale geförderte Tätigkeit ein Graus? Wann enstanden Ewibo, Europa-Haus, Kolping usw.? Bestimmt nicht, wenn die Schwarzen regierten! Die brauchen eine Präsidenten-Suite, dann sind sie glücklich.