KOMMENTAR: Und wieder nur eine herbe Enttäuschung!



Von BERTHOLD BLESENKEMPER

Ein „kollektiver Systemwandel“ für die Innenstadt war versprochen worden. Doch was den Gästen gestern Abend bei der Infoveranstaltung von Stadt und Stadtmarketing für die City präsentiert wurde, war eine herbe Enttäuschung. Statt nach Jahren des Stillstandes die in vielfachen Umfragen geäußerten Wünsche der Bocholter sowie der auswärtigen Besucher nach mehr Aufenthaltsqualität, mehr Grün, mehr Kultur, nach einem Jugendzentrum und mehr Gastronomie endlich einmal aufzugreifen und Konzepte mit konkreten Umsetzungsplänen zu präsentieren, boten Bürgermeister Kerkhoff, Stadtmarketingchef Dieckhues und der für teures Geld eingekaufte Berater lediglich eine jetzt auf intellektuelle Meta-Ebene erhöhte Motivationsshow. 

Die zum x-ten Male in Onlineumfragen, Bürgerbefragungen, Workshops, Speeddatings, einem Jugendabend im Kinodrom sowie einem „Innenstadtcamp“ gesammelten Erkenntnisse werden derweil, wie es in einem Nebensatz erwähnt wird, in das Innenstadtkonzept eingearbeitet, das seit sage und schreibe zehn Jahren in irgendwelchen Schubladen herumdümpelt und nur gelegentlich dazu hervorgekramt wird, um es mit großem Tam-Tam zu aktualisieren und dann wieder wegzulegen. Meckern helfe nichts, erwiderte Bürgermeister Thomas Kerkhoff gestern auf Kritik. Da hat er vollkommen Recht. Aber immer nur zu quatschen statt zu handeln, ist mindestens ebenso kontraproduktiv.

Sinnbildlich für die momentane Lage in Bocholt sind die acht großen, teilweise mit Sitzbänken versehenen teuren Pflanzkübel, die eigentlich seit Mai den St,-Georg-Platz verschönern sollten. Stattdessen fristen sie schon monatelang in einem provisorischen Zwischenlager vor dem ehemaligen Kolpinghaus ein Mauerblümchendasein und setzen Moos an. Währenddessen stattet Winterswijk gerade massiv seine Fußgängerzone und mit Grünbeeten, Sitzecken und Straßenmöbeln aus. Dort zeigt man eindrucksvoll, wie man als Stadt seine Händler, Immobilienbesitzer und Besucher motiviert, wenn man einfach mal vorangeht. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!

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