KOMMENTAR: Wenn noch BOH-Gutscheine, dann aber anders!

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Von BERTHOLD BLESENKEMPER

Man sollte den Bocholt-Gutschein nicht auch noch kaputtreden, hatte Ludger Dieckhues bei der Diskussion um einen Neuauflage der Bonus-Aktion im Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Tourismus gemeint. Und er hat Recht. Der Handel braucht Hilfe. Und das steht im Vordergrund. Aber eine Diskussion über eine pauschale Subventionierung aus Steuergeldern muss angesichts der Zahlen erlaubt sein. Denn es macht keinen Sinn, mit fast der Hälfte der eine Million Euro aus der Bocholter Stadtkasse hauptsächlich einen einzigen Elektronik-Markt und die in Corona-Zeiten gewaltig boomenden Fahrradbranche zu unterstützen, während bei den kleinen Geschäften und Gastronomen vergleichsweise wenig hängenbleibt.

Dabei geht es hier weniger um eine Neid- als um eine Gerechtigkeitsdebatte. Das Geld wird von vielen aufgebracht, die schon seit Monaten in Kurzarbeit sind, nur einen Teil ihres Gehaltes bekommen und in Angst um ihre Existenz leben. Und die reagieren nun mal sehr empfindlich. Zum anderen kann kein Mensch verstehen, dass die Geschäfte in der City schließen müssen, in überfüllten Verbraucher- und Großmärkten aber gleichzeitig in Massen Schuhe, Textilien, Fernseher und andere „lebenswichtige“ Dinge gekauft und herausgeschleppt werden dürfen. Noch schlimmer ist, dass während der Schließung der Geschäfte die Onlineriesen steuerfrei vor Lachen nicht mehr in den Schlaf kommen.

Und wenn sich dann noch ganze Familien absprechen und gleich mehrere Bocholt-Gutscheine im Wert von 200 zusammenlegen, um günstig einen 75-Zoll-Bildschirm fürs heimische Wohnzimmer oder ein teures Smartphone zu kaufen, ist damit auch niemandem wirklich geholfen. Am besten aber sollten sich die Vertreter der Stadt und vor allem die der Politik lieber mal penetrant bei ihren Parteioberen dafür stark machen, dass endliche die seit langem versprochene Corona-Hilfen ausgezahlt werden. Denn das würde dem Handel momentan wohl am meisten helfen.

Fazit: Wenn der Gutschein nicht kaputtgeredet werden soll, muss er reformiert werden. Kleinere Höchstsummen weit unter 200 Euro wären eine Lösung. Sie würden das Hamstern erschweren. Gleiches würde gelten, wenn dazu pro Einkauf immer nur ein Gutschein einlösen ließe. Das wäre zwar alles weitaus umständlicher, aber vermutlich sehr viel besser. Und es müssen durch permanenten politischen Druck von unten nach oben vor allem steuer- und ordnungsrechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, die dem kleinen Handel eine Chance geben im Konkurrenzkamp gegen die eindeutig bevorzugten Großmärkte und Amazon. Andernfalls können wir schon jetzt die nächste Gutschein-Runde zur Rettung des Handels einläuten.

Über Berthold Blesenkemper

Berthold Blesenkemper ist Gründer und Chefredakteur der Plattform Made in Bocholt