Mehr als Kunst: Ungewöhnliche Installationen in der Sparkassen-Zentrale vorgestellt

Die neue Hauptstelle der Stadtsparkasse am Neutorplatz 1 wurde am 26. April 2021 eröffnet. Mit sechsmonatiger Verspätung wurden jetzt verschiedene Kunstwerke gemeinsam mit den Künstlern der Öffentlichkeit präsentiert. Die Auswahl der Künstler erfolgte mit Unterstützung des Deutschen Sparkassenverlages. In einem Auswahlverfahren setzten sich Claudy Jongstra und Stephan Zirwes gegen weitere nationale und internationale Künstler durch.

Der Stuttgarter Künstler Stephan Zirwes hat unsere Kundenberatungsräume mit spannenden und senkrecht gefilmten Luftaufnahmen von Bocholt und seinem natürlichen Umland gestaltet. Gleichzeitig werden auf verschiedenen Monitoren im Kundencenter Videoinstallationen des Künstlers (sogenannte „moving stills“) gezeigt.
Stephan Zirwes (Jahrgang 1967) ist ein professioneller Fotograf, der sich auf Luftaufnahmen mit einem künstlerischen Zugang zu den Themen der Umwelt und unserer Umgebung spezialisiert hat. Er arbeitet seit den frühen 90er Jahren mit bewegten und unbewegten Bildern und kreiert Videoinstallationen, Kunstvideos und visuelle Kunst. Danach konzentrierte er sich auf die Kunstfotografie und arbeitet seit vielen Jahren aus Hubschraubern und mit Drohnen für die Industrie, Filmproduktionen und eigene Kunstprojekte. Strukturen und (un)gewollte Arrangements stehen im Mittelpunkt seiner freien Arbeiten.

Die Bilder sind vielschichtig: Es geht um Ästhetik, aber auch, mit einem dokumentarischen Ansatz, um Ethik. Kompositionen, die farblich und grafisch harmonisch sind, entpuppen sich als Bilder mit Narben in der Natur – von Menschen gemacht. Bilder voller kleiner Geschichten und politischer Elemente, die erst durch die Distanz von oben sichtbar werden.

Die niederländische Künstlerin Claudy Jongstra hat in unserem Kundencenter ein großflächiges, textiles Kunstwerk mit dem Titel „Crossings“ installiert. Zwei Wände wurden mittels großer und gefärbter Wollfliese gestaltet. Die dafür benötigte Schafswolle stammt von einem lokalen Schäfer und auch die für die Wolle benötigte Farbe wurde mittels lokal erzeugter Blumen und Pflanzen mit Hilfe von mehreren Bocholter Landwirten eigens von der Künstlerin hergestellt.

Claudy Jongstra (Jahrgang 1963) schafft Kunstwerke und architektonische Installationen aus handgefilzten Naturfasern, die einen Sinn für Schönheit und Zugehörigkeit zu offenen Räumen vermitteln. In den Niederlanden ist sie Künstlerin des Jahres 2019. In den letzten 25 Jahren hat sie ein beeindruckendes Gesamtwerk ihrer einzigartigen und sehr begehrten taktilen Kunstwerke geschaffen. Im ländlichen Norden der Niederlande gelegen, züchtet Jongstra ihre eigenen Schafe, hält Bienen und kultiviert einen biologisch-dynamischen Farbgarten. Eine Herde einheimischer Drenthe-Heide-Schafe und ein botanischer Pflanzenfarbengarten bilden die Grundlage für viele ihrer Kunstwerke. Zentrales Anliegen von Jongstra sind die Wiederverbindung mit der Natur und dem Kreislauf des Lebens, die Nachhaltigkeit, die Vermittlung von altem Wissen und die internationale Zusammenarbeit – immer mit dem Ziel auf einen sozialen Wandel hinzuarbeiten. Ihr Werk ist in internationalen Museen, Privat- und Unternehmenssammlungen vertreten (u. A. im Museum of Modern Art, New York City; Victoria & Albert Museum, London; Stedelijk Museum, Amsterdam; Cooper Hewitt Design Museum, New York City; Los Angeles County Museum of Modern Art, Los Angeles). Auch für Google hat Jongstra bereits ein Kunstwerk gestaltet.

Neben dem Kunstwerk in der neuen Hauptstelle der Stadtsparkasse und dessen Installation gab es rund um die Entstehung und die dafür benötigten Materialen mehrere Projekte gemeinsam mit der Künstlerin und ihrem Team geben:

Die für das Kunstwerk benötigte Schafswolle liefert ein Bio-Schäfer aus der Region. Mit seinen 600 Mutterschafen – aufgeteilt in drei Herden – betreibt er Koppelhaltung auf insgesamt 18 Hektar Fläche: Sind die Weiden abgegrast, wird der Zaun abgebaut und versetzt. Im Winter „wandert“ der Schäfer über Naturschutzflächen sowie über Grünland- und Ackerflächen anderer Biobetriebe. Auf den Ackerflächen werden Winterzwischenfrüchte beweidet. Neben Flächen am Niederrhein hält der Schäfer auch eine Herde in der Dingdener Heide. Die genutzte Wolle liefern Schafe aus einer Kreuzung von Merino- und Schwarzkopfschafen.

Die Künstlerin stellt die Farbe zur Gestaltung der Wollvliese selber her. Die dafür benötigten Blumen und Pflanzen werden von sechs Bocholter Landwirten auf jeweils 150 bis 300 m2 großen Blühstreifen angepflanzt. Die für die benötigten Farben ausgewählten Blumen und Pflanzen sind Färberkamille, Färber-Wau, Echtes Labkraut, Färber-Meier, Ringelblume und Färberwaid. Das für diese Blühstreifen genutzte Saatgut wird ebenso nachhaltig angebaut und ist gentechnisch unverändert.

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