Mein Onkel „Perucho“ – ein Fußballpionier aus Curaçao

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Eine Reportage von JACQUELINE REUVERS
Wenn am Sonntag Curaçao gegen Deutschland spielt, werde ich nicht nur ein Fußballspiel sehen. Ich werde an meinen Onkel denken: Pedro José Celestino „Perucho“ Koolman. Für viele Menschen auf Curaçao ist er eine Legende des Fußballs. Für mich ist er vor allem ein geliebter Onkel, dessen Lebensfreude unsere Familie bis heute prägt.
Schon als Kind habe ich die Geschichten über ihn gehört. Geboren wurde Perucho am 19. Mai 1933 auf Curaçao. Früh entdeckte er seine Leidenschaft für den Fußball. Als Verteidiger des Vereins SUBT gehörte er zu jener Generation von Spielern, die den Fußball unserer Insel weit über ihre Grenzen hinaus bekannt machten. In den 1950er Jahren sorgten sie für Aufsehen – sogar in Europa.
1957 schrieb mein Onkel Geschichte. Gemeinsam mit seinem Landsmann Moises Bicentini wechselte er in die Niederlande zu NEC Nijmegen. Heute mag ein solcher Transfer selbstverständlich erscheinen. Damals war er eine Sensation. Perucho gehörte zu den ersten Fußballern aus Curaçao, die den Sprung in den europäischen Profifußball schafften. Er ebnete damit vielen karibischen Spielern den Weg, die später ebenfalls ihre Chance in Europa suchten.
Doch wenn ich an meinen Onkel denke, dann denke ich nicht zuerst an den Fußballer. Ich denke an den Menschen. Auf Familienfeiern war Perucho immer derjenige, der die Stimmung zum Leuchten brachte. Sobald Musik erklang, dauerte es nicht lange, bis er auf der Tanzfläche stand. Er bewegte sich mit einer Leichtigkeit, die alle mitriss. Sein Lachen war ansteckend, seine Herzlichkeit unverwechselbar. Er hatte die seltene Gabe, Menschen zusammenzubringen und ihnen ein Gefühl von Freude zu schenken. Diese Erinnerungen sind für mich genauso wertvoll wie seine sportlichen Erfolge.
Heute lebt mein Onkel in einem Pflegeheim in den Niederlanden. Die Demenz hat sein Leben verändert. Oft bewegt er sich in einer Welt aus Erinnerungen, die für ihn noch immer lebendig sind. Manchmal scheint die Gegenwart weit weg. Und doch erkennen wir in ihm noch immer den warmherzigen Menschen, der so viele Menschen berührt hat.
Besonders bewegt hat mich ein Moment vor zwei Jahren. Für die niederländische Fernsehsendung „Het Perfecte Plaatje“ erhielt der Sportjournalist und Moderator Henry Schut die Aufgabe, die Erinnerung eines Alzheimerpatienten fotografisch festzuhalten. Für dieses Projekt besuchte er meinen Onkel in Nijmegen. Die Fotos entstanden an einem Ort, der für Perucho voller Erinnerungen ist: im Goffertstadion. Dort hatte er einst für NEC Nijmegen gespielt. Die niederländischen Medien beschrieben diesen Augenblick mit den Worten: „Voor even was hij terug in zijn rol, daar op de middenstip in het Goffertstadion“ – für einen Augenblick war er zurück in seiner Rolle, dort auf dem Anstoßpunkt im Goffertstadion.
Jedes Mal, wenn ich diesen Satz lese, bekomme ich eine Gänsehaut. Für einen kurzen Moment schien die Zeit stillzustehen. Die Krankheit trat in den Hintergrund. Sichtbar wurde wieder der Fußballer, der einst mit Stolz das Trikot von NEC Nijmegen getragen hatte. Die Fotos zeigten weit mehr als einen ehemaligen Sportler. Sie erzählten die Geschichte eines Menschen, der Spuren hinterlassen hat.
Wenn heute Curaçao gegen Deutschland spielt, wird mich dieses Spiel daran erinnern, wie eng Fußball und persönliche Erinnerungen miteinander verbunden sein können. Mein Onkel hat Brücken geschlagen – zwischen Curaçao und den Niederlanden, zwischen Generationen und zwischen Menschen. Er war ein Pionier auf dem Fußballplatz, ein Vorbild für viele junge Spieler und ein Mensch voller Lebensfreude.
Für die Öffentlichkeit bleibt Pedro José Celestino „Perucho“ Koolman ein wichtiger Teil der Fußballgeschichte Curaçaos und der Niederlande. Für unsere Familie bleibt er der Mann, der tanzen konnte wie kaum ein anderer, der Menschen zum Lachen brachte und dessen Herzlichkeit bis heute nachwirkt.
Und deshalb werde ich mich am Sonntag zu seinem Andenken vor den Fernseher setzen mitten unter Freunden und Familie, umgeben von Deutschlandtrikots – und selbst ganz bewusst in einem blauen Shirt. Eine kleine Geste. Aber eine, die mich mit meinem Onkel, mit Curaçao und mit vielen wunderbaren Erinnerungen verbindet.
Fotos: Henry Schut | NPO

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