MIT FOTOS: „Requiem“ von John Rutter in der Georgskirche aufgeführt

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Am diesjährigen Volkstrauertag lud der Madrigalchor der Stadt Bocholt zu seinem Herbstkonzert in die nahezu vollbesetzte St. Georg-Kirche ein. Auf dem Programm standen das „Requiem“ des britischen Komponisten John Rutters, Wolfgang Amadeus Mozarts Solokantate „Exsultate, jubilate“, sowie mehrere Vertonungen des Textes „Ave verum“ aus der katholischen Liturgie.
John Rutter baut sein Requiem in Teilen auf den traditionellen Bestandteilen der katholischen Begräbnisliturgie auf, ergänzt diese jedoch um Psalmen und andere Elemente der anglikanischen Liturgie. So ergibt sich ein breites Spannungsfeld zwischen englischem und lateinischem Text, welches das ganze Werk durchzieht.
Der gut vorbereitete Madrigalchor eröffnete das Konzert mit dem Introitus aus Rutters „Requiem“. Begleitet von den Musikern des Ensemble Movimento zeichnete der Chor ein eindrucksvolles Bild in dunklen Klangfarben, die sich dann zum „Kyrie“ hin zaghaft aufhellten. Eine Besonderheit bietet auch die Instrumentierung des Werks. Diese setzt sich zusammen aus Orgel, Harfe, Violoncello, Flöte, Oboe und Schlagwerk – ein sehr bunter und vielseitiger Klangkörper.
Im folgenden Psalm „Out of the deep” (Aus der Tiefe) demonstrierte das Solo-Cello (brillant: Bernhard Schwarz) die Stimme aus der Tiefe, welche Gott anruft. Mit Inbrunst brachte der Chor die Bitte des Psalms um Hilfe und Erlösung vor.
Es folgte die Ave-verum-Vertonung des englischen Renaissance-Komponisten William Byrd – eine schlichte, nüchterne Vertonung des Textes, der die katholische Eucharistie mit dem Geschehen der Kreuzigung Jesu in Verbindung bringt. Geradezu intim wirkt hier die Schlussoration „Oh Jesu, Oh pie“ vom Madrigalchor.
Fortgesetzt wurde das Konzert mit dem „Pie Jesu“, in welchem Sopranistin Julia Obert im Wechsel mit dem Chor innig und eindrucksvoll die Bitte um ewige Ruhe für die Verstorbenen vortrug. Während bisher die leiseren Töne dominierten, konnten die Sängerinnen und Sänger des Madrigalchores im folgenden „Sanctus“ des Requiems ihr Stimmvolumen beweisen. Mit kräftigem Brausen von allen Instrumenten fegte der Ruf „Sanctus, Dominus Deus Sabaoth“ durch die Kirche. Besondere Freude bereitete hier das Glockenspiel.
Nun folgte die Solokantate „Exsultate, jubilate“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Sopranistin Julia Obert meisterte dieses Werk mit Bravour. Von schnellen Läufen im 1. Satz über langsame Passagen im 2. Satz bis hin zu viel Raffinesse im abschließenden Halleluja: Julia Obert konnte durchweg mit klarem und vollem Klang überzeugen. In
dieser Qualität ist die Kantate selten zu hören. Der Kirchenmusiker und Kantor der Liebfrauengemeinde – Philipp Hövelmann – begleitete die Sängerin in einzigartiger Art und Weise. Harmonisch aufeinander abgestimmt war dieser Vortrag einer der Höhepunkte des Konzertes.
Weiter ging es mit der Ave-verum-Vertonung von Mozart. Dieses Werk ist sehr beliebt bei vielen Kirchenchören und ist dementsprechend oft zu hören. So fein ausmusiziert wie an diesem Abend, hört man es jedoch selten. Der Madrigalchor der Stadt Bocholt konnte hier mit viel Sinn für Klang und Dynamik überzeugen.
Das folgende „Agnus Dei“ aus dem „Requiem“ von John Rutter gehört zu den schönsten Sätzen des Werkes. Hier gelingt Rutter die Verwandlung der düsteren Themen des ersten Satzes hin zu versöhnlicheren Klängen. Dem Chor gelang diese Aufhellung sehr souverän.
Im Psalm „The Lord is my shephard“ (Der Herr ist mein Hirte“) kam besonders die Oboe als Solostimme besonders zur Geltung. Im Wechsel mit dem Chor wurde dieser Satz zu einem ruhigen, idyllischen Ambiente, in dem man die ruhige Natur körperlich spüren konnte.
Die Ave-verum-Vertonung des englischen Komponisten Karl Jenkins besticht durch ihre Einfachheit und Repetition von einfachen Motiven. Mit viel Ruhe konnte der Chor das moderne Werk zu voller Geltung bringen.
Den Abschluss bildete das „Lux aeterna“ aus Rutters Requiem. In diesem Satz wurden Themen aus dem ganzen bisherigen Werk aufgegriffen und zu einem leisen, sanften Ende gebracht. Gerade in diesen leisen Passagen konnte der Madrigalchor sehr überzeugen.
Eine wahre Meisterleistung gelang dem Dirigenten Rainer Klaas. Unter seiner Gesamtleitung wurde das Konzert zu einem großen Genuss für alle Anwesenden. Mit langanhaltendem Applaus belohnte das begeisterte Publikum die Leistung der Musiker. Mit Konzerten wie diesen zeigt die Bocholter Musikszene, dass auch abseits der städtischen Hochburgen beeindruckende Konzerte zu hören sind.

