MIT KOMMENTAR: SPD-Stadtverordnete Pacho nimmt Jobangebot der Ewibo an



Die SPD-Stadtverordnete Monika Pacho (Foto links) verlässt den Verein Jusina, für den sie acht Jahre lang als Schulsozialarbeiterin tätig war. Grund: Die Ehefrau des Ewibo-Aufsichtsratsmitgliedes Bernhard Pacho (Foto Mitte) und Parteigenossin der Ewibo-Geschäftsführerin Asra Zürn (Fotos rechts) hat ein Minijob-Angebot eben dieser umstrittenen städtischen Tochtergesellschaft Ewibo angenommen und wird dort in den kommenden Wochen tätig werden. Das bestätigte die Sozialdemokratin auf Anfrage von Made in Bocholt.

Ihr Mann Bernhard Pacho hat daraufhin im nichtöffentlichen Teil des Rates seinen Rückzug aus dem Aufsichtsrat angekündigt. Geschäftsführerin Zürn hingegen wollte sich nicht äußern. Bürgermeister Thomas Kerkhoff zeigte Verständnis für die Ewibo, die es im Moment sehr schwer habe, neues Personal zu gewinnen. Er, will aber auch mit dem Rat demnächst darüber diskutieren, wie man mit dem Thema Beschäftigung von Ratsmitglieder in städtsichen Unternehmen umgehen soll.

Grundsätzlich ist die Beschäftigung von Ratsmitgliedern in städtischen Töchtern erlaubt. Monika Pacho dürfte sogar an Beschlüssen zum Thema Ewibo mitwirken, wenn diese nicht direkt ihren Arbeitsplatz beträfen. Gleichwohl ist der Zeitpunkt der Neubeschäftigung ungewöhnlich. Denn in der in Untreue-Vorwürfe gegen ihren ehemaligen Geschäftsführer verwickelten Tochtergesellschaft werden im Rahmen einer Umstrukturierung zurzeit altgediente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter freigestellt oder gar entlassen.

Monika Pacho wird nicht die erste aus der SPD-Ratsfraktion sein, die ihre Gehalt von der Ewibo bezieht. Vor ihren waren dort auch schon der inzwischen verstorbene, für die SPD und die Grünen im Rat aktive Hermann Leiting und der ehemalige SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Mertens angestellt.

KOMMENTAR

Von BERTHOLD BLESENKEMPER

Eines gleich vorweg: Monika Pacho ist eine untadelige Person. Sie engagiert sich seit mehr als 30 Jahren ehrenamtlich und hat sich in dieser Zeit auch schon mehrfach kritisch zur Ewibo geäußert. So zum Beispiel, als die umstrittene Tochtergesellschaft von der Stadt im Oktober 2019 unter höchst umstrittenen Umständen das alte Feuerwehrgelände und zusätzlich fünf Millionen Euro zugeschasst bekam. Aber als Ehefrau eines Ewibo-Aufsichtsratsmitgliedes und Parteifreundin der Ewibo-Geschäftsführerin in einer Phase, in der viele ihrer künftigen Ewibo-Arbeitskolleginnen und -kollegen um ihren Job bangen und einige aus dem Team auch schon gehen mussten, als Stadtverordnete ausgerechnet bei der Ewibo einen Job anzunehmen, ist – vorsichtig ausgedrückt – extrem unglücklich. Nur gut, dass ihr Mann sein Aufsichtsratsmandat niederlegen wird. Das ist konsequent. Bürgermeister Kerkhoff war anzumerken, dass er auch nicht gerade glücklich ist über die Entwicklung. Er muss höllisch aufpassen, dass so etwas seinem selbst gewählten Aufklärer-Image nicht schadet.

Fotos: SPD/MiB – Montage: Made in Bocholt

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