Dezember 8, 2022

MIT KOMMENTAR: Stadtmuseum soll langfristig in alte Fildekenschule ziehen

Von BERTHOLD BLESENKEMPER

Der einzige offizielle Rettungsweg aus dem Obergeschoss führt über eine alte, hölzerne Treppe. Wenigstens aber gibt es in dieser Etage noch Fenster, durch die die Feuerwehr im Notfall schnell hineinkäme. Anders im Keller des Bocholter Stadtmuseums. In die Ausstellungsräume dort führen seit Jahren nur schmale Betonstufen. Beide Bereiche wurden jetzt gesperrt. Grund sind formale brandschutzrechtliche Gründe, wie Bürgermeister Thomas Kerkhoff gestern im Rahmen einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz (Foto) betonte. Niemand war oder sei jedoch gefährdet, so seine Botschaft. Denn das Stadtmuseum habe noch eine durchaus funktionierende, wenn auch inzwischen offiziell „abgängige“ Brandmeldeanlage. Deshalb kann der Betrieb im Erdgeschoss bis zum 30. Juni weitergeführt werden. Sollte die Alarmtechnik ausfallen, werde das Museum umgehend komplett gesperrt, hieß es weiter.

Auch Stadtbaurat Daniel Zöhler versuchte, die alarmierenden Meldungen in den Medien zu relativieren. Der Betrieb sei gesichert und genehmigt. Langfristig jedoch müsse in das unter Denkmalschutz stehende Haus viel Geld investiert werden, hieß es. Genau das aber will die Verwaltung nicht mehr. Sie möchte die Immobilie lieber verkaufen und das Stadtmuseum gemeinsam mit dem Stadtarchiv in der ehemaligen Fildekenschule am Mühlenweg unterbringen. Das bislang dort geplante Altenwohnungsprojekt der EWIBO liegt nach der Neuausrichtung der Tochtergesellschaft ohnehin auf Eis.

Alle geregelt, so scheint es. Doch ab und zu blitzte bei Stadtbaurat Zöhler doch noch jede Menge Unmut durch. „Wir haben einen riesigen Investitionsstau geerbt“, meinte er und sprach von zum Teil desolaten Zuständen in den städtischen Immobilien. Dennoch will man im Rathaus nicht nach Verantwortlichen suchen. Es sei nicht seine Aufgabe Detektivarbeit zu betreiben, so Zöhler, der lieber auf eine offene Fehlerkultur setzt. Bürgermeister Kerkhoff schlug in die gleiche Kerbe. „Wir müssen nach vorne schauen und die Probleme lösen“, meint er.

Rund fünf Jahre kann es wohl noch dauern, bis alle baulichen Altlasten beseitigt sind. Die Kosten sind schwer abschätzbar. „Zwischen 30 und 100 Millionen Euro, es kann aber durchaus auch mehr sein“, meinte Kerkhoff. Auch das Stadtmuseum wird wohl erst in zwei Jahren, im 802ten Jahr der Stadtgeschichte an anderer Stelle wieder eröffnen können. Bis dahin sollen an verschiedenen Orten in der Stadt Ausstellungen stattfinden.

KOMMENTAR

Wenn niemand die Verantwortlichen für den Investitionsstau in der Stadt nennen will, dann werden wir das machen. Ex-Bürgermeister Peter Nebelo, Ex-Kämmerer Ludger Triphaus und Ex-Stadtbaurat Ulrich Paßlick saßen damals im Verwaltungsvorstand an den entscheidenden Stellen. Der ehemalige CDU-Fraktionsvorsitzende Herbert Panofen und sein Nachfolger Burkhard Weber wiederum führten und führen die CDU-Fraktion. Und die drückte immer wieder einen Schuldendeckel durch, ohne gleichzeitig auf ausreichend Investitionen für neue Projekte zu verzichten. So wurde am Ende zwangsläufig eben dort gespart, wo es niemand so schnell sieht – bei undichten Dächern, in feuchten Kellern, bei zugigen Fenstern, bei kontaminierten Klassenzimmern und offenbar auch immer wieder am Brandschutz. Es ehrt den Bürgermeister, dass er niemanden an den Pranger stellen will, zumal die meisten Verantwortlichen der eigenen Partei angehören. Allerdings ist er nicht immer so zimperlich!

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