MIT VIDEO: Weinanbau im Achterhoek stärkt Selbstvermarktung und den Tourismus



Von JACQUELINE REUVERS und BERTHOLD BLESENKEMPER

Die niederländische Grenzregion setzt verstärkt auf Selbstvermarktung.„Duurzamer, gezond en als het even kan uit eigen grond!“ (übersetzt: Nachhaltiger, gesünder und möglichst aus eigenem Anbau) lautet die Devise. Das sei nicht nur gut für die Landwirte,  sondern auch für den stetig wachsenden Tourismus im Achterhoek gut, erklärt Bürgermeister Anton Stapelkamp im Rahmen der Deutsch-Niederländischen Grenzgespräche auf dem Weingut „De Hennepe“ in Aalten. Dort können sich die Teilnehmer denn auch gleich von der Qualität und der Auswahl der Produkte überzeugen.

Winzer Hans ter Haar baut seit vielen Jahren im Osten der Niederlande auf einem halben Hektar Grund Wein an. Begonnen hatte er damit, als die Grenzregion noch als strukturschwach galt und neue Agrar-Projekte von der EU gefördert wurden.  Rund 20 Kolleginnen und Kollegen aus dem Gelderland  machten damals mit. Die meisten von ihnen schlossen sich gar in einer Genossenschaft zusammen.

„Die ersten Jahre mussten wir natürlich erst einmal viel lernen“, erinnert sich ter Haar an zahlreiche Kurse und Workshops an der Universität Wageningen. Daneben wurden Exkurse in deutsche, französische und belgische Weinanbaugebiete unternommen. Wegen ihren nördlichen Lage und der hohen Feuchtigkeit setzten die Niederländer von Anfang an auf neue Sorten. Die kamen nicht nur mit weniger Sonne aus, sondern waren auch gegen Mehltau resistent.

Der Winzer führt die kleine Gruppe aus Bocholt, die auf Einladung der Volkshochschule und der Informationsstelle Europa direct größtenteils mit dem Fahrrad angereist ist, durch seine Rebstöcke. Hier ist die Leidenschaft von Hans ter Haar für den Weinanbau förmlich greifbar. Der Winzer erklärt, warum die Pflanzen regelmäßig gehegt und gepflegt werden müssen und wie schnell eine ganze Ernte verdorben sein kann, wen es zur Unzeit friert oder die Kirschessigfliege ihr Unwesen treibt.

An diesem Tag allerdings bleibt es trocken und man trifft sich zum frühen Abend hin im Schein der untergehenden Sonne am Gartentisch vor dem Bauernhof zur Weinprobe. Hans ter Haar holt nach und nach Flaschen mit vielsagenden  Namen wie „Uutbloaz’n“, „Weerkomm’n, oder „Goodgoan“ aus seinem Keller. Vor allem letzterer hält, was das Etikett verspricht. Der Hausherr schenkt einen Rotwein aus dem Jahr 2018 ein. „Das war ein Superjahr mit extrem viel Sonne“, erinnert sich ter Haar.

Fatma Boland von der Volkshochschule  Bocholt, Rhede Isselburg, die für die Deutsch-Niederländischen Grenzgespräche zuständig ist, genießt derweil mit den andern Teilnehmerinnen und Teilnehmern den schönen Frühlingsabend. Erst als die letzte Flasche geleert ist, steigen alle aufs Rad und verabschieden sich. Die kürzesten Heimweg hat dabei der Aaltener Bürgermeister. „Bis zum nächste Mal“, meint Anton Stapelkamp und „fietst“ davon.

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