NABU-Brandbrief: Natur- und Artenschutz werden im Kreis “stiefmütterlich behandelt”

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Natur- und Artenschutz werden im Kreis Borken stiefmütterlich behandelt. „Es ist kein Umdenken erkennbar und auch nicht der Wille, eine Trendwende einzuleiten“. Zu diesem Schluss kommt der Vorsitzende des Naturschutzbundes, Michael Kempkes, in einer Art Brandbrief an die Politik in der Region. Er fordert dieVerantwortlichen auf, sich umgehend für mehr Nachhaltigkeit zu engagieren.

Mehr Biodiversität und Klimaschutz seien in aller Munde und würden vor allem auf europäischer Ebene vorangetrieben. “Doch was passiert hier im Kreis Borken? Wir versiegeln weitere Flächen in großem Stil für Siedlungsbau, Gewerbeansiedlung, Straßen. Und das trotz der demografischen Prognosen, dass die Bevölkerungszahl abnehmen wird. Und das trotz der Erkenntnis, dass versiegelte Flächen das Klima aufheizen und die lokale Niederschlagswahrscheinlichkeit sinken lässt“, so Kempkes

Er kritisiert weiter, dass die ökologischen Kompensationsmaßnahmen zumeist nicht vor Ort erfolgten und vielfach nicht annähernd das seien, als was sie bezeichnet würden. „Ihr ökologischer Wert ist deutlich geringer als der Wert der Fläche, die sich ausgleichen soll!“

Immer mehr einstige Alltagsarten seien im Kreis Borken kaum noch anzutreffen: Feldlerche, Kiebitz, Rebhuhn, Kuckuck, Nachtigall – “die Liste ließe sich endlos ergänzen“, so der NABU-Votrsitzende. Das Artensterben werde zudem beschleunigt durch den massiven Ausbau der Windkraft. Fledermäuse und große Vögel seien besonders betroffen:

Auch auf die Landwirtschaft geht Kempkes ein. „Wir haben im Kreis Borken eine intensiv betriebene Landwirtschaft mit großflächigen Monokulturen und einer ausgesprochen hohen Vieh-dichte, Tendenz weiter steigend. Die Auswirkungen sind bekannt: Gülleflut und hohe Nitratwerte im Grundwasser, Abwasserpilze in den Gräben, Bächen, Flüssen und Seen, Abnahme der Artenvielfalt.”

Viele Naturschutzgebiete seien in einem suboptimalen Zustand. Mountainbiker verließen die Wege und rasten durch ökologisch empfindliche Bereiche. „Teils fahren sogar Autos in die Gebiete, Hunde laufen frei und überall liegt Müll herum“ Gleichzeitig würden sehr viele alte Bäume gefällt, Wallhecken in großem Still gerodet ,und auch andere Hecken fehlten überall als Lebensräume und Biotopverbünde sowie Windbrecher und Schattenspender.”

Der NABU-Vorsitzende wagt zum Schluss des Briefes eine düstere Prognose: „Das heute erreichte Wirtschaftswachstum interessiert in zehn Jahren keinen Menschen mehr. Doch wenn das Trinkwasser knapp wird, Obstbäume und andere Nutzpflanzen nicht mehr bestäubt werden, wenn sich Innenstädte und Siedlungen auch nachts nicht mehr abkühlen, dann sind wir an dem Punkt angekommen, an dem es sehr schwer und zugleich sehr teuer wird gegenzusteuern.“

Foto von Ellen Wantia (NABU Kreis-Borken e.V.)

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