Nagelprobe am Flughafen BER: Bocholter BS-PK GmbH beschleunigt mit eigener Software Planfeststellungsverfahren

Firkmengründer und -chef Michael Schmeinck

Dieser Beitrag erschien zuerst in  [unternehmen!], der Verbandszeitung der Unternehmerverbandsgruppe e.V.

Von JENNIFER MIDDELKAMP

BER – der 3-Letter-Code des Flughafens Berlin-Schönefeld macht seit vielen Jahren vor allem mit Pleiten, Pech und Pannen Schlagzeilen. Die vorherige, fünfjährige Bauplanung allerdings war ganz im Gegenteil von Effizienz und Erfolg geprägt – dank eines Bocholter Unternehmens: Die BS-PK GmbH plante und führte das Planfeststellungsverfahren in den Jahren 1999 bis 2004 durch. Speziell für dieses Großprojekt – dem größten Bauvorhaben seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland – entwickelte die BS-PK GmbH die einzigartige Software CADEC. „Inzwischen kommt ‚CADEC‘ auch bei vielen anderen Bauprojekten zum Einsatz, z. B. flächendeckend im Land Niedersachsen.“ BS-PK-Geschäftsführer Michael Schmeinck hebt den wesentlichen Vorteil der von ihm geschriebenen Software hervor: „Jedes neue Bauvorhaben lernt von den vorherigen, und das unabhängig von Art, Umfang oder Personen. Verfahren mit CADEC sind deshalb sehr viel effizienter und rund 30 Prozent kürzer. So wird weniger Personal benötigt und es kann schneller mit dem tatsächlichen Bau angefangen werden.“

Das ist ein Traum, den viele Behörden, Kommunen oder Kreise haben dürften. Die Wirklichkeit sieht oft aber anders aus: Jedes Bauvorhaben öffentlicher Träger mit einer bestimmten Größe bzw. einer bestimmte Anzahl Betroffener ist in Deutschland öffentlich. Anwohner, Naturschutzverbände und andere Betroffene können so genannte Einwendungen einreichen. Das können hunderttausende werden, je nach Größe des Vorhabens wie etwa dem Bau von Brücken, Straßen, Flugplätzen oder Strommast-Trassen. „Jeder Einwand muss akkurat abgearbeitet, in Sachargumente zerlegt und mit Gegenargumenten des Antragstellers entkräftet werden. Dabei lassen sich die Einwendungen in Gruppen wie Lärm, Naturschutz oder ähnliches gliedern“, weiß Schmeinck.

 CADEC leistet im  „Papierkrieg“ entscheidende Unterstützung

Die Software CADEC leistet in diesem „Papierkrieg“ die entscheidende Unterstützung: Der gesamte Schriftverkehr wird digitalisiert, alle Einwendungen und Stellungnahmen erfasst. Außerdem werden alle Personen, ihre Rechtsbeziehungen – also z. B. Vollmachten – und Beziehungen untereinander dargestellt. „So können nicht nur Antragsteller und Beteiligte, also beispielsweise Büros, die die Sachargumente inhaltlich und juristisch erstellen, immer online auf alles zugreifen. Auch die Bürger können Einsicht in freigegebene Bereiche nehmen, wobei dem jeweiligen Landesdatenschutz genüge getan wird.“ Michael Schmeinck ist überzeugt: „Verfahrensfehler, die zu meist schmerzhaften Verzögerungen von Bauvorhaben führen können, passieren mit CADEC nicht.“

Das Land Niedersachsen wickelt alle größeren Bauvorhaben über die Software aus Bocholt ab. „Es ist das einzige Bundesland mit einer zentralen Planfestellungsbehörde. Dort lernt jeder Bauabschnitt voneinander. Und das unabhängig von Personen – Wissen geht ja auch schon mal in Ruhestand oder ist nicht am gleichen Ort vorhanden.“ Acht Jahre lang wohl habe die Einführung im gesamten Bundesland gedauert; die Arbeitsmethodik jeder Kommune hätte angeglichen werden müssen. „Heute nutzen Mitarbeiter von Behörden, Antragsteller und Beauftragte dieser Partien CADEC gleichzeitig. Der Zugriffsschutz und die Datensicherheit ist, in gemeinsamer Zusammenarbeit mit Datenschutzbeauftragten beteiligter Länder erstellt worden. Alle Benutzer profitieren vom globalen Nutzen aller Verfahren“, freut sich der BS-PK-Geschäftsführer.

Fünf Software-Fachleute im Einsatz

Die Abkürzung BS-PK steht für die Geschäftsfelder-Paare Beratung & Softwareentwicklung sowie Prozessplanung & Koordination; fünf Software-Fachleute sind in Bocholt angestellt. Der 53-jährige Geschäftsführer Michael Schmeinck studierte Prozessplanung bis zum REFA-Techniker und machte im späteren Verlauf sein Diplom im Bereich der Informatik. Sein erstes berufliches Projekt in den 1990er-Jahren war eine Maschinen-Programmierung für Textilindustrie mit kurzen und schnellen Prozessen. „Das war schon eine Herausforderungen in der damaligen IT-Landschaft mit langsamer Software, riesigen Server-Räumen und wachsenden Projektgrößen“, so Schmeinck. Auf seiner Referenzliste stehen z. B. der Flughafen Dortmund (Änderung der Betriebszeiten) oder die Fraport AG (Ausbau der Landebahn). „Aber Berlin-Schönefeld hat wirklich alle Dimensionen gesprengt: Ein Ort wurde umgesiedelt, der Lärmschutz war in der Großstadt das Thema, es häuften sich mit über 160.000 Einwendungen und mehr als 10.000 Sachargumenten riesige Datenmengen an.“

Verbunden mit dem BER-Planfestellungsverfahren war auch der Anhörungstermin, den BS-PK ebenfalls organisierte. „Neun Monate war ich Tag für Tag dort, wir organisierten das Einlassmanagement, die Podien aus Anhörungsleiter, Gutachtern und Einwendern, die Tagesordnung, die Sicherheit sowie die Protokollierung jedes einzelnen gesprochenen Wortes.“ Die benötigte Veranstaltungstechnik – Schmeinck erinnert sich an genaue Zahlen wie 15.000 qm ausgelegter Teppich, 5.000 Stühle oder 80 ausgestattete Juristenbüros – wurde mit einer Partner-Firma organisiert.

Investitionen in Mitarbeiter-Qualifikation

Dass ein 5-Mann-Betrieb vom Lande dies leisten kann, ist aufgrund zweier Umstände umso beeindruckender: Für seine Kundenaufträge muss BS-PK häufig viele Rechner anschaffen, bei Anhörungsterminen werden schon einmal 40 bis 80 PCs nötig. „Das ist dann für unser kleines Unternehmen schon eine riesige Investition.“ Zugleich werden seine erheblichen Investitionen in Mitarbeiter-Qualifikationen nicht berücksichtigt; geistiges Know-how wird nun mal eben nicht als Verlustvortrag gewertet. „Von daher ist und bleibt Softwareentwicklung schwierig in Deutschland“ – im digitalen Zeitalter eigentlich keine wünschenswerte Situation, bedauert Schmeinck.

Für die Zukunft setzt BS-PK auf zwei Standbeine. Zum einen wird CADEC derzeit an unterschiedliche Richtlinien und den Datenschutz angepasst sowie geschützt, sodass sie in allen Bundesländern, in der Bundesrepublik und in der EU eingesetzt werden kann. „Wir wollen vor allem grenzüberschreitend wachsen; spannende Projekte gibt es etwa in den Niederlanden mit dem Flughafen Enschede oder in Belgien mit einem Kernkraftwerk. Zum anderen setzt die Softwareschmiede auf das neue Geschäftsfeld „Business intelligence“-Lösungen. So wurde für einen Tiernahrungsmittelhersteller aus dieser Region der Außendienst digital optimiert: Verkaufszahlen – auch die vom Großhändler – sind nun so aufbereitet, dass das Verhalten der Endkunden beobachtet und so Trends ausgemacht werden können. Michael Schmeinck ist sich sicher: „Im digitalen Zeitalter liegt eine moderne, effiziente und digitale Planung, wie mit CADEC, im Interesse aller Beteiligten.“

Auditorium des Anhörungsverfahrens zum Flughafenausbau Berlin-Schönefeld, das das Bocholter Unternehmen BS-PK organisierte und mit Partnern ausstattete. (Foto: BS-PK)

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5 Kommentare auf "Nagelprobe am Flughafen BER: Bocholter BS-PK GmbH beschleunigt mit eigener Software Planfeststellungsverfahren"

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Thomas J. Heister
Gast

Was nützt die super Planung, wenn praktisch nichts läuft?

Marc El S
Gast

Das hat Michael nicht zu verantworten …

Dennis Schmitz
Gast

Darum geht es bei der Software doch. Sie reagiert auf aktuelle Situationen.

Thomas J. Heister
Gast

Das soll auch keine Kritik an der Software sein.

Claudia Steverding
Gast

Lachnummer mehr nicht!😜