Nationales Totengedenken: Aaltens Bürgermeister ruft zu vertiefter Auseinandersetzung mit der Geschichte auf

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Stapelkamp machte deutlich, dass sich das Gedenken in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt habe. Während zunächst vor allem Widerstandskämpfer im Mittelpunkt standen, sei später die Rolle der Täter sowie der verschiedenen Opfergruppen stärker in den Fokus gerückt.Besonders eindrücklich verwies der Bürgermeister auf bislang wenig beachtete Opfergruppen wie Zwangsarbeiter. In diesem Zusammenhang erinnerte er auch an die Razzia von Rotterdam und die Deportationen, die unter anderem in die deutsch-niederländische Grenzregion führten. Erst Jahrzehnte später sei diesen Ereignissen mit einem Denkmal in Suderwick Rechnung getragen worden – ein Zeichen dafür, wie lange es dauern könne, bis Geschichte umfassend aufgearbeitet werde.
Einen besonderen Bezug stellte der Bürgermeister zur Nachkriegszeit und zum Verhältnis zu Deutschland her. Er erinnerte an die verheerenden Bombardierungen deutscher Städte – darunter auch Bocholt – und stellte die Frage, wie mit diesem Teil der Geschichte umgegangen werde. Ebenso thematisierte er die Entwicklung der deutsch-niederländischen Beziehungen: „Sind Deutsche heute willkommene Gäste beim Gedenken, oder bestehen weiterhin Distanz und Vorbehalte?“, fragte er.
Zum Abschluss seiner Rede griff Stapelkamp die Lebensgeschichte der Holocaust-Überlebenden Edith Eger auf, die als junge Frau das Konzentrationslager Auschwitz überlebte und später Wege fand, mit ihren traumatischen Erfahrungen umzugehen. Ihr Schicksal stehe exemplarisch für die Frage, wie Individuen und Gesellschaften mit erlittenem Unrecht umgehen – zwischen Vergebung und fortwährender Belastung. Mit einem persönlichen Appell schloss der Bürgermeister seine Ansprache und richtete den Blick auf die Verantwortung jedes Einzelnen und meinte: „Unsere Geschichte erleben, sie begreifen und daraus zu lernen, Edith Eger tat das. Und wir?“
Zuvor hatte Stapelkamp gemeinsam mit Kinderbürgermeisterin Emma Rouwhorst einen Kranz am Ehrenmal an der Wehmerstraße niedergelegt Die offizielle Gedenkveranstaltung hatte am Abend bei strömendem Regen mit dem Läuten der Glocken begonnen. Es folgte ein Ehrengruß an die Veteranen und ein Trompetensignal. Anschließend wurde die niederländische Nationalhymne „Wilhelmus“ gespielt. Danach wurden Kränze von verschiedenen Organisationen niedergelegt. Weitere Programmpunkte waren Gedichte, die von von Schülerinnen und Schülern der Schaersvoorde-Schule und des IKC De Triangel vorgelesen wurden sowie eine eindrucksvolle Rezitation von Paul Westmeijer, dem Enkel von Cornelis Ruizendaal, bekannt als „Zwarte Kees“.
