Duftender kleiner Mann

Wenn in Bocholt Weihnachten ist, sieht und hört man manches, das zum typischen Brauchtum gehört: Weihnachtsmänner, Weihnachtsbäume, Weihnachtsmusik und ganz viele Lichter. Nicht ganz so bekannt ist ein kleiner Mann, dem man auf dem Bocholter Weihnachtsmarkt begegnen kann. Er besteht aus Holz und ist an seinem stets offenen Mund zu erkennen. „Räuchermann“ oder „Räuchermännchen“ wird […]

Ein Tag für die Lehrer

Der Herbst geht zuende, und bald haben wir Winter. Auch in Afghanistan, wo es in den Bergen noch viel kälter ist als in Bocholt. Emamahmad Azimi aus dem Orbis-Team stammt aus Afghanistan. Er blickt noch einmal auf den Herbst, in dem er in Bocholt die Bräuche zu St. Martin und Nikolaus erlebt hat, und schildert […]

Orbis zu Gast bei “juneart”

In der Eintrachtstraße 82 (Ecke Schwarzstraße) in Bocholt befindet sich die Galerie “juneart” von June Erkelenz. June ist eine Künstlerin, die 1969 aus England gekommen ist. Jeden 1. Sonntag im Monat findet dort eine Veranstaltung statt, zum Beispiel eine Autoren- Lesung. Am Sonntagnachmittag stellten Emamahmad Azimi und Jürgen Dickmann das Projekt Orbis vor. In gemütlicher […]

Die Martinsgans-Tradition (mit Rezept)

Die traditionellen Umzüge zur Erinnerung an den Sankt Martin sind vorüber. Aber es gibt noch einen alten Brauch, der mit Sankt Martin zusammenhängt. Jetzt beginnt die Zeit für ein festliches Essen. In vielen Restaurants wird gebratene Gans angeboten und auch in den meisten Familien steht sie auf dem Speiseplan. Es gibt viele Geschichten darüber, wie dieser Brauch entstanden ist. Eine davon ist: Martin, Bischof von Tours hatte sich vor ungefähr 1600 Jahren in einem Gänse-Stall versteckt und wurde vom Lärm der Tiere verraten.In Bocholt und Umgebung gibt es nicht sehr viele Leute, die Gänse züchten. Aber hin und wieder sieht man noch Bauernhöfe mit einer ganzen Schar schöner weisser Gänse. Jetzt, zur Zeit um Sankt Martin sind sie gut gefüttert worden und haben das richtige Gewicht, um geschlachtet zu werden. Viele Gänse für das Gänse-Essen kommen auch aus anderen Regionen und Ländern, vor allem aus Polen.Wer einen leckeren Gänsebraten probieren möchte – hier ein einfaches Rezept für die Zubereitung: Zutaten für 4 Personen: 1 küchenfertige Gans, ungefähr 4 kilo, Salz, Pfeffer, 2 Esslöffel getrockneter MajoranZubereitung: Backofen auf 170 Grad vorheizen. Die Gans mit Salz, Pfeffer und Majoran von innen und aussen einreiben. Man kann das Innere der Gans mit Äpfeln füllen, muss aber nicht sein. Die Schenkel mit Küchengarn zusammenbinden. Etwas gesalzenes Wasser auf ein Backblech geben, die Gans mit dem Rücken darauflegen.und für ungefähr 3,5 Stunden in den Ofen geben. Den Braten zwischendurch mehrmals mit Salzwasser begiessen. Zum Gänsebraten passen am besten Kartoffeln und Rotkohl.”Orbis” wünscht guten Appetit !  […]

Jetzt beginnt die fünfte Jahreszeit

11.11. 11.11 Uhr – hier bei uns, in Bocholt und vor allem im Rheinland, ist das ein besonderes Datum: Dann beginnt die fünfte Jahreszeit. Fünfte Jahreszeit? Es gibt doch nur vier: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Nun, die vier gibt es überall, haben sich die Menschen gedacht, die jedes Jahr Karneval feiern, die „Karnevalisten“. Und so haben sie einfach diese neue Jahreszeit erfunden. Natürlich ist das nicht offiziell. Es hat nichts mit Sommerzeit oder Winterzeit zu tun. Aber womit dann?Karneval ist eine alte Tradition. Der Begriff Karneval kommt aus dem Lateinischen und ist abgeleitet von Carne = Fleisch und dem Abschiedsgruß „lebe wohl“ = lateinisch vale. Es ist ein Hinweis auf die bevorstehende Fastenzeit, in der auf Genuss verzichtet wird. Daher wird diese Zeit in anderen Regionen Deutschlands auch als „Fastnacht“ bezeichnet. Die Fastenzeit dauert 40 Tage und endet mit dem christlichen Osterfest. Vor Beginn dieser Fastenzeit wollen wir noch einmal so richtig fröhlich sein und feiern, sagen die Karnevalisten, die meistens in Karneval-Vereinen organisiert sind. Karneval feiern sie zu Beginn des Jahres, und ab dem 11.11. bereiten sie sich darauf vor. Von jetzt an bis zur Fastenzeit dauert ihre spezielle fünfte Jahreszeit. Wenn man bedenkt, dass die Jahreszeiten den natürlichen Lebensrhythmus in der Natur bezeichnen, sieht man, wie wichtig den Karnevalisten diese Zeit ist.In der fünften Jahreszeit tun die Karnevalisten aus Spaß so, als ob sie regieren und andere Regeln und Gesetze gelten. Dazu gehört, dass sie jedes Jahr einen Prinzen und eine Prinzessin vorstellen, die diese Bestimmungen verkünden. In diesem Jahr heißen sie Nicole de Ruiter und Freddy Krämer. Die Präsentation oder Proklamation geschieht in Bocholt mit einer Veranstaltung auf dem Platz vor dem historischen Rathaus. Da gibt es dann viel Musik, verkleidete Menschen und eine große Party. Weil das am besten an einem Samstag geht, wenn viele Menschen in der City sind und Zeit haben mitzufeiern, findet diese Feier nicht am 11.11., sondern am 16.11. ab 11 Uhr statt.Sehen wir uns zu diesem Beginn der fünften Jahreszeit? Wichtig: Dann begrüßt man sich auch anders als sonst, nämlich mit „Bocholt Helau“. Foto: Rolf Boesveld […]

St. Martin hat eine wichtige Botschaft für alle

Es gibt hier eine Legende von einem guten Menschen. Martin wird er genannt. Jedes Kind hat von ihm gehört. Er lebte vor etwa 1600 bis 1700 Jahren. Er war zunächst römischer Soldat, wurde aber später Bischof von Tours. Es wird erzählt, dass er eines Tages einen frierenden Bettler sah und seinen Mantel in zwei Stücke teilte, damit der Bettler sich mit der einen Hälfte wärmen konnte. Dieser gute Mann wurde zum Heiligen, zu St. Martin. Und bis heute ist es auch in Bocholt Brauch, im November an ihn zu erinnern.Es ist eine Geschichte des Christentums. Was haben Muslime und Andersgläubige damit zu tun? Wenn die Schüler der Bocholter Schulen am 11. November, dem St. Martinstag, oder wenige Tage davor oder danach mit Laternen durch die Straßen ziehen – wieso sollen nichtchristliche Kinder dann mitmachen? Diese Fragen werden hier und da diskutiert. Und es gibt Vorschläge, den christlichen Hintergrund des Brauches aufzugeben und ein neutrales Event daraus zu machen.Manchen geht es tatsächlich nur um die schönen, leuchtenden Laternen und um die Süßigkeiten, die beim St. Martinsumzug an die Kinder verteilt werden. Aber man sollte nicht vergessen, dass von St. Martin eine wichtige Botschaft ausgeht, die für alle gelten muss – unabhängig von der Religion. Sie lautet: Denke nicht nur an dich selbst, sondern auch an andere. Hilf ihnen, sei mitmenschlich. Diese Botschaft ist multikulturell. Und sie ist heute, wo sich Egoismus, Hass und Ausgrenzung verbreiten, wichtiger denn je. […]

Interkulturelle Wochen mit interessantem Finale

Die interkulturellen Wochen in Bocholt enden im November mit einem besonders interessanten und abwechslungsreichen Programm, unter anderem mit einem musikalischen Highlight.- Es startet mit dem traditionellen Martinsumzug am Mittwoch, 6. November. Wenn es beginnt dunkel zu werden, gehen viele Schülerinnen und Schüler der Bocholter Schulen mit Laternen durch die Innenstadt. Die vielen verschiedenen Laternen haben sie selbst gebastelt. Darin befindet sich ein Licht, und dadurch leuchten die Laternen in vielen bunten Farben. Viele Menschen stehen an den Straßen, um sich dieses wunderschöne, beeindruckende Bild anzusehen. Die Kinder singen dazu Lieder und werden von Musikern begleitet.Der Umzug beginnt um 17.15 Uhr auf dem Berliner Platz am neuen Rathaus und endet am historischen Rathaus. Er gehört seit vielen Jahren zum Brauchtum in Bocholt und erinnert an den Heiligen Martin, Bischof von Tours, der seinen Mantel teilte, um einem frierenden Bettler zu helfen.- Am Freitag, 8. November, kann man beim interkulturellen Kochen für Kinder ab zehn Jahren und für Jugendliche Leute verschiedener Nationen kennenlernen und mit ihnen gemeinsam ein leckeres Essen zubereiten. Wer mitmachen möchte, muss sich bis zum 4. November bei der Caritas, Tel. 02871/2513-1121, anmelden. Die Veranstaltung findet von 16 bis 19 Uhr im Kreuzbergheim an der Ecke Münsterstraße/Am Kreuzberg statt. Die Teilnahme kostet zwei Euro pro Person.- Um 10.30 Uhr beginnt am Sonntag, 10. November, ein deutsch-türkisches Begegnungsfrühstück in der Familienbildungsstätte (Fabi) am Ostwall 39. Eingeladen sind alle Bocholterinnen und Bocholter und ganz besonders auch Menschen, die aus anderen Ländern nach Bocholt gekommen sind. Die Teilnahme ist kostenlos. Man sollte sich aber anmelden (Tel. 02871/239480).- Vor drei Jahren wurde auf dem Benölkenplatz der „Engel der Kulturen“ als Intarsie auf dem Erdboden verlegt. Daran wird am Freitag, 15. November, ab 17 Uhr erinnert. Menschen aller Kulturen und Religionen sind eingeladen, auf diesem Platz an der Adenauerallee ein Friedensgebet zu sprechen und ein Versprechen zu erneuern, das damals, bei der Entstehung des Engels der Kulturen, abgegeben wurde. Es beinhaltet das Bekenntnis zu Mitmenschlichkeit und zur Achtung vor der Schöpfung sowie zur gemeinsamen friedlichen Gestaltung der Zukunft. Danach gibt es im Gebäude der Zentralmensa warme Getränke, Brot und Musik. Der Eintritt ist frei.Die „Afrika Mamas“ beeindrucken am Montag, 18. November, im Kulturort „Alte Molkerei“ an der Werther Straße 16 mit „Weltmusik“. Das Sextett aus Südafrika hat sich seinen Namen deshalb gegeben, weil alle Frauen, die ihm angehören, alleinerziehende Mütter sind. Die „Afrika Mamas“ haben Tourneen durch mehrere afrikanische und europäische Länder sowie nach China unternommen und sind bei den Olympischen Spielen in London aufgetreten. Das Konzert beginnt um 20 Uhr (Einlass ab 19.30 Uhr). Der Eintritt kostet acht Euro.30 Jahre ist es her, dass die Mauer zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR geöffnet wurde. Aus diesem Anlass hält Wolfgang Hoffmann am Donnerstag, 21. November, um 19.30 Uhr im Medienzentrum am Bahnhof einen Vortrag und zeigt dazu Filmausschnitte aus „Das Versprechen“, „Good-bye Lenin“ und „Schabowskis Zettel“. Auch menschliche Aspekte dieses bedeutenden Ereignisses deutscher Geschichte sollen aufgezeigt werden. Dazu wird auch eine Bocholter Zeitzeugin beitragen. Der Eintritt beträgt fünf Euro. Kostenlos kann bereits ab 18.30 Uhr eine Buchausstellung zum Thema Fall der Mauer im Foyer des Medienzentrums besucht werden. […]

Interkulturelle Wochen im Oktober

Die interkulturellen Wochen in Bocholt werden im Oktober fortgesetzt. Dabei wird unter anderem „Weltmusik“ zu hören sein, und es gibt einen Vortrag über die Integration von Muslimen in Deutschland.Am Mittwoch, 2. Oktober, ab 20 Uhr gibt es in der Skylounge oben im Textilwerk an der Industriestraße 5 einen internationalen Leseabend. Dort ist der ungarisch-deutsche Übersetzer und Schriftsteller Akos Doma zu Gast. 1963 in Budapest geboren, wuchs er in Ungarn, Italien und England auf. Mit 14 Jahren kam er nach Deutschland, machte hier sein Abitur, studierte und promovierte. Er lebt in Bayern und wurde mit Stipendien und Preisen ausgezeichnet. Zurzeit arbeitet er an seinem vierten Roman.Akos Doma wird in Bocholt aus seinen Übersetzungen der Tagebücher von Sándor Márai und der Werke von László Földényi vorlesen. Und er wird erzählen, wie es ist, wenn er Literatur aus seiner Muttersprache in die Sprache seiner Wahlheimat übersetzt.Veranstalter ist der Integrationsrat der Stadt Bocholt in Kooperation mit der Weltlesebühne. Der Eintritt beträgt 5 Euro, für Schüler und Studenten 2,50 Euro.Aus Albanien kommt die Musik, die am Montag, 7. Oktober, ab 20 Uhr im Kulturort Alte Molkerei an der Wertherstraße 16 zu hören ist. Das Ensemble Sazet e Permetit musiziert zu einem speziellen Gesangsstil, dem sogenannten isopolyphonischen Gesang. Der Eintritt beträgt 8 Euro.„Deutsch & Muslim – integriert statt assimiliert“ lautet der Titel einer Veranstaltung am Mittwoch, 9. Oktober, um 19.30 Uhr in der Familienbegegnungsstätte (Fabi) am Ostwall 39. Wie sollen sich Muslime in die Gesellschaft hier einbringen, um integriert zu sein? Welche Inhalte lehrt der Islam für eine gelungene Integration? Auf diese Fragen wird die Ahmadiyya Muslim Jugendorganisation in einem Vortrag eingehen. Danach besteht die Möglichkeit zu einer Diskussion. Der Eintritt ist kostenlos.Welche Bedeutung hat Religion für die menschliche Seele und für die Gesellschaft? Mit dieser Frage befasst sich der Soziologe und Buchautor Dr. Torsten Reters in einem Vortrag am Donnerstag, 10. Oktober, um 19.30 Uhr im Medienzentrum an der Hindenburgstraße 5 (Bahnhofsgebäude). Glaube kann einerseits zu einem gelungenen Leben und gesteigerter Nächstenliebe beitragen, andererseits aber kann Religion auch Freiheiten einschränken, zu unvernünftigen Entscheidungen, zu Fundamentalismus und Gewalt führen. Der Eintritt für die Veranstaltung der Volkshochschule (VHS) beträgt 6 Euro (Schüler und Auszubildende 5 Euro). […]

Was mir hier besonders auffällt: Deutsche Pünktlichkeit

„Wir als Geflüchtete müssen in Deutschland noch einmal ganz von vorne anfangen. Das ist gar nicht so einfach, denn Deutschland unterscheidet sich sehr stark von Afghanistan“, sagt Emamahmad Azimi, der seit sieben Jahren in Bocholt lebt und am Projekt Orbis mitarbeitet. Ein wesentlicher Unterschied sei die Bedeutung der Zeit. „Uns ist aufgefallen“, so Emamahmad, „dass die Leute hier sehr viel Wert auf Pünktlichkeit legen und dass es unhöflich ist, wenn man zu spät kommt. Unpünktlichkeit ist unhöflich. Ich wusste nicht, dass Pünktlichkeit gleichbedeutend mit Zuverlässigkeit ist. Der Umgang mit Zeit ist in Afghanistan anders.“Diese Erfahrung machen auch viele Menschen aus anderen Ländern. Wenn man sie fragt: Was ist typisch deutsch, sagen sie sehr oft: Pünktlichkeit. Tatsächlich spielt Pünktlichkeit in Deutschland eine große Rolle. Schon die Kinder lernen es, pünktlich zum Mittagessen zu Hause zu sein und pünktlich in der Schule anzukommen. Wenn jemand nicht pünktlich zur Arbeit kommt, bekommt er leicht Ärger mit seinem Chef. Wer nicht pünktlich ist und andere warten lässt, gilt tatsächlich als unhöflich. Manche Menschen gehen deshalb lieber etwas zu früh zu einem Termin. Es gibt einen Spruch: „Fünf Minuten vor der Zeit ist des Deutschen Pünktlichkeit.“Das Wort „pünktlich“ ist aus dem Wort „Punkt“ entstanden. Gemeint ist ein bestimmter Zeitpunkt, ein Punkt auf der Uhr. Die Erfindung der Uhr war die Voraussetzung für Pünktlichkeit. Zunächst besaßen nur wenige eine Uhr, später dann aber immer mehr Menschen. Erst dann war es möglich, sich für einen bestimmten Zeitpunkt zu verabreden.Ursprünglich war es für viele Menschen in Deutschland gar nicht so wichtig, pünktlich zu sein. In Bocholt lebten die meisten Menschen nicht in der Stadt, sondern auf dem Lande. Ihr Tagesablauf richtete sich nicht nach der Uhr, sondern nach dem Stand der Sonne und nach dem Wetter. Bei den Bauern war das so und auch bei den Handwerkern.Das änderte sich mit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert. In Bocholt entstanden mehrere Fabriken, in denen Textilien hergestellt wurden. 1852 kam die erste Dampfmaschine in die Stadt und dann immer mehr Maschinen. Sie bestimmten den Rhythmus für die Arbeiterinnen und Arbeiter. Ihre Aktivitäten mussten nun zeitlich exakt koordiniert werden. Waren sie nicht pünktlich, funktionierte es nicht.Ein anderer Grund für die Pünktlichkeit war, dass Deutschland erst jetzt als ein einheitlicher Staat entstand. Ursprünglich hatte es aus vielen kleinen einzelnen Teilen bestanden. Jede Stadt hatte da noch ihre eigene Uhrzeit. Reisende mussten ihre Uhren alle 18 Kilometer um eine Minute vor- oder zurückstellen – abhängig davon, ob sie von West nach Ost fuhren oder umgekehrt. Ab dem 19. Jahrhundert entwickelten sich die Eisenbahn und das Schienennetz enorm. Züge mussten aufeinander abgestimmt und Güter mussten pünktlich zum Bahnhof gebracht werden. Und auch die Reisenden mussten pünktlich sein.Für die Pünktlichkeit sorgte besonders das Königreich Preußen, das sich von Berlin und Brandenburg aus auf dem deutschen Territorium immer weiter ausgedehnt hatte, schließlich auch bis zum heutigen Nordrhein-Westfalen. In Preußen wurde vor allem unter den Soldaten und den Beamten auf Pünktlichkeit streng geachtet. Pünktlichkeit galt als eine preußische Tugend, und sie wurde auf andere Teile Deutschlands übertragen. So entstand die deutsche Pünktlichkeit als Teil der Erziehung und des täglichen Lebens. Die Entwicklung ging sogar über Deutschlands Grenzen hinaus: 1893 übernahm Kaiser Wilhelm die Mitteleuropäische Zeit, um auch international nur nicht zu spät zu kommen.Die Pünktlichkeit hat gute Seiten, weil man dadurch planen kann. Ohne sie wären viele Dinge, die miteinander zusammenhängen, nicht möglich. Zum Beispiel im Krankenhaus ist das ganz wichtig oder auch beim Bau von Häusern. Negativ ist, dass die Erwartung von Pünktlichkeit in Deutschland zu einer immer intensiveren Zeitplanung führt – zu mehr Terminen, zu Stress und Hektik. Wer sich nicht daran hält, verspielt seine Chancen. „Wer seine Zeit vertrödelt, ist nutzlos“, stellt Emamahmad Azimi fest. […]

Was mir hier besonders gefällt: Pferde

Im Orientierungskurs haben wir über das Bundesland gesprochen, in dem Bocholt liegt – Nordrhein-Westfalen (NRW). Ich wusste bereits, dass die Fahne von NRW ganz ähnlich aussieht wie die Fahne meines Heimatlandes Iran. Für Nordrhein-Westfalen gibt es außerdem ein Wappen, und darin ist unter anderem ein Pferd zu sehen. „Weil es in Bocholt so viele Pferde gibt“, sagte der Kursleiter. Er meinte es nicht ganz ernst, aber es stimmt: Wenn man sich umschaut, vor allem im nördlichen Teil Bocholts, sieht man eine ganze Menge Pferde. Einige von ihnen habe ich besucht.Mein Neffe im Iran hat ein Pferd und reitet, ich selbst aber nicht. Einmal habe ich auf einem Pferd gesessen. Aber ich bin runtergefallen. Ich mag Pferde trotzdem. Beim Reit- und Fahrverein Barlo-Bocholt an der Winterswijker Straße gibt es viele davon. 44 leben dort wie in einer Pension. Sie haben es gut – in den Stallgebäuden, auf den großen Weiden, in den Reithallen und auf den Reitplätzen. Sie haben sogar einen „Duschraum“ und ein Karussell, in dem sie sich bewegen.Auf der Anlage, die gerade einen ganz neuen Springplatz mit einer schön begrünten Tribüne erhalten hat, ist immer etwas los (die Fotos entstanden dort beim Training). Rund um das Vereinsgelände sind in den letzten Jahren immer mehr Reiterhöfe entstanden, deren Besitzer privat Pferde halten. Etwa 180 bis 200 dieser Pferde nutzen die Vereinseinrichtungen.Turnen auf dem PferdMit sechs oder sieben Jahren beginnen Kinder mit dem Reiten, sagt der Vereinsvorsitzende Carsten Telahr. Überwiegend sind es Mädchen – weil sie Tiere mögen und besonders eben auch Pferde. Oft kommen die Kinder aus „Reiterfamilien“, in denen auch die Eltern reiten. Sie beginnen häufig mit dem Voltigieren. Davon hatte ich noch nie etwas gehört. Im Iran gibt es das nicht. Beim Voltigieren turnen Kinder oder Jugendliche auf dem Rücken eines Pferdes, das an einer langen Leine (Longe) im Kreis läuft. Dafür gibt es sogar Wettbewerbe. Fünf Pferde werden vom Verein speziell für das Voltigieren eingesetzt und sind die einzigen Pferde, die ihm gehören.Dem Verein ist eine Reitschule angeschlossen, in der man Reiten lernt. Drei oder vier Jahre alt ist ein Pferd, wenn es mit dem Reittraining beginnt. Dann oder etwas früher wird es an den Sattel gewöhnt. Bevor ein Pferd über Hindernisse springt, muss es die Dressur beherrschen. „Springen ohne Dressur geht nicht“, sagt Trainer Michael Erkner. Bei Reitturnieren starten einige Reiterinnen und Reiter in Dressur- und Springwettbewerben. Ab den Schwierigkeitsklassen L und M spezialisieren sie sich auf Springen oder Dressur. Außerdem gibt es im Reit- und Fahrverein Barlo-Bocholt auch Vielseitigkeits- und Westernreiter. Insgesamt starten fast 200 aktive Reiterinnen und Reiter für den Verein, der mehr als 600 Mitglieder hat.Jede Reiterin und jeder Reiter im Verein ist verpflichtet, im Jahr 20 Stunden als Helferin oder Helfer tätig zu sein. Bei einem Reitturnier sind rund 100 Helfer im Einsatz. Aber auch sonst gibt es mit der Versorgung der Pferde, mit Füttern und Pflege der Tiere sowie der Anlage immer viel zu tun. Unter den Vereinsmitgliedern sind einige ganz besonders engagiert. „Ohne die geht es nicht“, sagt Carsten Telahr.Die Gemeinschaft unter den Vereinsmitgliedern spielt eine große Rolle. Das genießen schon die Kinder, so der Vorsitzende. Der fachliche Austausch ist ebenso wichtig wie das gesellige Beisammensein im Reiterstübchen.Ein Pferd als CoachEinmal in der Woche geht es für die Pferde durch Wald und Feld – ohne Dressur und ohne Springen. Sie brauchen das als Ausgleich, sagt Carsten Telahr. Einfach mal ein Pferd für einen Ausritt mieten kann man bei seinem Verein aber nicht. „Das fehlt leider in Bocholt“, sagt Anja Schröer, die auf einem der Bocholter Pferdehöfe lebt. Zwölf Plätze für Pferde und Ponys gibt es dort. Die meisten davon gehören nicht ihr, sondern anderen Besitzern. Anja Schröer leitet eine Consulting-Firma und lädt Manager zu ganz besonderen Kursen ein. Sie erleben meistens zum ersten Mal die Begegnung mit Pferden. Das ist etwas ganz anderes als ihr Job, wo sie die Dinge als „Kopfmenschen“ planen und regeln – Inhalte ebenso wir ihr Auftreten, auch ihre Rhetorik. Ein Pferd ist kein Kollege und kein Geschäftspartner, und es reagiert anders. „Pferde sind sehr sensibel“, sagt Anja Schröer. Sie nehmen Stimmungen der Menschen wahr, „spiegeln unser Befinden“. Für den Menschen bedeutet das eine große Chance, sich selbst wahrzunehmen und zu öffnen, was oft ungewohnt und daher nicht leicht ist.Ich habe bei meinen Begegnungen mit den Pferden immerhin schon mal eines von ihnen mit einer Möhre gefüttert und für ein Fotoshooting neben Frau Schröer mit der sechsjährigen Leila posiert (siehe Foto). Und ich habe viel gelernt. Ich weiß jetzt auch, warum das Pferd im NRW-Wappen steht, nämlich als Symbol für die eine Hälfte von NRW, Westfalen. „Westfalen ist Pferdeland“, hat Carsten Telahr mir gesagt. Mehr als 50 000 Pferde und annähernd 600 Reitvereine mit fast 100 000 Mitgliedern gibt es hier. Besonders viele Pferde und sehr gute Reitpferde gibt es in Warendorf, der „Stadt des Pferdes“ in der Nähe von Münster. Dort ist das NRW-Landgestüt und das Zentrum der deutschen Berufsreiter. Pferde aus Westfalen sind weltweit sehr gefragt. Im Iran, wo übrigens der Polo-Sport mit Pferden erfunden wurde, dürfen sie zurzeit nicht eingeführt werden. Das hängt mit den Wirtschaftssanktionen und deren Folgen zusammen. Die Einfuhr anderer Dinge, die für den Lebensunterhalt wesentlich sind, hat Vorrang……………………………………………………………………………………………………………Raha […]

Der Arbeitsmarkt ruft dich! Volkshochschule gibt Bewerbungstraining!

Die Bewerbung ist wie eine Eintrittskarte in ein Unternehmen. Man sendet die Bewerbung, um zu sagen: „Ich passe gut zu dem Unternehmen und ich sollte den Job erhalten.“ In Deutschland sind Zertifikate besonders wichtig. Sie sind Zeugnisse darüber, dass ein Beruf erlernt wurde.Mit dem Zertifikat, das auch Gesellenbrief oder Studienabschluss genannt wird, dokumentiert der Bewerber, dass das Wissen vorhanden ist, mit dem die Berufstätigkeit ausgeübt werden kann. Nur was ist, wenn die Zertifikate fehlen?Oder wenn der Beruf in einem anderen Land erlernt wurden, der Abschluss nicht so vorliegt, wie er in Deutschland verlangt wird? – Dann ist es noch wichtiger genau zu wissen, was man kann. „Stärken kennen – Stärken nutzen“ –Dafür muss man seine Stärken auch benennen können und begründen können, warum man diese Stärken hat. Stärken werden auch in der Freizeit, beim Hobby und in allen Lebensbereichen erworben. Wenn also der Abschluss nicht passt, dann sollten die Stärken als Zertifikat vorliegen. Damit lässt sich dann so manche Tür zu einem guten Job öffnen, die bisher verschlossen war. Mit dem Angebot KOMM – AN: Der Arbeitsmarkt ruft dich – Antworte mit deinen Stärken wird genau die Möglichkeit geboten. Durch eine Beurteilung werden die Stärken sichtbar gemacht. Die ProfilPASS Berater erstellen ein Kompetenzprofil. Und das Beste ist,das Zertifikat darüber ist sogar vom Leibnitz Institut in Kooperation mit derVolkshochschule.Der Kurs ist für zugewanderte Menschen, für Menschen, die sich beruflich verändern möchten. Bedingung: Teamarbeit!Montagabend, 09. September 2019 geht es los. Eine Anmeldung ist wichtig Kurs Nummer 10151, Beginn 18.30 Uhr in der Volkshochschule amSüdwall 4a.Beschank Mohammed und Elisabeth Schmeinck sind zertifizierte ProfilPASS Berater. Das Land unterstützt das Angebot, weil es so gut ist und deshalb nimmt die Volkshochschule auch keine Kursgebühr.Mitzubringen sind Schreibzeug und Papier. […]

Interkulturelle Wochen mit großem Programm

Am Sonntag, 1. September, beginnen die interkulturellen Wochen in Bocholt. Sie dauern bis zum 30. November. In dieser Zeit gibt es viele interessante Veranstaltungen mit Themen aus verschiedenen Kulturen. Dabei kann man Kultur auf ganz verschiedene Weise erleben, Neues kennenlernen, vielen Menschen begegnen und sich mit ihnen austauschen. Fast immer ist die Teilnahme kostenfrei.Orbis stellt das Programm für jeweils einen Monat vor und wird außerdem einzelne Veranstaltungen noch einmal ankündigen.Das Programm für September:- Juan Lopez Casanava, Vorsitzender des Integrationsrates der Stadt Bocholt, eröffnet die interkulturellen Wochen am Sonntag, 1. September, um 11 Uhr bei einem großen Sommerfest. Es findet im Stadtteil Feldmark, auf der Grünfläche am Azurit-Seniorenheim (Ecke Lowicker Straße/Wiesenstraße) statt und dauert bis 18 Uhr.Dort gibt es ein Bühnenprogramm mit Musik, Tanz und Sport, Speisen und Getränke und viele Angebote für Kinder.- Ebenfalls am 1. September, von 11 bis 18 Uhr, findet im und am Kunsthaus (Ecke Osterstraße/Alter Ostwall) der Bocholter Büchermarkt statt. Dort gibt es außer ganz vielen Büchern auch Lesungen, Musik, Speisen und Getränke.- Eine Exkursion mit dem Fahrrad zu den drei jüdischen Friedhöfen in Bocholt beginnt am 8. September um 14.30 Uhr an der Aa-Brücke bei den Arkaden, neben Café Sahne. Teilnehmer müssen sich bei der Familienbildungsstätte anmelden (02871/239480).Zu einem Sommerfest laden die Naturschutzorganisationen NABU und NAJU am Sonntag, 15. September ein. Von 11 bis 18 Uhr informieren viele Aussteller auf der Festwiese am Bocholter Aasee zu den Themen Naturschutz, Umweltschutz und Tierschutz. Es gibt vegetarische und vegane Speisen, Kaffee und Kuchen und für Kinder das Jugendumweltmobil, in dem sie forschen können, ein Bastel-Angebot und eine Hüpfburg.- Gemeinsam mit NABU und dem Integrationsrat führt die Ahmadiyya-Gemeinde am Sonntag, 15. September, von 16 bis 18 Uhr einen Charity Walk durch. Für Kinder unter zwölf Jahren und geflüchtete Menschen ist die Teilnahme kostenlos. Jeder Teilnehmer erhält ein T-Shirt und hinterher ein pakistanisches Essen. Start ist auf der Festwiese am Aasee. Ab 12 Uhr kann man sich dort anmelden.Ein großes Kinderfest zum Weltkindertag findet am Freitag, 20. September, von 15 bis 18 Uhr im St. Josef-Gymnasium (Kapu) am Hemdener Weg 19 statt. Dort gibt es unter anderem Bungee Jumping, Kreativangebote, ein Bühnenprogramm und eine Cafeteria.- Die Gospelfriends treten am Samstag, 21. September, um 12 Uhr auf dem St. Georgs-Platz auf. Sie nehmen damit am Gospelday teil, der Teil der Aktion „Gospel für eine gerechtere Welt“ ist. In ganz Deutschland werden mehrere tausend Sängerinnen und Sänger das Motto-Lied „Soon be done“ singen, das auch in Bocholt gesungen wird. Unter anderem beteiligt sich die Volkshochschule (VHS) an der Aktion. Jeder, der mitsingen möchte, kann sich bei einem Workshop am Samstag, 14. September, von 10 bis 17 Uhr in der „Jungen Uni“ am Stenerner Weg 14a darauf vorbereiten.Filme zum internationalen Tag des Flüchtlings sind am Donnerstag, 26. September, von 9.45 bis 11.15 Uhr im Berufskolleg Bocholt-West, Schwanenstraße 19-21 (Selbstlernzentrum) zu sehen. Im Dokumentarfilm „Kleinheimatfilm“ von Susanne Wüstneck erzählen geflüchtete Menschen ihre Geschichte. Er dauert 75 Minuten. Der folgende Imagefilm informiert über verschiedene Engagement-Bereiche der Flüchtlingshilfe und dauert acht Minuten. Der Eintritt ist frei.- Der Film La La Land mit Emma Stone und Ryan Gosling, mit sechs Oscars und sieben Golden Globes ausgezeichnet, wird am Freitag, 27. September, von 18 bis 21.30 Uhr in englischer Sprache im Medienzentrum am Bahnhof, Hindenburgstraße 5, gezeigt. Der Eintritt ist frei. Einlass ist ab 17.30 Uhr. Es gibt eine Einführung, Erklärungspausen und am Ende eine Diskussion. Veranstalter ist die Volkshochschule (VHS) in Kooperation mit der Stadtbibliothek.Zum gemeinsamen interkulturellen Kochen und Essen von Gerichten aus verschiedenen Ländern laden die Caritas und der Arbeitskreis Asyl am Samstag, 28. September, von 10.30 bis 15 Uhr Familien ins Kreuzbergheim (Münsterstraße/Ecke Am Kreuzberg) ein. Kosten: 5 Euro pro Familie. Anmeldung bis 23. September beim Caritasverband, Tel. 02871/25130.- „Schau mich an – Gesicht einer Flucht“ ist der Titel einer Ausstellung in der Zentrale der Stadtsparkasse Bocholt, Markt 8, am historischen Rathaus vom 30. September bis 12. Oktober. Dort sind montags bis samstags Gesichter und Geschichten von Geflüchteten zu sehen und zu lesen, auch von Deutschen, die den Zweiten Weltkrieg und die DDR erlebt haben. Am Montag, 7. Oktober, von 18.30 bis 20.30 Uhr, beleuchtet die Initiatorin der Ausstellung, Gerburgis Sommer, das Thema und berichtet über unerwartete Begebenheiten, die sich durch die Ausstellung ergeben haben. […]