NewsAuf der neuen Blumenwiese im Bocholter Norden pulsiert das Leben

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Bocholt (PID). Auf der neuen Blumenwiese im Bocholter Norden pulsiert das Leben: Hummeln und Bienen summen und brummen und farbenreiche Schmetterlinge flattern über die bunten Blüten. Die Wildblumenwiese ist nicht nur eine Augenweide und eine Bereicherung für die Natur, sie macht auch weniger Arbeit als ein herkömmlicher Rasen.

“Man muss sich nicht viel um die Blumenwiese kümmern. Zwei Mal im Jahr mähen reicht aus”, freut sich der stolze Eigentümer Hans-Ludwig Behrendt. Er hat sich das geeignete Saatgut für die Anlage dieser Fläche von gut 1.500 m² Größe als Wildblumenwiese vom Umweltreferat der Stadt Bocholt fördern lassen. Im Gegenzug hat sich Behrendt dazu verpflichtet, die Fläche mehrere Jahre nicht umzubrechen, nicht zu düngen und nicht zu spritzen, um die Artenvielfalt weiter zu erhöhen und so Bienen, Hummeln und Co Nahrung und Lebensraum zu bieten.

European Climate Adatpion Award (eca)

Im Rahmen des Modellvorhabens European Climate Adaption Award (eca), ein Qualitätsmanagement- und Zertifizierungssystemen zur Klimaanpassung in Kommunen, realisierte das städtische Umweltreferat zunächst gemeinsam mit dem Bocholter Imkerverein und der Kreisjägerschaft Borken zwei neue Bienenweideflächen. Nach diesem Startschuss wurden im Frühjahr 2017 weitere Flächen von Bocholter Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung gestellt. Die Kosten für die Saat der regional geeigneten Wildblumen hatte die Stadt Bocholt getragen. “Dass dies so möglich wurde, ist allen im Ausschuss für Umwelt und Grün vertretenen Fraktionen zu verdanken. Sie gaben Ihre Zustimmung zu der vom Umweltreferat vorgeschlagenen Materialkostenübernahme und das sogar einstimmig”, berichtet Umweltreferentin Angela Theurich begeistert. “Bei der Auswahl des Saatgutes wurde speziell auf eine heimische Saatmischung zurückgegriffen. Regional angepasste Arten wurden bevorzugt, da diese den größten ökologischen Nutzen haben”, erklärt sie.

Wildlbumen in ihrer schönsten Pracht

Nun zeigen sich die Wildblumenwiesen bei den Eheleuten Hans-Ludwig und Marlies Behrendt in ihrer schönsten Pracht. “Zunächst waren hauptsächlich Gräser zu sehen. Jetzt kommen nach und nach immer mehr Wildblumen zum Vorschein”, berichtet Behrendt. Bei nährstoffreichen Wiesen setzen sich Gräser durch. Durch regelmäßiges Abräumen der Mahd kann eine Abmagerung erreicht werden.

Die mangelnde Vielfalt in der Pflanzenwelt, die unter anderen auch durch die Klimaveränderungen beeinflusst wird, wirkt sich auf die Vielfalt der heimischen Insekten, wie Hummeln, Wildbienen, Käfern und Schmetterlingen aus. Ist die natürliche Nahrungskette unterbrochen, geht auch der Bestand an anderen Tieren, zum Beispiel Feldvögeln, dramatisch zurück. Mehr Wiesen und Gärten mit Wildblumen tragen so zum Erhalt der biologischen Vielfalt bei Pflanzen und Tieren bei, was sich wiederum positiv auf Natur und Klima auswirkt. Nicht zu vergessen, die für uns alle so wichtige Bestäubungsfunktion für Obstbäume, und Gemüsepflanzen

Modellversuch

Los ging es vor zwei Jahren: Am 10. September 2015 startete der Modellversuch unter dem etwas sperrigen Titel “eea-plus, Anpassung an den Klimawandel in Nordrhein-Westfalen”. 12 Städte nahmen teil, darunter Bocholt. “Es ging darum, klimasensitive Bereiche auf kommunalem Gebiet zu überprüfen und daraus Schlüsse über die Auswirkungen des klimatischen Wandels vor Ort zu ziehen”, erklärt Klimaschutzmanagerin Karolina Theißen vom städtischen Umweltreferat. Denn Klimaveränderungen beeinflussten auch die Artenvielfalt und die Lebensbedingungen für die Pflanzen- und Tierwelt insgesamt. Das Ausmaß der aktuell festzustellenden Abnahme der biologischen Vielfalt wird entscheidend davon abhängen, ob geeignete Verbesserungsmaßnahmen jetzt und heute realisiert werden.

Blühende Paradiese im Garten

Es braucht keine große Wiese zu sein, auch in kleinen Gärten kann schon wirksam etwas für die Artenvielfalt getan werden. Den Garten in ein blühendes Paradies verwandeln und Rasenmäher, Heckenschere und chemische Pflanzenschutzmittel in der Ecke stehen lassen, das rät Theißen. Jede/r Garten oder Balkonbesitzer/In kann aktiv helfen etwas zu tun, damit heimische Pflanzen und Lebewesen wieder einen natürlichen Lebensraum finden.