Niederländer fürchten sich vor (eingeschleppter) Masernepidemie.



Von ANTON ADELAAR

Der niederländische Gesundheitsdienst GGD in Noord- en Oost-Gelderland ist besorgt über eine mögliche Masernepidemie. In den Niederlanden sind nach Angaben der GGD bisher nur Fälle von Masern in der Provinz Noord-Brabant bekannt. Aber in der deutschen Grenzregion Nordrhein-Westfalen steigen die Fallzahlen.


„Die Frage ist nicht, ob, sondern wann diese Epidemie kommt“, sagt ein Sprecher der GGD. Laut der Weltgesundheitsorganisation liegt die erforderliche Mindestimpfquote gegen Masern bei 90 Prozent. Das bedeutet, dass mindestens neun von zehn Kindern geimpft sein müssen, um einen Ausbruch zu verhindern und Säuglinge und Menschen, die (noch) nicht geimpft werden können, zu schützen. Derzeit sind 91 Prozent der Achterhoekerinnen und Achterhoeker geimpft, wie aus der unten stehenden Tabelle hervorgeht, die von der GGD zur Verfügung gestellt wurde. Im Jahr 2017 waren es noch fast 95 Prozent.


Auch landesweit ist die Impfrate rückläufig. Im Jahr 2015 hatten noch rund 93Prozent eine solche Masernimpfung. Im vergangenen Jahr sank diese Zahl auf fast 85 Prozent, wie die Grafik zeigt. „91Prozent in der Achterhoek ist höher als der nationale Durchschnitt, aber das bedeutet nicht, dass es keinen Grund zur Sorge gibt“, erklärt der GGD-Sprecher. „Bei Masern muss eine Durchimpfungsrate von 95Prozent erreicht werden, um eine Gruppenimmunität zu erreichen und Ausbrüche zu verhindern. 91Prozent liegen also auch darunter. Als Gründe für die Nichtimpfung hören wir religiöse und anthroposophische Überzeugungen sowie Misstrauen gegenüber der Regierung und den Impfungen.“


Wie sieht es mit der Durchimpfungsrate und der Zahl der an Masern erkrankten Menschen in der Grenzregion aus? „In Deutschland sind Masern aufgrund der hohen Durchimpfungsrate relativ selten“, schreibt ein Sprecher des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen auf Nachfrage. „Seit Beginn der COVID-19-Pandemie sind die Masernraten sehr niedrig. Auch das Masernimpfgesetz (die Impfpflicht, Anm. d. Red.) hat sich seit seinem Inkrafttreten im Jahr 2020 positiv auf die Impfung von Kindern ausgewirkt.“

Das Ministerium hat Zahlen über die Zahl der an Masern erkrankten Menschen mitgeteilt. 2017 war der Höchststand, damals waren 521 Fälle bekannt. Im Jahr 2022 sank diese Zahl auf zwei. Doch seit 2023 verzeichnet das Bundesland wieder einen „leichten Anstieg“. Während im April letzten Jahres nur 15 Einwohner in Nordrhein-Westfalen an Masern erkrankt waren, sind es jetzt 26. „In 20 dieser Fälle wurde keine Impfung dokumentiert“, so das Ministerium.


Da in Deutschland eine Impfpflicht besteht, verhängte der Staat im vergangenen Jahr 2.096 Bußgelder gegen Personen, die sich oder ihre Kinder nicht impfen lassen wollten. Die Verweigerer erhielten je nach Gemeinde, in der sie leben, und je nach ihrer finanziellen Situation unterschiedliche Bußgelder. Die Beträge reichten von 100 bis 1.200 Euro, schreibt die Rheinische Post am Samstag. In einigen Fällen wurde den Verweigerern auch der Zutritt etwa zu Pflegeheimen oder Kinderbetreuungseinrichtungen untersagt. Die Impfpflicht gilt übrigens nur für Kinder, die einen Kindergarten oder eine Schule besuchen, sowie für Gesundheitspersonal und Lehrer.


Der Staatssekretär für öffentliche Gesundheit Maarten van Ooijen erklärte am Dienstagnachmittag in der Fragestunde des Unterhauses, er sei nicht für eine solche Impfpflicht. Die GGD Noord- en Oost-Gelderland hat jedoch keine Meinung dazu, ob die Impfung obligatorisch sein sollte. Er erklärt jedoch, dass er sich mit seinen Kollegen darüber berät, wie die Menschen besser über die Masernimpfung informiert werden können.

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