PREMIUM: IG Metall zweifelt erheblich an guten Absichten der Gigaset-Investoren



Von BERTHOLD BLESENKEMPER

Benjamin Pankow ist hörbar sauer. Die Geschwindigkeit, mit der der designierte neue Eigentümer des Bocholter Telefonherstellers Gigaset ein Drittel der Belegschaft entlassen will, lässt den Ersten Bevollmächtigen der IG Metall an den angeblich guten Absichten der chinesischen Investoren zweifeln. Die hätten vor allem die Möglichkeiten des deutschen Insolvenzrechtes genutzt, um sich vieler Verpflichtungen zu entledigen, meint der Gewerkschaftler im Gespräch mit unserer Onlinezeitung. Als Beispiel führt Pankow die geplante Transfergesellschaft an. Dafür stellt Gigaset laut IG Metall 180 Euro pro Person und Monat bereit. „Das ist unterirdisch. In vergleichbaren Fälle steht durchaus schon mal die achtfache Summe zur Verfügung“, so Pankow.

Der Erste Bevollmächtige findet die Entlassungen im Fall Gigaset besonders bitter, weil Teile der Betroffenen seit 20 Jahren von einer Sanierung in die nächste geschlittert sind und mit Gehaltsverzichten den Betrieb gerettet haben. Mit großer Skepsis betrachtet er auch die Aussage  des Firmenchefs Dr. Magnus Ekerot, die neuen Besitzer wollten neue Produkte in Bocholt herstellen. „Falls man das wirklich will, entlässt man nicht so viele Menschen. Wie soll das denn gehen“, meint Benjamin Pankow.

Er muss nun mit Fäusten in der Tasche abwarten, wie sich das Unternehmen in den kommenden Monaten entwickelt. „Wir können das nicht mehr beeinflussen. Denn am Ende des Insolvenzverfahrens haben die Gläubiger erfahrungsgemäß nur ein Interesse daran, dass ihre Forderungen bedient werden“, meint er.

Etwas Positives zumindest gibt es zu vermelden. Die Betriebsrenten der Gigaset-Belegschaft sind sicher. Auch wenn die Chinesen den Fond wohl nicht mehr bedienen werden, werden die Gelder ausgezahlt. Dafür garantiert der Pensions-Sicherungs-Verein (PSVaG), die deutsche Insolvenzversicherung der Betriebsrenten.

  1. So ist es, wenn man mit Leuten zu tun hat, deren Wirtschaftsweisheit von einer allmächtigen Einheitspartei (CCP) vorgegeben wird, wobei die Arbeitnehmer nur eine untergeordnete Rolle spielen.

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