MIT KOMMENTAR: Schwere Brandschutzmängel im „Glaspalast“ waren schon seit acht Jahren bekannt



Die Brandschutzmängel in der allgemein als „Glaspalast“ bekannten Verwaltungsnebenstelle an der Kaiser-Wilhelm-Straße waren schon beim Kauf des Gebäudes vor acht Jahren bekannt. „Damals wurden entsprechende Rückstellungen gebildet. Aber man hat in der Folge nichts gemacht“, berichtete gestern Stadtbaurat Daniel Zöhler im Ausschuss für Gebäudewirtschaft. Die Politik wies umgehend jede Schuld von sich. „Wir haben von diesen Begleitumständen nichts gewusst“, meinte Ausschussvorsitzender Johannes Dyhringer (CDU).

Wie berichtet, hatte die Stadt das jetzige Jugendamt für 3,2 Millionen Euro erworben. Schon damals lag kein Brandschutzkonzept vor. Laut Bürgermeister Thomas Kerkhoff befand sich das Gebäude damit in einem Zustand, in dem die tatsächliche Nutzung und die baurechtliche Genehmigung nicht übereinpassten. Dennoch kaufte man – und tat nichts.

In den Sitzungsunterlagen von damals stehe leider nichts von diesem Umstand, ergänzte Stadtbaurat Zöhler. Es finde sich im Haushaltsplan allerdings ein Hinweis auf eine 170.000 Euro teure, notwendige Ertüchtigung, ergänzte er.

Aus dieser Summe sind bis heute fast 1,3 Millionen Euro geworden. Die Sprinkleranlage kann inzwischen nicht mehr instandgesetzt, sondern muss komplett erneuert werden. Zudem muss dafür ein neuer Tankraum geschaffen werden. Weiter muss die Brandmeldeanlage erweitert und saniert sowie einen Blitzschutzanlage installiert werden. Der Ausschuss gab die Mittel einstimmig frei.

KOMMENTAR

Von BERTHOLD BLESENKEMPER

Es wird immer schlimmer. Dass die Stadt ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ganz offenbar über Jahre zugemutet hat, in einem brandschutztechisch nicht genehmigten Gebäude zu arbeiten, ist unfassbar. Zum Glück ist nichts passiert. Was allerdings für immer bleibt, ist der nachhaltige Imageschaden. Ganz offensichtlich gab es in Bocholt zwei Welten – eine für Unternehmen und Privatleute, die von der Verwaltung genauestens kontrolliert wurden und eine, in der die Verwaltung für sich selbst andere Maßstäbe anlegte und über all diese strikte Maßgaben regelmäßig hinwegsah. Natürlich bleibt das – wie immer – verwaltungsintern ohne jede Konsequenzen. Denn man hat ja jemand, der das alles bezahlt. Und das sind natürlich mehrheitlich die, die auf der anderen Seite dieser völlig verquerten Gedankenwelt sitzen.

  1. UndIchSoHää? says:

    Von der Firma Duvenbeck erworben?! Ist die Recherche hier korrekt? Meines Wissens nach hatte Duvenbeck die Immobilie damals nur gemietet und der Vermieter müsste der alte Besitzer der Modebude gewesen sein, die davor in den Räumlichkeiten ansässig war. Bitte mal überprüfen!

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