Serie 36,5 Grad: Hans-Jürgen Dickmann – Begegnung in Afrika

Serie 36,5 Grad: Hans-Jürgen Dickmann – Begegnung in Afrika
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Von BERTHOLD BLESENKEMPER (Text und Foto)

Es begann diesseits von Afrika. Hans-Jürgen Dickmann bekam Weihnachten ein Buch geschenkt. „Mandela: Mein Gefangener, mein Freund“ erzählte die berührende Geschichte einer außergewöhnlichen Beziehung zwischen dem wohl berühmtesten politischen Gefangenen der Welt und seinem Gefängniswärter Christo Brand. Weil der Bocholter die fesselnde Erzählung nicht zu Ende lesen konnte, nahm er sie Ende Januar mit in den Urlaub. Und wie der Zufall so will: Dort in Kapstadt traf er prompt Christo Brand, den Autor, der Nelson Mandela so lange beaufsichtigt hatte und dessen Buch Dickmann in Händen hielt. Man kam ins Gespräch, traf sich später noch einmal zum Abendessen und tauschte sich aus. „Sehr beeindruckend“, berichtet Dickmann.

Die Geschichte hinter der Geschichte ist bekannt. Sie handelt von Nelson Mandela, dem Sohn eines schwarzen Stammesführers und Kämpfer gegen die Rassentrennung in Südafrika. Ihm gegenüber steht Christo Brand, ein einfacher weißer Bauernsohn aus der Provinz. Die beiden so unterschiedlichen Menschen begegnen sich im Gefängnis auf Robben Island. Mandela ist lebenslänglich inhaftierter Freiheitskämpfer, Brand ein – als Alternative zum Wehrdienst – vom Staat rekrutierter Aufseher. Und dann geschieht das Ungewöhnliche. Zwischem dem 60-jährigen Gefangenen und dem 19-jährigen Wärter entwickelt sich eine außergewöhnliche Freundschaft.

Brand verschafft Mandela immer wieder ein paar kleine, gegen die Vorschriften verstoßende Vorteile. Einmal bringt er ihm und anderen Inhaftieren des ANC zu Weihnachten einen von seiner Frau gebackenen Rosinenkuchen mit. Ein anderes Mal verlängert er eigenmächtig die Besuchzeiten von Verwandten oder ermöglicht Gespräche mit anderen Gefangenen. Im Gegenzug betrachtet der junge Wärter den Widerstandskämpfer mit der Zeit als eine Art väterlichen Freund. Diese Verbindung halten beide Männer selbst nach Mandelas Freilassung aufrecht.

Christo Brand berichtet in seinen von der Journalistin Barbara Jones erzählten Buch davon. Und Hans-Jürgen Dickmann war von Beginn an gefesselt. „Diese immer wieder auftauchenden Beispiele von zivilem Ungehorsam haben mich stark beeindruckt“, meint der 65-Jährige. Als so genannter Alt-68er, der früher gegen die Eltern-Generation revoltierte, ist ihm solches Aufbegehren nicht fremd. Vielleicht war es das, was beim ersten Aufeindertreffen des Lesers mit dem Autorem eine Art Brücke schlug.

Dickmann war zuvor mit seiner Frau Susanne sowie seiner Schwägerin und seinem Schwager nach Südfarika gereist. Dort wurde das Quartett von der Ex-Bocholterin Anne Möllmann und ihrem Mann Manfred durchs Land geführt. Anne Möllmann kannte als professionelle Reiseführerin Christo Brand von ihren Ausflügen nach Robben Island, wo der ehemalige Gefängniswärter heute Touristen ein Stück Weltgeschichte hautnah vermittelt. Sie war es auch, die per Telefon einen ersten, zunächst nur rund 15-minütigen Kontakt in Kapstadt herstellte. Christo Brand signierte brav das Buch Dickmanns. Man plauderte – und schon schien alles vorbei.

Umso überraschter waren die Bocholter, als Estelle Brand, die Frau des Südfarikaners, am nächsten Tag anrief und ein neuerliches Treffen vorschlug. Ihrem Mann habe die Visite tags zuvor sehr bemerkenswert gefunden, berichtetet sie. Man verabredete sich erneut – diesmal zum Abendessen – und plauderte bei Spaghetti Bolognese, Salat und südfarikanischem Rotwein über Gott und die Welt. „Ich war überrascht, wie einfach, zuvorkommend, ja normal das Ehepaar war“, erklärt Hans-Jürgen Dickmann. Man verabschiedete sich mit einer Zusage. „Wenn Christo Brand mal wieder zu einer Lesung oder einem TV-Interview in die Nähe von Deutschland kommt, ist er bei uns zu Hause in Bocholt eingeladen“, erklärt Hans-Jürgen Dickmann. Versprochen!

Lesen Sie diesen Bericht auch im Bocholter Stadtmagazin PAN