Serie 36,5 Grad: Klaus und Christa Hoffs – Die Intendanten

ArabicChinese (Simplified)DutchEnglishFrenchGermanItalianSpanishTurkish

Von BERTHOLD BLESENKEMPER (Text) und und MICHAEL DEUTZ (Foto)

Die einen nennen sie Theater ohne Heimat, andere das nicht nur dem Namen nach schärfste Kleinkunstprogramm der Welt: Seit fast 20 Jahren bereichert die Bühne Pepperoni die Kulturlandschaft Bocholts. Gleichzeitig hat sie den Namen der Stadt weit über deren Grenzen hinaus bekannt gemacht. Künstler wie Dieter Hildebrandt, Jürgen van der Lippe, Dieter Nuhr, Jürgen Becker, Alfred Biolek, Volker Pispers oder Urban Priol haben auf ihren Brettern gespielt. Mittendrin und nie nur dabei die Gründer und Intendanten Klaus und Christa Hoffs. Für das Ehepaar ist Pepperoni ein Lebenswerk.

Klaus Hoffs winkt ab. Von solchen Begriffen will er nichts wissen. Und doch freut er sich still. Man erkennt es an dem kleinen Blitzen im äußersten Augenwinkel. Aber nur ganz kurz. Dann grummelt der 74-Jährige in gewohnter Manier weiter. Ehefrau Christa hält sich im Hintergrund. Und doch ist sie immer präsent. Die Bocholterin wählt das Programm mit aus, organisiert, telefoniert und ist nicht zuletzt die gute Seele, wenn es darum geht, die Künstlerinnen und Künstler am Auftrittsabend mit selbst Gekochtem zu Verwöhnen. „Endlich mal keine Mettwürstchen“, soll Comedy-Start Guido Cantz bei seinem Pepperoni-Engagement dazu begeistert ausgerufen haben.

Gerade der persönliche Kontakt zwischen den Machern und ihren Schützlingen ist es, was die Bühne ausmacht. „Wir sehen und jeden Künstler vorher persönlich an“, erklärt Klaus Hoffs. Na ja, fast jeden. Ein einziges Mal haben die beiden eine Ausnahme gemacht und den Vertrag sozusagen blind unterschrieben. „Es war eine Katastrophe“, bilanziert Christa Hoffs und deckt den Mantel des Schweigens über die weiteren Details dieses Gastspiels.

Welche Bedeutung Pepperoni in der Zwischenzeit erreicht hat, zeigt der vom Ehepaar Hoffs 2003 ins Leben gerufene, alle zwei Jahre vergebene nordrhein-westfälische Kleinkunstpreis. Volker Pispers war seinerzeit der erste Gewinner. Unter anderem Urban Priol, Dieter Nuhr und Dieter Hildebrandt folgten ihm. Am 6. Oktober 2018 wird Sebastian Pufpaff damit ausgezeichnet. Die Laudatio hält der Preisträger von 2016, Christian Ehring. Allein diese Namen lesen  sich wie das who is who des deutschen Kabaretts.

Klaus Hoffs führt den Erfolg seiner Bühne auf Hartnäckigkeit zurück. Es könnte aber auch an der Kompromisslosigkeit der beiden liegen. Denn wenn es um ihre Pepperoni geht, weicht das Ehepaar auch einem offenen Streit nicht aus. Stadtmarketingchef Ludger Dieckhues weiß davon ein Weihnachtslied zu singen.

Auch wenn sie schon viel erreicht haben, ein Wunsch bleibt für Klaus und Christa Hoffs offen. Beiden träumen nach dem vergleichsweise einfachen Beginn im Barloer Saal Wissing-Flinzenberg, nach Intermezzos in der Aula das Kapu und nicht immer optimalen Gastspielen im TextilWerk von einer ihrem hochprofessionellem Programm würdigen Spielstätte. Modern sollte sie sein, mit toller Akustik und einem Saal, der es erlaubt, auch die ganz Großen der Branche nach Bocholt zu holen. „Manche treten nun mal prinzipiell nicht in Sälen unter 1000 Zuschauern auf“, so der Intendant.

Ein Grund mehr für Klaus und Christa Hoff, sich von der ersten Sekunde an in der Bürgerstiftung Bocholt und damit für den Erhalt und Ausbau des Schützenhauses zu engagieren. Ein Stadt mit mehr als 70.000 Einwohner brauche solch ein Projekt, sind sich die beiden sicher. Nur mit einem im wahrsten Sinne des Wortes anziehenden kulturellen Zentrum könne der Anspruch erhalten und die weichen Standortfaktoren des wirtschaftlichen Mittelzentrums gestärkt werden. „Wir müssen einfach was tun“, meint Klaus Hoffs. Fast klingt es wie ein Vermächtnis.

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

×

Hallo!

wir senden Ihnen täglich ab 19 Uhr eine Schlagzeilenübersicht per WhatsApp. Dazu müssen Sie lediglich eine WhatsApp mit dem Begriff "START" an Berthold Blesenkemper (unten klicken) schicken. Wenn Sie keine Nachricht mehr erhalten möchten, senden Sie einfach STOPP.  Oder nutzen Sie unseren ausführlichen NEWSLETTER "Der #Tag in Bocholt", der jeden Morgen um 7 Uhr per E-Mail versendet wird.

× Schlagzeilen per WhatsApp