Stadtgeschichte: Das Stadtbad an der Franzstraße

Stadtgeschichte: Das Stadtbad an der Franzstraße
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Bocholt (PID). Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert gab es immer wieder Versuche, eine offene saisonale Badeanstalt an der Bocholter Aa herzustellen. Von Seiten des Stadtrates wurden in der Folgezeit verschiedentlich Fonds zum Bau eines Volksbades angelegt und Kommissionen gebildet, die sich mit der Erbauung eines öffentlichen Stadtbades befassen sollten.
Das Projekt scheiterte aber zumeist aus finanziellen Gründen, und während bzw. nach dem Ersten Weltkrieg war an eine Verwirklichung schon gar nicht zu denken. Zwischenzeitlich nutzten die Bürger aber auch private Badeanstalten, wie diejenige von Theodor Wietholt, die er zu Pfingsten 1900 eröffnet hatte und die man gegen Aufnahme eines Abonnements nutzen konnte.
Stadtbad am städtischen Lagerhof
In ihrer Sitzung vom 15. Dezember 1927 beschloss der Rat der Stadt Bocholt die Errichtung eines von der Stadtverwaltung projektierten Stadtbades am städtischen Lagerhof. Die Kosten wurden mit 70.000 Mark veranschlagt. Eine derartige Einrichtung war äußerst wünschenswert und daher in den vorausgegangenen Jahren immer wieder gefordert worden. “Gibt es wohl eine Stadt von ca. 25.000 Einwohnern im deutschen Reiche, die […] keine Bade- und Schwimmanstalt für Frauen und Männer besitzt, außer Bocholt?” – fragte ein Bürger in einem Leserbrief der Lokalpresse schon am 31. Juli 1907.
Eröffnung im Jahr 1929
Wenn aber von der städtischen Badeanstalt am Lagerhof die Rede ist, hatte diese nichts mit Schwimmen, Freizeit und Erholung zu tun, sondern es ging hier vordergründig um Sauberkeit, Hygiene und Körperpflege. Das neue Stadtbad wurde am 14. Januar 1929 in einem vorhandenen, jedoch umgestalteten Gebäude des Lagerhofes zwischen Franz- und Industriestraße eröffnet.
Betrat man das Badehaus, so gelangte man zunächst an den offenen Kassenbereich mit einem Nebenraum für Wäsche. Die Besucher gingen sodann durch den Hauptflur in die Abteilung mit den Brausebädern und Toilettenanlagen, und zwar getrennt für Männer und Frauen. Wer den Hauptkorridor passiert hatte, betrat den Durchgang zu den Wannenbädern. Ein Wartezimmer nahm die Gäste bei größerem Andrang auf. Zur technischen Ausstattung gehörten eine Dampfheizung, eine Warmluftheizung zur Entnebelung, Apparate zur Warmwasseraufbereitung, ein Kesselhaus sowie Speicherbehälter für Kalt- und Warmwasser.
Im Ganzen gab es 27 Einzelbrausen und zwei Wannenbäder erster sowie sechs zweiter Klasse in jeweils abschließbaren Einzelzellen in Verbindung mit einem Umkleideraum. Die Badeanstalt öffnete täglich – außer an Sonn- und Feiertagen – ihre Pforten.
Geschlossen im Jahr 1976
Die neue Einrichtung wurde von Anfang an rege angenommen. 1949 zählte man gar 58.450 Bäder. Danach ging aber die Zahl der Badegäste sukzessive zurück, weil im Zuge des Wiederaufbaues nach dem Krieg die Wohnungen zumeist eigene Badezimmer erhielten. Da es sich am Ende nicht mehr rentierte, schloss die Verwaltung das Stadtbad zum 25. September 1976. Das Gebäude selbst wurde Anfang der neunziger Jahre niedergelegt.
Foto: Stadtarchiv Bocholt, Text: Wolfgang Tembrink