Umfrage-Schock für den Handel – Nörgens bäter as in Winterswijk!

Umfrage-Schock für den Handel – Nörgens bäter as in Winterswijk!
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Von BERTHOLD BLESENKEMPER

Das saß. Laut einer im Rahmen des Einzelhandelsgutachtens durchgeführten Haushaltsbefragung in Bocholt besuchen 15,3 Prozent der Einwohner am liebsten die Innenstadt von Winterswijk. Die Bocholter City hingegen landet mit 12,5 Prozent der Stimmen nur noch auf Platz zwei. Hauptgrund für dieses niederschmetternde Ergebnis ist der attraktivere Wochenmarkt jenseits der Grenze. Er erhält doppelt so gute Werte wie der an Aa. Diese Ergebnisse legten jetzt das Büro Stadt + Handel sowie Neufeld Standortentwicklung bei der Vorstellung des Flächenmanagements 2.0 im Kolpinghaus vor. Gleichzeitig präsentierten die Experten Zukunftsstrategien, die zuvor nach 40 Experteninterviews in drei Workshops von Beteiligten aus der City erarbeitet worden waren. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Denn erstmals seit langem wurden Konzepte konsequent aus Kundensicht entwickelt: ein attraktiverer Markt, kostenlose Parkplätze, mehr Gastronomie – das sind nur einige der Punkte, die die Wende bringen können.

Spätestens seit der Schließung von Sinn-Leffers und Karstadt/Hertie ist die Bocholter Innenstadt offenbar nicht mehr so attraktiv wie früher. Die Folge sind spürbare Frequenzrückgänge und das deutliche Absinken der Zentralitätskennziffern. Hinzu kommt, dass Nachbarstädte wie Wesel, Kleve, Borken und Winterswijk aufge- und teilweise überholt haben. Vor allem die Niederländer wurden dabei von Fachmann Edgar Neufeld immer wieder lobend erwähnt.

Fazit: Es ist 5 vor 12, aber noch nicht zu spät. Und so machte der Projektentwickler den Händlern und Gastronomen immer wieder Mut. Wenn man die City, KuBAaI und den Aa-See betrachte, habe man eine Kette von Perlen, die man zeige müsse, so seine Empfehlung. Außerdem empfehlen die Teilnehmer der Workshops eine einfachere und bessere Kundeninformation und die Auflösung von Vierteln, Straßengemeinschaften und Interessengruppen zugunsten einer Neuordnung innerhalb des Ringes. Demnach soll es nur noch die Altstadt (nördlich der Aa), die Neustadt (südlich der Aa) sowie das Ravardiviertel als Kneipen- und Gastronomiezentrum geben.

Ein echter Frequenzbringer soll wieder der Wochenmarkt werden. Er könnte vor dem Historischen Rathaus und rund um die St.-Georg-Kirche angesiedelt werden. Das würde gleichzeitig den Gasthausplatz frei machen für ein Erlebnis- und Gastronomiekonzept. Wichtig sei, das Angebot des Wochenmarktes auszubauen und vor allem seine Öffnungszeiten zu verlängern. Damit könnten die Zeiten enden, in denen in Bocholt samstags um 13 Uhr die Besucher mit einem städtischen Kehrwagen förmlich aus der Stadt hinausgefegt werden. Auf rund 5 Millionen Euro zusätzlichen Umsatz in der Stadt jährlich beziffern Experten das Potenzial eines attraktiveren Marktes in Bocholt.

Auch individuelle Gastronomie kann Besucher anlocken. Aber die Stadt macht es Interessenten offenbar zu schwer. 12.500 Euro für die Ablösung eines Stellplatzes müssten überdacht werden, formulierte es Edgar Neufeld vorsichtig und ergänzte: „Im Bermudadreieck in Bochum bezahlen wir dafür nur niedrige vierstellige Beträge.“

Stadtmarketingchef Ludger Dieckhues verglich die Situation in seinem Abschlussstatement mit der Lage der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der WM in Russland. „Gut, wir haben ein Spiel verloren. Aber noch ist alles drin“. Zumindest der gemeinsame Wille ist in Bocholt vorhanden. Und jetzt hat die City außerdem ein tragfähiges Konzept. Die im Kolpinghaus vorgestellten Pläne waren kundenorientiert, nachvollziehbar und motivierend.  Ein hervorragender Anfang.