Verkehrte Welt am Berliner Platz: Still ruht die Rathausbaustelle



Von BERTHOLD BLESENKEMPER
Verkehrte Welt am Berliner Platz in Bocholt. Mitten in der millionenteuren, inzwischen geschätzt acht Jahre dauernden Sanierung des Rathauses wird die Baustelle größtenteils zurückgebaut. Der Kran ist schon weg. Seit heute verschwindet auch der Bretterzaun. Die Bürocontainer sollen folgen. Grund: In den eineinhalb Jahren seit Einrichtung der Baustelle ist dort so gut wie nichts geschehen. Und daran wir sich vorerst auch nichts ändern. Denn die Stadt muss erst einmal eine neuen Architekten finden. Deshalb ist es für sie günstiger, die teuren Anlagen vorübergehend an die Leihfirmen zurückzugeben.

Damit nicht genug; Jetzt muss auch noch die Projektleiter-Stelle neu ausgeschrieben werden. Das wurde heute im Ausschuss für Gebäudewirtschaft bekannt. Das Gesetz schreibe die Vertragsauflösung mit dem bisherigen Auftragnehmer vor, da sich das Nachtragsvolumen derartig erhöht hat, dass einer Weiterführung der Zusammenarbeit „nicht mehr verhältnismäßig“ sei, hieß es. Dem Projektleiter wird also gekündigt. Ihm steht im Gegenzug eine  Abfindung zu. „Kann die denn dann wenigstens verrechnet werden, wenn er sich erneut bewirbt und später den Auftrag wiederbekommt“, fragte der Ausschussvorsitzende Johannes Dyhringer (CDU). „Leider nein“, erwiderte GWB-Chefin Tina Miraglia.

Des einen Leid, de andere Freud’. Durch die Stilllegung der Baustelle und die Rücknahme des Bauzaunes stehen demnächst wieder zusätzliche Parkplätze zur Verfügung. Außerdem ist mehr Platz für die traditionelle Herbstkirmes – vorausgesetzt, die Arbeiten für die geothermischen Anlagen ziehen sich nicht in die Länge. 60 bis zu 120 Meter tiefe Löcher sollen ab Mai in den Berliner Platz gebohrt werden. Ende September muss alles fertig sein. „Im Sommer sind ja auch nicht so viel Ausfälle durch Frost zu erwarten“, zeigte sich Stadtbaurat Daniel Zöhler zuversichtlich, dass der Zeitplan zumindest in dieser Hinsicht eingehalten wird.

Und wie geht es weiter mit der Rathaussanierung? Bis Ende Juni können jetzt Architekten ihre Angebote abgeben. Danach muss beraten und entschieden werden. Vor Herbst wird ein neuer Vertrag wohl nicht zustande kommen. Geht man anschließend von einer dreimonatigen Einarbeitungszeit aus, ist in diesem Jahr voraussichtlich nicht mehr mit einer Ausschreibung der notwendigen Bauarbeiten zu rechnen.

Inwieweit die Verzögerungen, der Rückau und spätere Neueinrichtung der Baustelle sowie die zusätzlichen Vergaben dis bisher auf  80 Millionen Euro taxierte Rathaussanierung zusätzlich verteuern werden, wurde heute im Ausschuss für Gebäudewirtschaft nicht erläutert. Und die Politik fragte auch gar nicht erst nach.

  1. Elfriede Volkertz says:

    ich bin sehr unerfahren in solchen Dingen, aber was wäre wenn man den Bau abgerissen hätte um ein neues Rathaus zu bauen????
    Würde das dann auch so viel Geld verschlingen??

  2. Und das alles, damit die Rathaussanierung bis Ende 2025 fertig wird Denn genau das war ja der Punkt für die Kündigung. Wir sollten Bocholt in Schilda umbenennen, aber was kümmert es unseren Bürgermeister. Er wird bis zur Fertigstellung nicht mehr in Bocholt sein, hoffentlich.

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