Vom Küchentisch auf die Wahlliste | Betsy und Marijn Wormgoor in Berkelland

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Politische Parteien setzen alles daran, junge Menschen für die Politik zu begeistern. In manchen Familien funktioniert das so gut, dass die eigenen vier Wände selbst zum politischen Debattierforum werden. So ist es längst keine Seltenheit mehr, dass Eltern und ihre Kinder gemeinsam auf den Kandidatenlisten der Kommunalwahlen in der Achterhoek stehen. Ein aktuelles Beispiel dafür sind Betsy und Marijn Wormgoor, die gemeinsam für Bündnis GroenLinks-PvdA in Berkelland kandidieren.

Betsy freut sich darüber, mit ihrem Sohn gemeinsam politisch aktiv zu sein: Das mache sie stolz. Insbesondere, weil Marijn sich Gedanken über politische Entwicklungen macht und sich nicht nur einer Partei anschließt, sondern auch bereit ist, im eigenen Wohnort Verantwortung zu übernehmen.

Für Marijn haben die gemeinsamen Aktivitäten mit seiner Mutter vor allem einen positiven, fast schon familiären Charakter. Zu Hause wird gemeinsam überlegt, welche Fragen bei anstehenden Jugenddebatten auftauchen könnten, welche Meinungen jeweils vertreten werden und wie man darauf reagieren könnte.

Schon immer ist Politik für die Familie Teil des Alltags gewesen, berichtet Betsy. Oft sei sie abends wegen politischer Termine außer Haus, was für ihre Kinder nicht immer leicht gewesen sei. Dennoch habe sie ihren Kindern vermitteln können, dass gesellschaftliches Engagement von Bedeutung ist – ob dieses nun in der Politik stattfindet oder auf andere Weise.

Auch Marijn ist mit Politik groß geworden. Seit er denken kann, erlebt er seine Mutter als politisch engagiert. So sei ihm früh klar geworden, wie wichtig ein gerechtes Miteinander, Chancengleichheit und Vielfalt sind – unabhängig von Herkunft oder Hautfarbe.

Als Betsy von Marijns Kandidatur erfuhr, musste sie nicht lange überlegen. Die Entscheidung fiel ihr leicht, zumal der Zeitpunkt ideal war: Marijn hatte gerade die Volljährigkeit erreicht, als sich GroenLinks-PvdA an die Erstellung der Liste machte. Sie hatte ihn gefragt, aber bei der Entscheidung nicht drängen müssen. Marijn bestätigt lächelnd: Seine Mutter habe ihn gefragt, und er habe direkt zugesagt. Besonders begeistert ist er darüber, als jüngster Kandidat auf der Liste zu stehen.

Die Zusammenarbeit als Familie interpretieren beide als Vorteil – nicht als Hindernis. Betsy bringt politische Erfahrung mit ein, während Marijn eine frische, jugendliche Perspektive vertritt und sich mit aktuellen Themen der jungen Generation identifizieren kann. Für ihn ist der Unterschied zwischen Privatem und Politischem ohnehin gering, da beides im Alltag miteinander verflochten sei.

Wenn es um politische Diskussionen geht, nimmt Marijn das Ganze mit Humor. Angeblich dokumentiert er auf der Kühlschranktür den Stand der familiären Debatten. Doch oftmals löschen seine jüngeren Schwestern die Striche wieder heimlich, sodass niemand am Ende mehr weiß, wie der Punktestand eigentlich ist. Betsy misst der Frage, wer die besseren Argumente liefert, ohnehin keine große Bedeutung bei: Für sie steht im Vordergrund, dass viele verschiedene Sichtweisen und Argumente ausgetauscht werden.

Konflikte oder Spannungen über Wahlkampfstrategien gibt es kaum. Auch Meinungsverschiedenheiten werden vor allem konstruktiv ausgetragen. Gerade der Austausch darüber, wie Kampagnen auf die Jugend wirken könnten, sorgt regelmäßig für interessante Diskussionen.

Wettbewerb oder Konkurrenzdenken um Listenplatz oder Vorzugsstimmen spielen in dieser Familie keine Rolle. Betsy gönnt Marijn eine erfolgreiche Kandidatur von Herzen, zumal er in Neede verwurzelt und lokal bekannt ist. Besonders schön fände sie es, wenn junge Erstwähler eine vertraute Person auf dem Stimmzettel entdecken würden. Marijn sieht die Position in der Rangfolge entspannt: Die Spitzenposition werde er ohnehin nie einnehmen, sagt er augenzwinkernd.

Fiele die Stimmenanzahl tatsächlich einmal zugunsten des Nachwuchses aus, wäre das laut Betsy nur erfreulich. Es spräche dafür, dass Marijn insbesondere viele junge Menschen erreicht habe.

Auf die Frage, wie frei die Wahl der Partei innerhalb der Familie ist, antwortet Betsy entschieden: Jeder müsse seinen eigenen Weg gehen und sich eine eigene politische Meinung bilden. Sollte Marijn eines Tages aus Überzeugung für eine andere Partei antreten wollen, stünde sie dem offen gegenüber. Marijn sieht das ähnlich, wüsste aber, dass er sich im Falle eines politischen Richtungswechsels zu Hause erklären müsste. Eine Meinung zu vertreten, so hat er gelernt, braucht stets eine gute Begründung.

Auch Eifersucht rund um die öffentliche Wahrnehmung oder den Listenplatz spielt in der Familie keine Rolle. Marijn nimmt es gelassen hin, wenn für den Wahlkampf das Poster seiner Mutter sein Schlafzimmerfenster verdunkelt. Vielmehr ist er gespannt darauf, wie viele Stimmen letztlich auf ihn entfallen werden.

Abschließend erklärt Betsy, dass das gemeinsame politische Engagement zwar schön sei, aber nicht das Wichtigste. Kinder orientieren sich häufig an ihren Eltern und übernehmen manchmal auch deren Interessen – das sei nichts Ungewöhnliches. Sie spricht aus eigener Erfahrung, schließlich war auch ihr Vater lange Zeit im Gemeinderat von Neede und Berkelland aktiv, und sie standen bereits gemeinsam auf einer Liste. Sie betont die Bedeutung der Demokratie und hofft, dass ihr Engagement andere Menschen dazu motiviert, sich ebenfalls politisch einzubringen, denn dieses Engagement sei nach wie vor dringend erforderlich

Quelle: Regio8

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