Vom Küchentisch zur Wahlliste | Onno und Thomas van de Groep in Oude IJsselstreek

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Politische Parteien setzen zahlreiche Maßnahmen ein, um junge Menschen stärker für politische Themen zu begeistern. In manchen Familien zahlt sich dieses Engagement bereits aus: Diskussionen über gesellschaftliche Fragen beginnen dort oft schon am heimischen Küchentisch. In der Region Achterhoek treten deshalb auf einigen Wahllisten Eltern gemeinsam mit ihren Kindern an. Ein Gespräch mit Onno und Thomas van de Groep, die sich gemeinsam für die Liste von GroenLinks-PvdA in der Gemeinde Oude IJsselstreek engagieren, gewährt interessante Einblicke in das politische Familienleben.

Onno beschreibt es als große Freude, gemeinsam mit seinem Sohn kandidieren zu können. Besonders stolz sei er darauf, gesellschaftliches Engagement an die nächste Generation weitergegeben zu haben, und nun die Früchte dieser Erziehung zu sehen. Thomas empfindet die gemeinsame politische Aktivität als „echtes Geschenk“. Nicht nur die Ideen, auch der Spaß am Haustürwahlkampf und die gemeinsamen Erlebnisse, etwa bei Debatten, schweißen die beiden zusammen. Thomas betont, wie sehr er noch von der Erfahrung seines Vaters profitieren kann – diese macht ihm das Lernen in politischer Hinsicht deutlich leichter.

Die politische Prägung innerhalb der Familie entwickelte sich bei Onno und Thomas insbesondere durch intensive Gespräche über aktuelle gesellschaftliche Themen. Statt bloßer Vorgaben war stets das gemeinsame Nachdenken gefragt, Meinungen wurden argumentativ hinterfragt und entwickelt. Thomas erinnert sich: Sein Vater habe ihn nie belehrt, wie er abstimmen solle, sondern vielmehr gelehrt, zuzuhören und Politik als Gestaltungsspielraum zu begreifen – weniger als Kampfplatz. Auch wenn Thomas sich selbst als kämpferischer sieht, ergänzt sich das, wie er findet, sehr gut mit der Gelassenheit und Besonnenheit seines Vaters.

Als Thomas sich entschloss, politisch aktiv zu werden, überwog auf beiden Seiten die Freude. Stolz beschreibt Onno seine Gefühle, das Ergebnis einer gelungenen Erziehung zu beobachten. Für Thomas war keine große Geste nötig – ein Lächeln reichte und zeigte die gemeinsame Verbundenheit, die über die Freiwilligkeit politischer Teilhabe hinausgeht.

Die Zusammenarbeit innerhalb der Familie empfinden Vater und Sohn als bereichernd. Onno hebt vor allem die Dynamik und den souveränen Umgang seines Sohnes mit sozialen Medien hervor, was seiner Ansicht nach einen echten Mehrwert darstellt. Obwohl private und politische Themen manchmal ineinander übergehen, empfinden sie das eher als bereichernd. Streit gibt es nicht – Meinungsverschiedenheiten oder intensive Diskussionen bleiben stets sachlich, wobei beide Parteien viel voneinander lernen.

Auf die Frage, ob einer der beiden in Debatten häufiger überzeugt, antwortet Onno, dass es nicht ums Gewinnen, sondern um Nuancen und den respektvollen Austausch gehe. Thomas pflichtet ihm bei: Es gehe weniger um einen Zählstand, vielmehr bringe jeder unterschiedliche Qualitäten ein – und meist entstehe daraus eine stärkere gemeinsame Lösung, als wenn beide auf ihrer Position beharrten.

Konflikte um Strategien, Wahlkampfführung oder Wahlempfehlungen treten nicht auf. Wenn es mal Unsicherheit gibt, schätzen die beiden, dass sie sich gegenseitig zuhören und gemeinsam zur besten Lösung finden. Während Onno grundsätzlich Geduld rät, drängt Thomas manchmal auf mehr Tempo – auch das bringt ihrer Meinung nach die Balance.

Konkurrenzempfinden im Hinblick auf Listenplätze oder persönliche Wahlergebnisse gibt es bei den van de Groeps nicht. Onno betont sogar, dass seine Stimme sicher an Thomas gehe und er gerne die junge Generation unterstütze. Thomas sieht das genauso locker: Sehr früh habe er immerhin eine wichtige Vorzugsstimme gewonnen – aber das Team stehe immer vor individuellen Erfolgen.

Selbst wenn Thomas einmal mehr Stimmen bekäme, wäre das für beide kein Problem. Onno sieht das gelassen und verweist auf das größere Netzwerk seines Sohnes, was für die Partei letztlich nur von Vorteil sei. Thomas pflichtet bei: Sie definierten Erfolg nicht über die Rangfolge, sondern darüber, was sie gemeinsam erreichen können.

Beide fühlen sich völlig frei in ihren politischen Entscheidungen. Onno betont, dass seine Kinder wählen können, wen sie möchten – wichtig sei nur, eine klare Vision für die Gemeinde zu haben. Thomas sieht seine Entscheidung für die gemeinsame Partei nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als Ergebnis geteilter Werte und einer Erziehung, die Eigenverantwortung betont.

Eifersucht wegen öffentlicher Aufmerksamkeit oder Platzierung auf der Wahlliste gibt es bei Onno und Thomas nicht. Onno hätte seinem Sohn sogar eine bessere Position gewünscht und sieht sich selbst in einer unterstützenden Rolle. Für Thomas zählt am Ende nur das Engagement, nicht die Sichtbarkeit.

Am Ende betont Onno, wie schön es ist, sein eigenes Kind sowohl auf sozialer als auch auf gesellschaftlicher Ebene so aktiv zu erleben. Für Thomas schafft diese Zusammenarbeit eine zusätzliche Dimension in ihrer Beziehung: Neben gemeinsamen Familienerinnerungen teilen sie nun auch das politische Engagement. Unterschiedliche Sichtweisen oder Arbeitsweisen sehen sie dabei nicht als Hindernis – am Ende finden sie immer einen gemeinsamen Nenner, was ihrer Meinung nach das Schönste an der gemeinsamen politischen Arbeit ist

Quelle: Regio8

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