VSR-Gewässerschutz: Nitratbelastung trotz Verbesserungen immer noch zu hoch

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Der gemeinnützige VSR-Gewässerschutz hat erstmals die Nitratbelastung in Gartenbrunnen des Kreises Borken über den Zeitraum von 1996 bis 2025 ausgewertet. Obwohl sich die Werte zwischen 45,3 Prozent (1996–2000) und 23,7 Prozent (2021–2025) der Brunnen mit Nitratkonzentrationen über dem Grenzwert von 50 mg/l verringert haben, ist die Belastung weiterhin hoch. Vor allem der Anteil der Brunnen mit Werten über 100 mg/l sank nur geringfügig. Maßnahmen in der Landwirtschaft führen zwar zu Verbesserungen, reichen jedoch noch nicht aus, um die Nitratgehalte ausreichend zu senken. Der VSR-Gewässerschutz wird auch künftig mit seinem Labormobil vor Ort sein, um die Entwicklung zu beobachten.

Seit mehr als drei Jahrzehnten bietet das Labormobil des VSR-Gewässerschutzes im Kreis Borken Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, ihre Brunnenwasserproben kostenfrei analysieren zu lassen. Neben vor Ort durchgeführten Tests werden Wasserproben auch per Post eingesandt. Zum ersten Mal wurden nun umfassend 2.195 dieser Untersuchungen ausgewertet, um den Verlauf der Nitratbelastung über fast 30 Jahre darzustellen. Die Ergebnisse zeigen, dass ein erheblicher Teil der Gartenbrunnen im Untersuchungszeitraum Nitratkonzentrationen über dem zulässigen Grenzwert von 50 mg/l aufweist – ein Wert, der gemäß der seit 1991 geltenden Nitratrichtlinie nicht überschritten werden darf.

„Während in den Jahren 1996 bis 2000 noch 45,3 % der Brunnen den Grenzwert überschritten, waren es im Zeitraum 2021 bis 2025 immer noch 23,7 %. Besonders problematisch ist, dass der Anteil der Brunnen mit einer Nitratbelastung von über 100 mg/l im gesamten Zeitraum nur auf 4,4 % sank“, berichtet Harald Gülzow, der die Messungen seit Beginn begleitet. Er betont, dass die landwirtschaftlichen Gegenmaßnahmen zwar erste Erfolge bringen, aber der zu erwartende Rückgang der Nitratwerte bisher ausblieb. Um diese Entwicklung weiterhin zu verfolgen, führt der VSR-Gewässerschutz auch im aktuellen Jahr das Labormobil im Kreis Borken wieder ein, Termine werden auf der Vereins-Website bekannt gegeben.

Die Orte mit erhöhter Nitratbelastung befinden sich häufig außerhalb der offiziell ausgewiesenen Wasserschutzgebiete, in denen bereits frühzeitig Maßnahmen zum Grundwasserschutz umgesetzt wurden. „Ihnen war klar geworden, dass sie sich nicht auf die Politik verlassen können. Die Regelungen für die Aufbringung von Dünger waren nicht ausreichend, um längerfristig den Trinkwassergrenzwert von 50 mg/l einzuhalten“, so Gülzow. Deshalb sind freiwillige Partnerschaften mit Landwirten entstanden, die durch präziseres Düngen und ökologischere Anbaumethoden die Nitratkonzentration reduzieren und teure Aufbereitungstechniken vermeiden helfen.

Trotz dieser Ansätze mahnt der VSR-Gewässerschutz eine umfassendere Senkung der Nitratbelastung auch außerhalb der Schutzgebiete an. Sauberes Brunnenwasser soll Hausbesitzern bedenkenlos zur Bewässerung, als Teichwasser oder für die Tiertränke dienen können. Zudem trägt das belastete Grundwasser durch Einleitung in Flüsse und Bäche zur Nährstofffracht in die Nordsee bei, was dort erheblichen Schaden anrichtet. Das daraus resultierende übermäßige Algenwachstum gefährdet zahlreiche Wasserlebewesen und vermindert die Artenvielfalt. „Eine Verringerung der Nitratbelastung ist dringend nötig, um die Artenvielfalt zu fördern“, betont Harald Gülzow.

Der 1980 gegründete VSR-Gewässerschutz entstand aus mehreren Bürgerinitiativen und widmet sich dem Schutz von Grundwasser und Gewässern. Neben eigenen Analysen von Fließgewässern ist der Verein bei Brunnenwasserproben auf die Unterstützung der Brunnenbesitzer angewiesen.

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